ICE in voller Fahrt
Foto: Thorsten Wagner / W2Art / IMAGO
Am Montagabend war ein ICE von München nach Dortmund unterwegs. Um 19.32 Uhr fuhr der Zug gerade mit rund 200 Stundenkilometern durch Unterfranken, da öffnete sich eine Waggontür. Der Lokführer stoppte sofort, die Bundespolizei rückte an. Gut fünf Stunden mussten die 238 Reisenden und acht Bahn-Mitarbeiter verharren, bis es weiter ging zum nahen Bahnhof Lohr am Main.
Wie ist der Vorfall zu erklären? Die wichtigsten Antworten.
Wie kann sich eine Tür während der Fahrt öffnen?
Eine technische Störung am Zug schloss die Deutsche Bahn rasch aus. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte dem SPIEGEL, jemand habe die Notfallentriegelung der Tür ausgelöst. In einem solchen Fall lasse sich die Tür öffnen – auch während der Fahrt. Das sei »vorgesehen«, so der Sprecher; in diesem Fall aber habe »keine Situation« vorgelegen, »in der das nötig gewesen ist«.
Wie sind Zugtüren gesichert?
Yannick Zachmann ist Zugchef bei der Deutschen Bahn. So etwas wie den ICE-Vorfall habe er noch nie erlebt, sagte er dem SPIEGEL. Grundsätzlich seien die Türknöpfe in Rot und Grün, mit denen sich Türen öffnen und schließen lassen, während der Fahrt gesperrt. Der Lokführer müsse sie freigeben, erst dann funktioniere die Tür. Für eine Notentriegelung gebe es aber einen Notfallknopf hinter einer Plexiglasscheibe an der Wand. Daneben sei erklärt, diesen dürfe man nur bei »Gefahr für Leib und Leben« drücken, etwa wenn es brenne.
Der Sprecher der Bundespolizei sagte, in dem betroffenen ICE sei die Plexiglasscheibe beschädigt gewesen. Offenbar hatte dann jemand den dadurch zugänglichen Knopf gedrückt.
Wie läuft eine Tür-Notentriegelung ab?
Zachmann zufolge befindet sich während der Fahrt Luftdruck auf den Türen. Der Mechanismus verhindere, dass sich eine Tür aufschiebt. Werde der Notfall-Knopf gedrückt, dann entweiche dieser Druck. Es müsse aber zusätzlich noch ein Hebel gedrückt werden, erst dann ließe sich die Tür mit Kraft aufschieben. So zeigt es auch ein »Einsatzmerkblatt« der Deutschen Bahn, das dem SPIEGEL vorliegt.
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Ob der unbekannte Täter auch den Hebel drückte, ist unklar. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern sei es denkbar, dass Luft die Türblätter aufschiebe, sagt Zachmann. Wäre es so gewesen, dann hätte allein der Druck auf den Knopf die Tür geöffnet.
Die Deutsche Bahn wollte eine SPIEGEL-Anfrage zu Details nicht beantworten. Aussagen könne man erst nach Abschluss der Ermittlungen machen.
Wie geht’s weiter?
Wer die Tür mutmaßlich entriegelt hat, ist unklar. Das wäre eine Straftat, daher sucht die Bundespolizei den Täter. Einem Sprecher zufolge befragten die Beamten noch in der Nacht zahlreiche Reisende. Die Bundespolizei nahm die Personalien von etwa120 Passagieren auf, die im hinteren Zugteil gesessen hatten, wo sich der Vorfall ereignete.
Einsatzkräfte suchten die Strecke auch nach Personen und Gepäckstücken ab, fanden aber nichts. Insofern ist offenbar davon auszugehen, dass niemand zu Schaden kam. Gegen 2.30 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben.