Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen. KulturInterview
Für die „Wienerin“ hat sie Stars wie Susan Sarandon oder Karl Lagerfeld interviewt. Nun schreibt sie Gartenkrimis, die vor allem Frauen begeistern. Autorin Martina Parker verrät, warum der Rasenmäher lange Ruhepausen hat und warum sie manchmal auch als Enkerl durchgeht.

© Oliver Topf


vor 43 Minuten
2. August 2026 um 06:00
Frau Parker, im Garten, dort, wo auch Ihre Kriminalromane wie „Zuagroast“ oder „Hamdraht“ spielen, blüht und gedeiht es gerade. Sie leben ja auf einem idyllischen Streckhof im Südburgenland, haben Sie schon alles erledigt?
Ja, schon, obwohl mein Mann und ich das nicht ganz so eng sehen. Wir versuchen beim Mähen Vorbilder zu sein und es nicht zu übertreiben. Die Initiative „Mähfreier Mai“ kommt aus England. Wir halten uns auch im Sommer daran, das freut die Insekten und hält den Garten kühl. Dafür muss man sich bei uns halt seinen Weg zu den Himbeeren bahnen.
Ihr Mann kommt ja aus England – verbindet Sie diese Liebe zum Garten?
Durchaus. Der Garten macht etwas mit einem. Ich finde zum Beispiel, dass barfuß gehen, im wahrsten Sinne des Wortes, unglaublich erdet. Man hat eine Verbindung zum Boden.
Wenn man in Ihren Lebenslauf abtaucht, zeigt sich, wie facettenreich Sie sind. Sie sind ausgebildete Kräuterpädagogin, haben aber auch als Journalistin Stars und Sternchen interviewt. Wie kommt diese ungewöhnliche Mischung?
Ich habe bei der Wienerin die Ressorts Beauty und Essen/Trinken betreut. Mich hat aber immer schon interessiert, wie Natur, Ernährung, Pflege und Gesundheit zusammenhängen.
1 / 3

Ihre Krimis spielen im Garten, einer – „Zuagroast“ – wurde auch schon verfilmt. Warum wird im grünen Idyll so gerne gemordet?
In der Natur geht es immer um Sex und Tod. Hinzu kommt vielleicht auch der Kontrast aus grüner Idylle und menschlichen Abgründen.
Was inspiriert Sie zu morden?
Also das mit dem Morden ist bei meinen Büchern eigentlich total nebensächlich. Es geht mehr um die Menschen, was sie erleben und ihre Beziehungen. Der Mord passiert en passant. Ich kann vorher gar nicht sagen, was passieren wird, weil ich nicht plotte. Also, ich weiß nicht, wer in Kapitel 4 bei der Tür reinkommt, weil ich ja oft in Kapitel 3 noch gar nicht weiß, dass da eine Tür ist. Ich sehe einen Film ablaufen vor meinem inneren Auge und schreibe einfach auf, was ich sehe. Das ist auch für mich spannender, weil mich selbst überrascht, was passiert. Bei „Zuagroast“ habe ich bis zum Schluss nicht gewusst, wer der Mörder ist.
Wie kam es, dass Sie von den Interviews für die ,Wienerin‘ zu den Büchern gewechselt sind?
Das hat sich im Lockdown ergeben. Andere joggen, ich schreibe. Ich fühle mich besser nach dem Schreiben. Ich bin Legasthenikerin. Heute wird Legasthenie als Form der Neurodivergenz verstanden. Man verarbeitet Informationen anders. Ich denke beim Schreiben nicht linear, sondern versuche ein Puzzle zu legen, von dem ich nur Teilinformationen zur Verfügung habe und fülle den Rest durch Intuition.

© Gmeiner Verlag
Zur Person
Martina Parker stammt aus Bad Tatzmannsdorf. Bei der Frauenzeitschrift „Wienerin“ gründete sie das Beauty-Ressort, das sie über 20 Jahre leitete. 2008 wurde sie Beauty-Director für die Frauentitel der Styria Media Group.
Als Journalistin führte sie unter anderem mit Robbie Williams, Susan Sarandon, Cate Blanchett und Karl Lagerfeld Interviews. Seit 2020 arbeitet sie als Autorin und freie Journalistin.
2021 erschien ihr Debüt-Kriminalroman „Zuagroast“. Es folgten weitere sechs Bücher in dieser Reihe. Am 12. Oktober erscheint Parkers neues Buch „Miss Verständnis“.
War Ihre Legasthenie bei der Arbeit als Journalistin und als Autorin nie eine Hürde?
Ein Chef meinte einmal zu mir, dass ich etwas anderes machen sollte. Ich wollte es aber trotzdem. Ich habe mich schon als Schülerin nie von der Legasthenie bremsen lassen, obwohl ich deswegen ständig schlechte Noten in Deutsch bekam. Zum Glück gibt es mittlerweile Schreibprogramme mit Rechtschreibprüfung.
Sie haben ja auch einmal Ihre Community entscheiden lassen, wie ein Buch ausgeht. Wie kam das an?
Das war ebenfalls im Lockdown – und zwar aus Langeweile. Ich war es aus der Redaktion gewohnt, über Themen zu diskutieren. Und plötzlich war niemand da. Deswegen habe ich auf Social Media mit den Montagsfragen begonnen und Menschen mitentscheiden lassen, worüber ich schreibe. Das Feedback war enorm. Da ist eine unglaubliche Community entstanden, die heute noch zu meinen Lesungen kommt. Ich komme ja von einer Frauenzeitung und dort geht es sehr stark um Gemeinschaft zwischen Frauen. Das erlebe ich ganz stark.
Sie waren ja als Journalistin weltweit unterwegs und haben die Stars wie Susan Sarandon, Karl Lagerfeld oder Giorgio Armani interviewt. Wer ist Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben?
Susan Sarandon. Sie zählt für mich zu den unbeugsamen Frauen in Hollywood. Ich habe sie als sehr reflektiert erlebt. Damals war die politische Lage in den USA bereits sehr angespannt, und sie hat sofort offen und unzensiert über gesellschaftliche Themen gesprochen. Bei sehr jungen Stars hat man ja oft das Problem, dass fünf Marketing-Manager im Raum sind, die versuchen Themen festzunageln.

© Privat
Eine abschließende Frage: Wie geht es Ihnen bei Lesereisen? Da erlebt man ja sicher so einiges.
Oh ja! Das Skurrilste war, als ich privat untergebracht war – im ehemaligen Kinderzimmer. Es war ein Opa im Haus, der an Demenz litt, und ich bin ja bei Lesungen immer angezogen wie ein Zirkuspony. Das hat sich halt so entwickelt mit meinen Glitzerstiefeln. Und als ich die Stiegen runter gehe, sagt er zu mir: „Was ist? Gehst schon wieder zu den Buben?!“ Er hat mich mit seiner Enkelin verwechselt.

© Gmeiner Verlag