Vermisstenfall Vanessa Huber aus Unterhaching: Neue Hinweise auf ihren Aufenthaltsort

Im Vermisstenfall Vanessa Huber aus Unterhaching bei München gibt es neue Zeugenhinweise. Wie das Polizeipräsidium Rostock mitteilt, soll die im November 2022 verschwundene damals 39-Jährige Anfang dieser Woche in Rostock-Warnemünde an der Ostsee gesehen worden sein. Die Polizei spricht von „konkreten“ Hinweisen aus dem Bereich Stoltera/Diedrichshagen und sucht nun weitere Zeugen.

Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock, bestätigt der SZ, dass ein Ehepaar und ein Mitarbeiter eines Hotels nahe der Küste Vanessa Huber erkannt haben wollen. „Es gab Gespräche mit der Person, die den drei Zeugen irgendwie seltsam vorkamen“, berichtet Pawelke. Daraufhin hätten die beiden Hotelgäste und der Mitarbeiter die Vermisstenmeldungen durchgeschaut und seien so beim Bundeskriminalamt auf die Fotos und den Namen Vanessa Huber gestoßen. „Sie haben die Polizei in Bayern informiert, deren Kontakt ja dort hinterlegt ist, und die wiederum hat uns um Amtshilfe gebeten“, erläutert die Rostocker Polizeisprecherin die aktuelle Entwicklung in diesem Fall.

Vanessa Huber soll in Warnemünde gesehen worden sein.
Vanessa Huber soll in Warnemünde gesehen worden sein. Claus Schunk
Die Polizeistation in Warnemünde.
Die Polizeistation in Warnemünde. Claus Schunk

In Rostock hatte vor einigen Tagen die Polizei abermals eine Vermisstenmeldung nach Vanessa Huber veröffentlicht, daraufhin sollen sich weitere Zeugen gemeldet haben, die die Vermisste ebenfalls im Bereich Diedrichshagen gesehen haben wollen.

Ob es sich bei der Frau in Warnemünde tatsächlich um die Unterhachingerin handelt, wird derzeit geprüft. Die Polizei wertet Videomaterial aus. Am Freitagnachmittag hat sie einen weiteren Zeugenaufruf herausgegeben. Dabei wird insbesondere auf Kleidung und Frisur der gesehenen Person hingewiesen: Die blonden langen Haare seien wahrscheinlich zum Zopf gebunden. Bekleidet ist die Frau aus den Videoaufzeichnungen laut Polizei mit einer Jeans und dunklen Schuhen. Sie trägt eine dunkelblaue Jacke und hat einen auffallend roten (Trekking-)Rucksack mit.

In Rostock findet aktuell die „Hanse Sail“ statt, eine große Segel-Veranstaltung, zu der Hunderttausende Menschen an die Ostsee kommen. Warnemünde ist eines von sechs Arealen dieser Großveranstaltung. „Es ist nicht ganz so viel los wie beim Münchner Oktoberfest, aber für uns ein sehr großes Fest“, sagt Pawelke. Für jemanden, der vermisst wird und nicht gefunden werden will, bedeute das zweierlei: „Der kann einerseits in der Deckungsmasse untertauchen, allerdings riskiert er auch, dass viele Augen ihn sehen könnten“, so die Polizeisprecherin.

Vanessa Huber, die mit Geburtsnamen Kitowski heißt, stammt ursprünglich aus Berlin. Am 5. November 2022  hatte sie nach einem Streit mit ihrem Ehemann die gemeinsame Wohnung in Unterhaching verlassen und wurde einige Tage später von ihm als vermisst gemeldet. Der Fall hatte großes Aufsehen erregt, da die Polizei ein Gewaltverbrechen nicht ausschließen konnte und Suchaktionen rund um Unterhaching startete. Wälder wie der Perlacher Forst wurden mit hohem Personalaufwand durchkämmt, Drohnen eingesetzt, zahlreichen Hinweisen nachgegangen und schließlich auch Tümpel im nahen Taufkirchen mit Tauchern abgesucht.

Auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ berichtete zweimal über diesen Fall. Veröffentlicht wurde zudem eine Video-Aufnahme aus einem Unterhachinger Supermarkt, wo Vanessa Huber gemeinsam mit ihrem Mann kurz vor ihrem Verschwinden eingekauft hatte. Dies war bislang das letzte Foto, das es von der vermissten Frau gab. Bekannt wurde durch die Fernsehsendung, in der auch ihre Eltern aus Berlin auftraten, dass Vanessa Huber erst als Anlageberaterin und dann als Personalreferentin arbeitete. Nebenbei soll sie als Fitnesstrainerin tätig gewesen sein. All die Hinweise führten zu keiner weiteren heißen Spur.

Der Ehemann, der kurzzeitig auch in Verdacht geraten war, etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben, wurde 2024 tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Ermittler waren damals laut Polizei gerade auf dem Weg zu einer weiteren Besprechung mit dem Mann. Ein Fremdverschulden an dessen Tod schloss die Polizei aus. Der Ehemann von Vanessa Huber soll „psychoaktive Substanzen“ konsumiert haben, sogenannte „Legal Highs“. So teilte es die Polizei später mit. Der Fall ist seit fast vier Jahren rätselhaft.