Altmark sucht das Super-Getreide: Forschung in der Versuchsstation Beetzendorf

Ein grüner Traktor in einer Garage

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Versuchsstation Beetzendorf

Die Altmark sucht das Getreide der Zukunft

Stand: 02.08.2026 08:00 Uhr

Und die Hitze des Sommers stresst nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen. In der Landwirtschaft wird deshalb untersucht, wie das Getreide der Zukunft aussehen könnte. Zu den wichtigen Standorten hierbei gehört Beetzendorf in der Altmark.

von Katharina Häckl, MDR SACHSEN-ANHALT

Cedric Fehseke, der hochgewachsene Leiter der Versuchsstation in Beetzendorf, streicht über die Ähren von "Baldachin" und Norddeutschem Champagner-Roggen.

Der 29-Jährige sieht genau hin: Wie groß sind die Körner, wie viele trägt so eine Ähre, wie stabil sind die Halme? Knicken die Ähren bei der Hitze ab oder legen sich zu schnell bei stärkerem Wind? Auf seine Expertise kommt es später, nach drei Jahren Prüfzeit, an, ob eine Getreidesorte ganz offiziell von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) den Landwirten empfohlen wird oder nicht.

Ein Mann im weißen T-Shirt in einem Getreidefeld

Cedric Fehseke leitet die Versuchsstation Beetzendorf.

In der Altmark wird die Widerstandskraft untersucht

Fünf solcher Versuchsstationen gibt es in Sachsen-Anhalt. Jede testet Getreide auf dem regionalen Boden vor Ort für die Landwirte vor Ort. Nur die Beetzendorfer Station kümmert sich auch um Sorten für den Öko-Landbau. Die Altmark habe sandige Böden, die das Wasser nicht halten, beschreibt Jana Fritzsch, die Leiterin des Dezernats "Regionale Feldversuche und Sortenprüfung". Solche leichten Böden nutzen Bio-Bauern eher als konventionelle.

Eine Frau mit Sonnenhut steht in einer großen Garage vor einem grünen Traktor

Jana Fritzsch ist die Leiterin des Dezernats "Regionale Feldversuche und Sortenprüfung".

Im konventionellen Anbau könnten Landwirte zum Beispiel durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das Wachstum und Wohlergehen des Getreides steuern, sagt Cedric Fehseke. Im Öko-Landbau sei das nicht möglich. "Da will man dann vor allem Sorten haben als Landwirt, die eben sehr krankheitsresistent sind. Genau sowas prüfen wir."

Ich bezeichne uns immer so ein bisschen flapsig als 'Stiftung Warentest' für landwirtschaftliche Sorten". Cedric Fehseke, Stationsleiter

Dabei hat jede zu testende Getreidesorte nur geringen Platz: gerade mal 13,5 Quadratmeter. Jede hat dieselben Chancen, sich zu beweisen; die Bedingungen, unter denen die Sorten angebaut werden, sind jeweils exakt dieselben: "Zehn verschiedene Sorten werden alle am gleichen Tag mit der gleichen Saatstärke gedrillt auf der gleichen Fläche. Die werden alle mit derselben Technik behandelt, mit demselben Mähdrescher gedroschen, mit derselben Einstellung. Dazu haben wir auch Spezialtechnik, einen sogenannten Parzellendrescher", betont der Stationsleiter.

Auch wenn diese Maschine kleiner ist als im konventionellen Anbau - sie hat zum Beispiel nur eine Schneidbreite von 1,60 Meter. Der Parzellendrescher kostet soviel wie ein großer Mähdrescher mit zwölf Meter breitem Schneidwerk. Er verfügt über ein inneres Reinigungssystem; schließlich dürfen sich die Sorten nicht vermischen, sonst ist die Arbeit der gesamten Saison umsonst gewesen.

Die Sonne scheint bei blauem Himmel über einem Stoppelacker.

Eine Art "Warentest“ für die Landwirtschaft

Zwischen Saat und Ernte liegt indes viel Handarbeit: Fehseke und seine drei Mitarbeiterinnen beobachten das Wachsen und Reifen des Bio-Getreides ganz genau. Mit Klemmbrett und Stift halten sie direkt auf dem Feld fest, wie es den Pflanzen geht, ob sie Krankheiten bekommen, ob ihre Blattmasse groß genug ist, um Unkraut zu unterdrücken. Bio-Bauern verwenden keine Herbizide, deshalb ist das ein wichtiger Punkt.

Derart strenge Regeln garantieren laut Cedric Fehseke eindeutige Ergebnisse und Beurteilungen. Nur so könne man sich, sagt der Stationsleiter, "auch ein unabhängiges Bild machen. Das ist die Hauptaufgabe und das Hauptkriterium, dass wir eine unabhängige Prüfstelle sind. Ich bezeichne uns immer so ein bisschen flapsig als 'Stiftung Warentest' für landwirtschaftliche Sorten".

Eine Verkäuferin greift an einem Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt in eine Kiste mit Kartoffeln.

Ihre Ergebnisse und Erkenntnisse verkünden Cedric Fehseke und seine Mitarbeiterinnen unter anderem bei so genannten Feldtagen. Landwirte, Sortenzüchter und Vertreter des Landhandels sind dann zu Gast. Mehrmals im Jahr empfängt der Stationsleiter aber auch Grundschüler aus Jübar und Beetzendorf. Den Kindern erklärt er auf dem Feld, was eine Züchtung ist und wie Getreide früher aussah. Dafür hat er auch einige alte Sorten wachsen lassen.

Getreide mit dem Namen "Yoda"

Ohnehin ist Cedric Fehseke auch privat fasziniert von Getreidesorten. In seinem eigenen Garten wachsen in diesem Jahr mehrjähriger Roggen und Emmer. Aber auch eine alte sächsische Lein-Sorte hat er schon aus purer Neugier angebaut, "Löbauer Blau".

Körner aus der Filmdose

Welchen Namen eine Getreidesorte bekommt, entscheidet aber nicht die LLG, sondern der Züchter. "Es gab auch schon mal eine Winterraps-Sorte, die hieß Attacke", schmunzelt der Stationsleiter. Seine Chefin Jana Fritzsch ergänzt, manche Züchter seien offenbar Fan der "Star Wars"-Filme. Es gebe zum Beispiel Sorten, die "Yoda" oder "Obi Wan" genannt wurden. Der blonden, resoluten Dezernatsleiterin aber gefällt der helle "Norddeutsche Champagnerroggen" immer noch am besten.

MDR (Katharina Häckl, Alisa Sonntag)