Die Mieter des Hauses im Hustadtring 141 leben eigentlich gerne hier. Viele schon seit 30 Jahren und länger. Die Lage sei einfach unbezahlbar. Ein kleiner Wald liegt um die Ecke. Geschäfte, Bushaltestelle, U-Bahn-Station - alles in der Nähe. "Wenn man dann runterkommt", sagt Friedrich Kreidt.
Viele Bewohner mit körperlichen Einschränkungen
Kreidt wohnt selbst im zehnten Stock. "Viele Bewohner hier sind schon Rentner oder haben körperliche Behinderungen. Wie lange soll man das denn ohne Aufzug noch aushalten", fragt er. Seine Nachbarin Gabi Schmitt kann sich noch an den Tag erinnern, als sie zum ersten Mal erfolglos auf den Aufzug-Knopf gedrückt hat.
"Ich treffe täglich Menschen im Treppenhaus, die weinend auf den Stufen sitzen und keine Kraft mehr zum Weiterlaufen haben." Friedrich Kreidt, Mieter aus dem 10. Stockwerk
Es war der 13. August. Seither überlegt Gabi Schmitt sehr genau, ob sie wirklich die zehn Stockwerke runter - und später wieder hinaufsteigen muss oder nicht. Dorothee Haladuda wohnt im 13. Stock. Sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Fünf Wochen lang hat sie ihre Wohnung gar nicht verlassen. Dann musste sie zu einem beruflichen Termin.
Normalerweise ein barrierefreies Haus
"Ich habe den Arbeiter-Samariter-Bund angerufen", sagt die Psychotherapeutin. Drei Männer seien gekommen. Einer habe ihren Rollstuhl getragen, die beiden anderen sie. Das sei ihr peinlich gewesen. "Normalerweise ist das ja ein barrierefreies Haus. Aber so? Die Hölle", sagt sie.
"Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder frei entscheiden zu können, wo ich hingehen will." Dorothee Haladuda, Mieterin aus dem 13. Stock und Rollstuhlfahrerin
Vermieterin ist die Firma GCP (Grand Central Property). Sie teilt auf Anfrage des WDR mit, dass sie eine Fachfirma sofort nach Bekanntwerden des Schadens mit der Reparatur beauftragt hat. Dabei sei sie unter anderem auf die Verfügbarkeit der benötigten Bauteile sowie auf die Terminierung durch Fachfirmen und Prüforganisationen angewiesen.
Personen- und Lebensmitteltragedienst
Man nehme die derzeitige Situation und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für die Mieter ernst und stelle zur Unterstützung einen Personen- und Lebensmitteltragedienst zur Verfügung, heißt es weiter. Martin Krämer vom Mieterbund Bochum vertritt mehrere Mieter in dem Hochhaus. Er findet es unmöglich, dass der Aufzug immer noch nicht repariert ist.
"Natürlich kann man die Miete kürzen, aber das nützt ja nichts. Man will wieder barrierefrei leben", sagt er. Er findet auch, dass GCP die Mieter nicht ausreichend informiert. Es sei immer noch nicht klar, wann der Aufzug wieder funktionieren würde.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräch mit Mieterbund Bochum
- Stellungnahme von GCP