Stand: 07.10.2026, 07:13 Uhr
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Arnd Zeigler ist am Mittwoch mit seinem Bühnenprogramm in Baunatal zu Gast. Wir haben mit ihm über Jürgen Klopps Einstand, die Bundesliga und gefallene Zweitligisten dieser Region gesprochen.
Baunatal – Die Länderspielpause ist vorüber, der 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga steht bevor. Und da empfängt am Freitagabend Tabellenführer Borussia Dortmund den Nordklub Werder Bremen. Mit wem ließe sich über beide Themen – DFB, aber auch die Liga – besser sprechen als mit Arnd Zeigler? Der Fußballjournalist und ‑autor ist seit 25 Jahren Stadionsprecher in Bremen, verfolgt das Geschehen zudem sowohl in seiner Fernsehsendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ als auch im Podcast „Zeigler und Köster“, den er mit 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster wöchentlich herausbringt.
Heute ist der 61-Jährige in der Region zu Gast. Er tritt ab 20 Uhr mit seinem Programm „Immer Glück ist Können“ in der Stadthalle in Baunatal auf (Restkarten unter eventim.de). Und auch mit dem dort ansässigen Hessenligisten verbindet er eine Erinnerung, wie er im Interview erzählt.
Herr Zeigler, ein 0:0 in Griechenland ist jetzt schon ein „herausragend gutes“ Länderspiel, wenn man dem Bundestrainer glaubt. Sieht Jürgen Klopp sein Team zu positiv?
Nein, es ist umgekehrt: Es wird vieles oft zu negativ bewertet, wenn das Ergebnis eines Spiels nicht der Erwartungshaltung entspricht. Die Haupterkenntnis des verlorenen Hinspiels gegen Griechenland war ja, dass Deutschland nicht gut gespielt hat, aber auch, dass die Griechen absolut keine schlechte Mannschaft sind. Am Sonntag nun hat Deutschland die Griechen phasenweise an die Wand gespielt. Das war ohne Wenn und Aber ein richtig gutes Auswärtsspiel der deutschen Mannschaft, das man im Normalfall 2:0 oder 3:0 gewonnen hätte. Nur weil der Ball einfach nicht ins Tor wollte und ein Tor aberkannt wurde, ist deshalb der gezeigte Fußball nicht automatisch schlechter.
Sie selbst haben eine besondere Beziehung zu Klopp, hatten zu seiner Bundesliga-Zeit immer wieder witzige Einspieler und Interviews in Ihrer Sendung. Haben Sie noch Kontakt? Und wie macht er sich in seiner noch sehr kurzen Amtszeit?
Seit er damals nach England gegangen ist, habe ich keine aktuelle Handynummer mehr von ihm. Aber wir haben uns kurz vor seinem Abschied aus Liverpool noch einmal im Trainingszentrum dort getroffen, und es war sehr herzlich und ein wirklich schönes Wiedersehen. Und was seine Amtszeit als Bundestrainer angeht: Er ist ein gerader Charakter, der diesen Job mit Leidenschaft und vielen neuen Ideen und Anstößen begonnen hat. Wird er jedes Spiel gewinnen? Nein. Wird er alles dafür tun, ein guter Bundestrainer zu sein? Ja. Gibt es bessere Trainer als ihn? Mir fällt keiner ein.

Weg von der großen Bühne Nationalmannschaft, hin zu Ihrem Auftritt heute: Unsere Region mit Nordhessen und Südniedersachsen dürfte angesichts früherer Zweitligisten wie dem KSV Baunatal, KSV Hessen und Göttingen 05 auch eine Reise in die Fußball-Vergangenheit sein.
Als jemand, der in den späten Siebzigern dem Fußball verfallen ist, verbinde ich mit all diesen Vereinen etwas, obwohl ich weit weg bin. Gemeinsam haben sie, dass ich allen drei Klubs seit vielen Jahren eine Renaissance wünsche. Und was speziell Baunatal angeht: Ich hatte Ende der Siebziger einen Klassenkameraden, der Bayern-Fan war und – das werde ich nie vergessen – einen Fanschal besaß, auf dem „BAYERN UM DEN WELTPOKAL, SECHZIG GEGEN BAUNATAL“ geschrieben stand.
2025 in Vellmar haben Sie bei Ihrem Auftritt einen mehr als 40 Jahre alten TV-Ausschnitt gezeigt, in dem die gerade gegründete Stadt nicht besonders gut wegkam. Was erwartet die Zuschauer in Baunatal?
Kam Vellmar wirklich schlecht weg? Also, ich möchte in Baunatal natürlich gerne an den Aufstieg in die 2. Liga vor 50 Jahren erinnern. Zumal das in Baunatal ja dieses Jahr auch ein großes Thema war.
