Schwere Badeunfälle binnen weniger Tage an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns

Es sind Szenen, die nicht nur die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sprachlos machen. Am Mittwochabend ignorierte eine 50-jährige Touristin aus Berlin am Strand von Vitte eiskalt das absolute Badeverbot. Obwohl der rote Sturmball gut sichtbar am Strand wehte, ging die Frau in die Wellen – mit fatalen Folgen. Sie geriet sofort in eine lebensgefährliche Notlage und wurde hilflos mehrfach gegen die scharfkantigen Holzbuhnen geschleudert.

Ein mutiger Passant (50) erkannte die tödliche Gefahr, wählte über seine Begleiterin den Notruf und sprang selbst ins Wasser. Gemeinsam mit eintreffenden DLRG-Rettern gelang es, die blutende Frau an Land zu ziehen. Mit schweren Schnittverletzungen und einer tiefen Unterkühlung flog sie ein Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Stralsund. Auch ihr Retter musste medizinisch versorgt werden.

Tödliche Strömung an der Mole Warnemünde

Der Vorfall auf Hiddensee ist nur die Spitze einer dramatischen Serie. Bereits am Dienstagabend endete in Warnemünde ein erfrischendes Bad in der Ostsee tödlich. Ein 33-jähriger Urlauber aus Brandenburg ging zusammen mit einer Begleiterin trotz Badeverbots nahe der Mole ins Wasser und begab sich mitten in die gefährliche Zone. Plötzlich geriet der Mann unter Wasser.

Augenzeugen reagierten sofort, begaben sich selbst in extreme Gefahr, da die Strömung unfassbar stark war. Dennoch gelang es Helfern, den leblosen Körper an Strand zu ziehen. Alle Wiederbelebungsversuche scheiterten jedoch, der 33-Jährige verstarb kurz darauf im Krankenhaus.

Nur wenige Stunden zuvor, am Dienstagvormittag, gab es auch in Stralsund traurige Gewissheit. In der Marina Dänholm Nord entdeckte die Feuerwehr die Leiche eines 58-jährigen Mannes im Wasser. Er wurde seit dem Wochenende vermisst. Die Polizei geht von einem tragischen Unfall aus. Der Mann ist vermutlich ohne Fremdeinwirkung von der Steganlage ins Wasser gestürzt und ertrunken.

DLRG schlägt Alarm: Schockierende Bilanz

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft sind allein im Juni in Mecklenburg-Vorpommern sechs Menschen beim Baden tödlich verunglückt. Im vergangenen Jahren ertranken insgesamt 30 Menschen in den Gewässern von Mecklenburg-Vorpommern, 17 davon direkt in der Ostsee. Die Lebensretter und DLRG-Präsidentin Ute Vogt richten daher einen eindringlichen Appell an alle Strandgäste: Badeverbote und Warnbeflaggungen sind keine Empfehlungen, sie sind überlebenswichtig. Wer Gefahren durch Unterströmungen unterschätzt oder sich unangemeldet in Rettungsversuche stürzt, bringt nicht nur sich selbst, sondern auch die Einsatzkräfte in Lebensgefahr.

Die DRK Wasserwacht in Rostock hat mittlerweile technisch aufgerüstet. Wenn Wellen peitschen und die Strömung lebensgefährlich wird, bekommen Warnemündes Wasserretter ab sofort flinke Unterstützung. Zwei schwimmende Rettungsroboter verstärken in dieser Saison die Teams am Ostseestrand.

Der blitzschnelle „Dolphin 3“ schafft bis bis zu 25 km/h und hat eine Reichweite von knapp 800 Metern. Der High-Tech-Helfer soll vor allem dann ausrücken, wenn das Wetter extrem ist und sich selbst erfahrene Rettungsschwimmer in Lebensgefahr bringen würden. Zwar stößt das Gerät bei bewusstlosen Personen an seine Grenzen, bietet den Einsatzkräften vor Ort aber eine unschätzbare Rückendeckung, um Verunglückte rasch zu sichern.

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