AUDIO: Dorfsupermarkt auf Genossenschaftsbasis: So läuft das Tante-Enso-Modell (2 Min)
Nahversorgung auf dem Land
Geplante Tegut-Übernahme durch Tante Enso: Neun 24-Stunden-Märkte sollen entstehen
Stand: 30.07.2026 21:11 Uhr
Hunderte Thüringerinnen und Thüringer auf dem Land stehen derzeit vor einer wichtigen Entscheidung: Wollen sie Geld in ihren künftigen Dorfsupermarkt investieren oder nicht? Wenn genügend Menschen Genossenschaftsanteile kaufen, will das Unternehmen Tante Enso insgesamt neun Tegut-Filialen in Thüringen als 24-Stunden-Läden betreiben. In vier Orten hat das jetzt schon geklappt. Alle Fragen und Antworten dazu im Überblick.
von Lisa Wudy, MDR THÜRINGEN
In Ichtershausen im Ilm-Kreis sowie in Mengersgereuth-Hämmern, Schönbrunn und Viernau in Südthüringen haben die Menschen bereits Hunderte Anteile der genossenschaftlichen Mini-Supermarktkette gekauft. Damit finanziert sich der Supermarkt und die Mitglieder bekommen Mitspracherecht.
In Unterbreizbach im Wartburgkreis musste die Zeichnungsfrist zuletzt verlängert werden, um weitere Interessenten zu gewinnen. In Dachwig (Kreis Gotha), Neuhaus-Schierschnitz (Kreis Sonneberg), Wipperdorf (Kreis Nordhausen) und Sondershausen (Kyffhäuserkreis) laufen derzeit die Kampagnen.
Tante-Enso-Aufsteller vor dem Tegut in Mengersgereuth-Hämmern: Das Unternehmen sucht Unterstützer für sein Modell.
Tante Enso betreibt bundesweit mehr als 90 Filialen
Je nach Standort müssen sich 500 bis 800 Teilhaberinnen und Teilhaber finden. Das sei laut dem Unternehmen unter anderem von der Größe des Ortes und weiteren Nahversorgern in der Region abhängig. Ein Genossenschaftsanteil kostet 100 Euro. In Thüringen gibt es bereits mehrere Tante-Enso-Märkte, weitere sind geplant. Darunter sind auch die neun Tegut-Standorte. Innerhalb weniger Jahre hat das Bremer Unternehmen mehr als 90 Filialen in Deutschland, überwiegend im ländlichen Raum, aufgebaut.
Das Modell scheint zu funktionieren: Laut dem Bremer Unternehmen sind Genossenschaftsmitglieder die besseren Kunden, da sie ein Interesse daran hätten, die Nahversorgung im Ort zu erhalten. Sie würden "nachweislich mehr in 'ihrem Laden' einkaufen", heißt es. Nur an wenigen Standorten habe sich das Konzept nicht rentiert, darunter drei Seniorenresidenzen. Dort sei das digitale Einkaufen in den halbautomatisierten Märkten nicht so beliebt gewesen. Thüringenweit werden seit einigen Jahren mehrere 24-Stunden-Märkte verschiedener Anbieter mit unterschiedlichen Konzepten betrieben.
Video: Was der Tegut-Verkauf für Zulieferer bedeutet (2 Min)
Wie soll es an den Tegut-Standorten laufen?
Tante Enso will nach eigenen Angaben alle Beschäftigten zum 1. September übernehmen, die nicht zum 31. August gekündigt haben. Zunächst sollen die gewohnten Tegut-Öffnungszeiten beibehalten werden. Geplant ist, anschließend schrittweise zum Tante-Enso-Hybridmodell überzugehen. Das bedeutet: rund um die Uhr geöffnet und zeitweise mit Personal vor Ort.
Wenn die Filiale besetzt ist, kann auch ohne Kundenkarte bezahlt werden. Was mit dem Standort passiert, falls nicht genügend Teilhaberinnen und Teilhaber gefunden werden, sei noch unklar. "Darüber machen wir uns Gedanken, wenn der Fall eintritt", heißt es. Bisher erlebe das Unternehmen jedoch großen Zuspruch aus den Orten. Deutschlandweit sollen insgesamt 36 Tegut-Filialen übernommen werden.
Aus dem Tegut in Mengersgereuth-Hämmern wird ein Tante-Enso-Laden.
FAQ zum Tante-Enso-Modell
Bei einer Genossenschaft schließen sich Menschen zusammen, investieren gemeinsam Geld und verfolgen ein gemeinsames Ziel. Ein bekanntes Beispiel sind etwa Wohnungsgenossenschaften. Mit dem Kauf eines Anteils wird ein Geschäftsanteil an einer eingetragenen Genossenschaft erworben. Im Fall von Tante Enso sind die Menschen dann an der myEnso Teilhaber eG beteiligt.
MDR (wdy/sar)
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