Appell an die Wähler: Jüdische Gemeinde warnt kurz vor Wahlen vor AfD

Quelle: dpa Mecklenburg-Vorpommern 22. August 2026, 14:07 Uhr

Appell an die Wähler: Reinhard Schramm ist Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. (Archivbild)
Reinhard Schramm ist Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. (Archivbild) © Hendrik Schmidt/​dpa

Kurz vor mehreren Wahlen in Ostdeutschland warnt der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, vor der AfD. Der Vergleich mit der NSDAP zeige die Parallelen in der Aufstiegsphase beider Parteien, schrieb Schramm in einem Gastbeitrag der «Thüringischen Landeszeitung».

Schramm: AfD relativiert nationalsozialistische Verbrechen

Mit der Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen und mit der Bekämpfung der deutschen Erinnerungskultur begünstige die AfD ihren eigenen allmählichen Aufstieg zur Macht, so Schramm. Zeitzeugen des Naziterrors verfolgten «mit Ängsten die Entwicklung der heutigen, zunehmend rechtsextremen AfD». 

Knobloch hatte AfD mit NSDAP verglichen

Charlotte Knobloch, Holocaustüberlebende und frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, hatte im Magazin «Stern» den Vergleich gezogen. «Auch die NSDAP hat einmal klein angefangen und ausprobiert, was alles möglich ist», sagte sie. Exakt das passiere bei der AfD. «Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist.» Sie habe viele schreckliche Parteien erlebt, NPD, Republikaner, DVU, aber keine sei so gefährlich gewesen die AfD.

Schramm: Ängste der Zeitzeugen bei Wahlen respektieren

«Respektieren wir die verbliebenen Zeitzeugen wie Charlotte Knobloch mit ihren Erfahrungen, Leiden und Ängsten, indem wir unsere Wählerstimmen in diesem September in Ostdeutschland demokratischen Parteien geben», forderte Schramm. 

In den kommenden Wochen stehen im Osten mehrere Wahlen an. In Sachsen-Anhalt am 6. September rechnet sich die AfD Chancen auf eine Alleinregierung aus. In Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September gewählt wird, liegt die AfD in Umfragen ebenfalls vorn.

© dpa-infocom, dpa:260822-930-567228/1