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Eine Phase niedriger Wasserstände kommt in der Regel eher im Herbst und Winter vor. In diesem Jahr haben Trockenheit und Hitze einen ungewöhnlich frühen Verlust an Flusswasser bewirkt. Die Bilder von freigelegten Wracks oder schmalen Rinnsalen veranschaulichen das Ausmaß des Problems. Nach Angaben des Informationssystems Niwis ist vor allem die Donau betroffen. Bei 77 Prozent ihres Laufs verzeichnet Niwis einen sehr oder extrem niedrigen Pegelstand. Am Rhein sind es rund 42 Prozent. Die Messstellen melden am wichtigsten Fluss Deutschlands Negativrekorde beim Wasserstand.
Wie niedrig sind die Wasserstände eigentlich?
Durchgängig lässt sich das nicht feststellen. Die Behörden arbeiten mit Durchschnittswerten oder den Ergebnissen einzelner Messungen. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes meldet für die Donau beispielsweise Pegelstände zwischen 33 Zentimetern und gut sieben Metern. In Köln wurde am Samstag mit einer Tiefe des Rheins von 67 Zentimetern ein Rekordwert festgestellt. In Duisburg-Ruhrort waren es immerhin 150 Zentimeter, in Düsseldorf nur 22 Zentimeter.
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Wie wichtig sind die Wasserwege für die Versorgung der Wirtschaft?
Die rund 7300 Kilometer langen Bundeswasserstraßen bilden eine wichtige Infrastruktur für die Industrie, die Bauwirtschaft oder den Tourismus. „An der Binnenschifffahrt hängen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die Versorgungssicherheit ganzer Industrieregionen“, heißt es in einer jüngst veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). 6,5 Prozent der gesamten Gütertransporte werden über die Wasserwege geführt. Für die Lieferung von Massengütern wie Erzen, chemischen Grundstoffen, Kohle, Treibstoff und Baustoffen gibt es kaum eine Alternative dazu.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Chemieunternehmen wie BASF haben aus der letzten extremen Niedrigwasserphase von 2018 gelernt und vorgesorgt. Auch die Stahl- und Energiebranche leidet darunter. Doch die Lieferketten sind durch das Niedrigwasser sehr geschwächt. Die Kähne können zum Teil nicht voll beladen werden oder dürfen gar nicht mehr auf die Strecke. In der Folge haben sich die Frachtraten nach Expertenangaben bereits verdreifacht. Sehr stark betroffen ist auch der Tourismus. Flusskreuzfahrten müssen abgesagt werden oder Urlauber meiden die betroffenen Gebiete. Das betrifft dann auch die nachgelagerten Branchen Gastronomie oder Hotellerie. Den Schaden für die Wirtschaft beziffern Ökonomen auf bis zu zwei Milliarden Euro.
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Wie viele Arbeitsplätze hängen an den Wasserstraßen?
Die Binnenschifffahrt sichert rund 13.000 Jobs, rund um die Flusskreuzfahrten verdienen weitere 10.000 Beschäftigte ihr Geld. Das Niedrigwasser ist nicht das einzige Problem der Branche. Viele Wasserstraßen sind in schlechtem Zustand. Das DIW hat in fünf Modellregionen den Ausfall der jeweiligen Wasserstraße simuliert. „Von 617 erfassten Wehren und Schleusen sind 205 älter als 100 Jahre“, stellen die Forscher fest. „Der gegenwärtige Investitionsstau erhöht das Risiko langfristiger Infrastrukturausfälle.“

Folglich wären von einem Ausfall des westdeutschen Kanalsystems gut 100.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt betroffen, genauso viele am Neckar und am Elbe-Seitenkanal.
Werden die Güter jetzt auf der Straße transportiert?
Ein Wechsel auf die Straße ist nur in geringem Umfang möglich. Es stünden gar nicht genügend Lkw für die schweren Massengüter oder Treibstoffe bereit. Und diese Güter machen 70 Prozent der Wassertransporte aus. Nach Angaben des BDB können die Schiffe bis zu 3000 Tonnen Gewicht mitnehmen. Man bräuchte 150 Lkw, um einen dieser Transporte auf die Straße zu verlagern.
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Müssen sich Verbraucher auf steigende Preise einstellen?
Zunächst haben nur die Unternehmen der betroffenen Branchen mit höheren Kosten zu rechnen. Sollten jedoch Engpässe bei bestimmten Produkten auftreten, besteht auch für die Endverbraucher die Gefahr steigender Preise. Genannt werden hier Baustoffe oder auch Treibstoffe, die per Schiff transportiert werden. So könnte beispielsweise Benzin im Süden teurer werden, sollte dort weniger Sprit angeliefert werden können.
Wie lange kann die Phase mit Niedrigständen dauern?
Das lässt sich momentan nicht absehen. Anhaltende Regenfälle werden derzeit zumindest nicht vorhergesagt. Es kann also wahrscheinlich noch das eine oder andere am Grund der Flüsse befindliche Stück Geschichte freigelegt werden.
Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.
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Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) drängt auf die Einrichtung einer Taskforce der für diesen Donnerstag geplanten Sonder-Verkehrsministerkonferenz. Dort sollten Maßnahmen für eine bessere Transportlage erörtert werden, sagte er. Außerdem plädiert Krischer für eine Vertiefung der Fahrspuren am Rhein. Dafür müsse der Bund Geld bereitstellen, verlangt der Minister.