Seit Wochen manövriert der russische Satellit Cosmos 2612 auf kollisionsnahen Kurs zu einem kommerziellen Radar-Satelliten, der Bilddaten an die Ukraine liefert.
Experten der Denkfabrik Csis warnen vor einem möglichen Angriff im Orbit, es wäre der erste dieser Art in der Geschichte: Ein russischer Militärsatellit manövriert seit Wochen in unmittelbarer Nähe zu Iceye-X36(öffnet im neuen Fenster), einem Radarsatelliten des finnisch-amerikanischen Unternehmens Iceye, das Bilddaten für die Ukraine liefert. Das geht aus Berichten hervor, die auf Material des Center for Strategic and International Studies (Csis) beruhen.
Iceye ist ein unabhängiges Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki und den Vereinigten Staaten. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes haben die Satellitendaten des Unternehmens zur Zerstörung von mehr als 7.000 russischen Fahrzeugen beigetragen. Der betroffene Satellit wurde zudem teilweise durch Crowdfunding-Kampagnen ukrainischer Bürger finanziert(öffnet im neuen Fenster), was ihm zusätzliche symbolische Bedeutung verleiht.
Generalmajor Michael Traut(öffnet im neuen Fenster), Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, sagte, die russischen Raumfahrzeuge würden den Iceye-Satelliten regelrecht jagen. Der Satellit liefert Aufklärungsbilder vom Gefechtsfeld."Russland demonstriert Methoden, die, direkt gegen eine Megakonstellation wie Starlink eingesetzt, deren Lebensdauer beeinträchtigen könnten", sagte Traut der Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster).
Ein Muster wiederholt sich
Die aktuelle Begegnung scheint kein Einzelfall zu sein. Bereits im Mai 2026 soll Russland vier Cosmos-Satelliten bis auf 2,5 Kilometer an Iceye-Satelliten herangeführt haben. Iceye wich mit seinem Satelliten aus, die russischen Satelliten folgten.
Seit dem 30. September hat Cosmos 2612 eine neue Serie von Manövern gestartet(öffnet im neuen Fenster) und sich auf fast dieselbe Höhe und dieselbe Orbitalebene wie der Iceye-Satellit gebracht. Analysten zufolge ist der russische Satellit(öffnet im neuen Fenster) nun so positioniert, dass er sich mit minimalem Energieaufwand dem kommerziellen Raumfahrzeug stark annähern könnte. Der Abstand soll nur 5 km betragen.
Mögliche Szenarien reichen von Störsendern bis zum kinetischen Angriff
Es gilt nun zu beobachten, was Cosmos 2612 als Nächstes tut: Ob der russische Satellit versucht, den Iceye-Satelliten zu stören oder außer Gefecht zu setzen, oder ob er schlicht in eine andere Umlaufbahn weiterzieht. Die Analyse beschreibt mehrere theoretische Fähigkeiten: Der Satellit könnte einen Störsender tragen, um Signale zum oder vom Iceye-Satelliten zu blockieren, einen Laser, der Geräte beschädigen oder einen Sensor blenden könnte, oder möglicherweise ein Projektil abfeuern.
Nicht jedes Szenario wäre zerstörerisch. Manche Aktionen könnten dazu dienen, Fähigkeiten zu demonstrieren und die Botschaft zu senden, dass Russland im Orbit ungehindert handeln kann. Am anderen Ende des Spektrums könnte ein Manöver den Radarsatelliten dauerhaft beschädigen oder zerstören.
Moskau droht offen, ein Präzedenzfall wäre historisch
Russland erklärte wiederholt, dass kommerzielle Satelliten, die die Ukraine unterstützen, als legitime Ziele betrachtet werden könnten. Folgt ein solcher Schlag, wäre es das erste Mal in der Geschichte, dass ein Staat den kommerziellen Satelliten eines anderen Staates im Weltraum angreift.
Regeln für den Orbit fehlen
Die Konfrontation legt zudem Lücken in den Regeln für den Weltraum offen. So gibt es derzeit keine vereinbarten Standards, die festlegen, wie nah sich ein Satellit einem anderen nähern darf oder ab wann das Teilen einer Orbitalebene als Eskalation gilt.
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