Blicken wir auf Ihren Verein. Im Sommer hatte man in den Kommentarspalten der Sozialen Medien den Eindruck, bei Werder Bremen werde auf dem Transfermarkt alles falsch, beim Hamburger SV hingegen alles richtig gemacht. Werder ist jetzt Achter, punktgleich mit dem Vierten, Hamburg hingegen 16. Sie selbst kritisieren solche voreiligen Kommentare immer scharf. Warum sind viele Fans aber überhaupt so ungeduldig und gierig nach neuen Spielern?
Das weiß ich auch nicht so genau. Ich war früher immer glücklich über jeden guten Spieler, der meinem Verein über Jahre die Treue gehalten hat. Früher war man froh über Idole, auf die man sich über Jahre verlassen konnte. Heute sehen viele Fans Fußball wie ein Managerspiel am PC, wie eine Wirtschaftssimulation, wo man permanent Spieler holt, Marktwerterhöhungen generiert und die Spieler dann mit Profit wieder verkauft. Das gehört natürlich zum modernen Fußball auch dazu, aber meine Welt ist das nicht.
Sie sind 25 Jahre Stadionsprecher in Bremen. Kürzlich kamen zum 100. Geburtstag des Weserstadions allerhand Legenden zum Spiel gegen Real Madrid zusammen. Sind Sie manchmal wehmütig, wenn Sie an die Erfolge Ihrer Anfangszeit zurückdenken? Und kommt Real Madrid irgendwann mal wieder zu einem Pflichtspiel nach Bremen?
Wehmütig schon, aber es nützt ja nichts. Wäre ich Fan von Waldhof Mannheim, dem MSV Duisburg oder dem KSV Baunatal, dann würde es mir auch nicht viel nützen, dem nächsten Europacupspiel gegen Real Madrid entgegenzufiebern. Erfolge sind toll, aber sie sind immer nur ein Bonus. Die Herzensbindung zu einem Verein sollte nicht zu sehr an zählbare Erfolge geknüpft sein. Sonst ist man zu häufig deprimiert. Man muss als langjähriger Fan tunlichst lernen und verinnerlichen, auch mal mit kleinen Dingen zufrieden zu sein. Bei Werder wäre ein einstelliger Tabellenplatz mal wieder super. Und vor ein paar Wochen nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 gegen den FC Augsburg zu gewinnen, hat sich keinen Deut schlechter angefühlt als vor Jahren ein 3:2 in der Champions League gegen Real Madrid.
Werder ist am Freitag in Dortmund zu Gast. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Realistisch. Ich fahre mit einem Freund zum Spiel und wir werden hinterher höchstwahrscheinlich ohne Punkte heimfahren. Das wäre der Normalfall. Aber es kann immer alles passieren. Sie reden hier schließlich mit jemandem, dessen Verein vor wenigen Wochen RB Leipzig hochverdient geschlagen und vor wenigen Tagen dann ein Testspiel bei Twente Enschede mit 0:7 verloren hat.
Die Bundesliga geht also weiter. Der HSV ist wieder da, Schalke auch endlich. Das dürfte einen Fußballromantiker freuen.
Das tut es auch. Wir haben uns notgedrungen jahrelang an der namhaften 2. Liga berauscht und Sommer für Sommer von der besten 2. Liga aller Zeiten geschwärmt. Nun sind der HSV und Schalke aufgestiegen und Fortuna Düsseldorf abgestiegen. Traditionsvereine wie diese oder auch Eintracht Frankfurt, Werder Bremen oder Borussia Dortmund stehen für Dinge, die man für Geld nicht kaufen kann. Und diese Werte tun der Bundesliga sehr gut.
Und abschließend: Was hält man als ein solcher Fußballromantiker dann von Erstligisten wie Elversberg und Paderborn?
Wären das künstlich hochgezüchtete Retortenvereine, dann würden sie bei mir auf sehr wenig Gegenliebe stoßen. Aber sie sind jetzt einzig und alleine deshalb in der Bundesliga, weil sie ganz simpel schlauer waren als die vermeintlich Großen, die auch gerne in der Bundesliga wären. Dort wird einfach gute Arbeit geleistet. Und dagegen kann man als Fußballfan nichts haben.
Zur Person
Arnd Zeigler (61) ist aus Bremen nicht wegzudenken. In seiner Geburtsstadt fing er einst auch als Radiomoderator an. Beim WDR bekam er 2007 seine eigene TV-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, die er in etwas anderer Form schon seit Beginn der 90er-Jahre als Radioserie herausbrachte. Seit 2001 ist Zeigler Stadionsprecher bei Werder Bremen, zudem war und ist er als Autor, Kolumnist, Podcaster und Sänger tätig.