Wie trocken der Waldboden hier ist, kann Jennifer Weber vom Kreis Soest mit bloßem Auge sehen – aber auch genau messen: 8,3 Volumenprozent Feuchtigkeit weist der Boden hier im Warsteiner "Pastorengrund" auf.
Viel zu trocken für einen gesunden Wald – deshalb läuft hier auch gerade eine Renaturierung. Ein halbes Dutzend Entwässerungs-Gräben durchziehen den "Pastorengrund", manche hunderte Jahre alt.
Böden sind zu trocken für viele Baumarten
Sie leiten bei Regen das Wasser der Böden ab in die Bäche und dann in die Möhnetalsperre. Früher wurden sie bewusst angelegt, um den Boden auszutrocknen, das war vorteilhaft für die Waldarbeit. Gerade Fichten wuchsen dort besser.
Doch mit dem Klimawandel hat sich das geändert. "Mittlerweile ist es hier selbst für den Anbau von Fichten zu trocken, aber auch für viele andere Baumarten", sagt Olaf Ikenmeyer, Leiter des Regionalforstamtes Arnsberger Wald.
Entwässerungs-Gräben werden jetzt aufgebaggert und zugeschüttet
Weil Regen mittlerweile in größeren Mengen vor allem im Winterhalbjahr fällt, aber im Sommer fehlt, soll hier im Arnsberger Wald vorgesorgt werden.
Schwammwald-Böden sind gut für Natur und gegen Hochwasser
490 Kilometer Drainage-Gräben hat der Kreis Soest registriert, 48 Kilometer davon sollen bis Ende nächsten Jahres renaturiert werden. Die Kosten, rund 900.000 Euro, teilen sich der Bund, der Landesbetrieb Wald und Holz sowie der Kreis Soest.
Intaktes Moor speichert viel Kohlenstoffdioxid
Aktuell wird auch eine Moorfläche in der Nähe von Warstein renaturiert. Und das hat gleich mehrere Vorteile, sagt Jennifer Weber. "Zum einen geht es auch hier um Wasserrückhalt, aber zugleich auch um Biodiversität und CO2-Speicherung."
In einem intakten Moor fühlen sich viele Pflanzen und Tierarten wohl. Und weil über die Jahre Torfmoose wachsen, wegen des im Moor stehenden Wassers aber nicht verrotten, wird auch dauerhaft Kohlenstoffdioxid gespeichert.
BUND kritisiert Entwurf zum neuen Landeswaldgesetz
Viele Vorteile – um so ärgerlicher findet es Holger Holger Sticht, Landesvorsitzender der Umweltorganisation BUND NRW, dass im Entwurf für ein neues Waldgesetz des Landes NRW das Thema Wiedervernässung keine Rolle spiele.
"Wir haben gerade erst wieder einen heißen Sommer mit Waldbränden hinter uns. Nasse Waldböden und naturnah wachsende Wälder machen den Wald widerstandsfähiger gegen Hitze und Hochwasser und senken die Brandgefahr erheblich", sagt Holger Sticht.
Auf renaturierten Flächen ist es schon viel feuchter
Mittlerweile ist Jennifer Weber vom Kreis Soest an einer anderen Stelle im Arnsberger Wald, in der Nähe des Möhnesees. Hier wurden die Entwässerungs-Gräben schon im vorigen Jahr aufgearbeitet.
Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der FH Südwestfalen. Die wird nach Abschluss der Arbeiten nicht nur Stichproben nehmen, sondern systematisch erforschen, was die Arbeiten zur Wiedervernässung gebracht haben.
Unsere Quellen
- Kreis Soest
- Landesbetrieb Wald und Holz
- BUND
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
Sendung:WDR.de, Projekt Schwammwald im Arnsberger Wald, 01.10.2026, 19:11 Uhr