Cyber statt Drohne: Putin plant laut US-Diensten gezielte Provokation der Nato

US-Raketendefizit wegen Iran

Plant Putin eine Attacke auf die Nato?


07.08.2026 - 13:27 UhrLesedauer: 2 Min.

In Polen geht eine russische Rakete nieder, in Rumänien wird eine russische Drohne abgefangen. Die Zahl der Zwischenfälle in Nato-Staaten steigt. Geht Putin noch einen Schritt weiter?

Die Aufregung ist groß nach dem Zwischenfall mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle. Am Freitag tagte der Nationale Sicherheitsrat. Etliche deutsche Politiker forderten, Artikel 4 des Nato-Vertrags auszulösen, er sieht Beratungen im Kreis der Mitgliedstaaten der Allianz vor.

Das "Wall Street Journal" meldet unter Verweis auf US-Geheimdienstkreise, dass der russische Staatschef Wladimir Putin die Verteidigungsbereitschaft der Nato mit einer gezielten Provokation testen könnte. Von einem "begrenzten Vorstoß" berichtet das Blatt.

Das wankelmütige Bekenntnis von US-Präsident Donald Trump zur Nato und einer möglichen Verteidigungsbereitschaft in Europa ist seit Längerem bekannt. Nun nähren Berichte über Raketenengpässe des US-Militärs angesichts des andauernden Kriegs am Golf mit dem Iran weitere Spekulationen. Die Forschungseinrichtung Center for Strategic and International Studies (CSIS) hatte über einen historischen Tiefstand berichtet. Offiziell wies die US-Regierung den Bericht zurück. Doch soll Trump Pentagon-Chef Pete Hegseth wegen der fehlenden Raketen zur Rede gestellt haben.

Das Szenario, das nicht nur die USA fürchten: Putin könnte in Europa die Allianz testen, zur gleichen Zeit könnte China militärisch gegen Taiwan vorgehen. "Die Chance auf einen Weltkrieg ist noch nie so groß gewesen", so die niederländische Zeitung "NRC Handelsblad".

Furcht vor Zweifrontenkrieg für die USA

Einem solchen Zweifrontenkrieg wäre das US-Militär kaum gewachsen. Und so registrieren Sicherheitsexperten die steigende Zahl an provokativen Zwischenfällen.

  • In Polen ging in der Vorwoche eine russische Rakete nieder. Die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk bestellte den russischen Botschafter ein.
  • In Finnland beobachten Militärexperten den massiven Ausbau russischer Armeeanlagen entlang der Nato-Grenze im Norden.
  • In Rumänien fingen F-16-Kampfjets eine russische Drohne ab, die in den Nato-Luftraum eingedrungen war. Verteidigungsminister Radu Miruta lobte "Professionalität, Besonnenheit und schnelle Reaktion" der Nato-Einheiten.
  • In Deutschland wird eine Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine abgefangen. Parallel ist ein Jet des Logistikkonzerns DHL im Luftraum über dem Flughafen wohl mit einer Drohne kollidiert.

Noch sind die Hintergründe der Sprengstoffdrohne in Leipzig/Halle ungeklärt. Sicherheitsexperten beobachten aber die Zunahme von Zwischenfällen unterhalb von Artikel 5 des Nato-Vertrags, der die Beistandspflicht vorsieht. Heather Conley vom American Enterprise Insitute (AEI) sagte dem "Wall Street Journal": "Die Reaktion auf einen Angriff unterhalb der Schwelle von Artikel 5 war für die Nato schon immer eine Herausforderung, und es trifft durchaus zu, dass die Nato-Verbündeten es bislang vorgezogen haben, keine Eskalation herbeizuführen."