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FC St. Pauli
„Bann ist gebrochen!“ St. Pauli singt, tanzt und lacht – nur eine Sache ging schief
St. Pauli feierte im Zweitliga-Topspiel gegen Wolfsburg den ersten Saisonsieg. Wie die Kiezkicker den Dreier am Millerntor feierten und was der Trainer nicht erlaubte.
Das Millerntor bebte, brüllte, tanzte. Der kollektive Jubelschrei bei Abpfiff dürfte auf dem gesamen Kiez zu hören gewesen sein. Der FC St. Pauli kann doch noch gewinnen – und wie! Nach mehr als einem halben Jahr ohne Dreier haben die Kiezkicker wieder einen Sieg gelandet. Mit ihrer stärksten Saisonleistung bezwangen die Braun-Weißen den großen Aufstiegsfavoriten VfL Wolfsburg im Samstagabend-Topspiel mit 1:0 (0:0). Ausgerechnet der im Sommer wechselwillige Joel Chima Fujita schoss St. Pauli kurz vor Schluss ins Glück. Eine Erlösung für Mannschaft, Verantwortliche und Fans gleichermaßen. Nur zu einer Sache konnten die Spieler ihren Trainer nicht bewegen.
Flutlicht und Partystimmung. Der Matchwinner tanzte ausgelassen vor der jubelnden Südkurve mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht und leuchtenden Augen. Hinter ihm standen die Mitspieler Schulter an Schulter und genossen die Ovationen. Endlich wieder ein Erfolgserlebnis, ein Feiertag. Die Mischung aus purer Freude und totaler Erleichterung nach dem siegreichen Duell der Bundesliga-Absteiger war in jeder Miene, jeder Geste zu sehen.
Fujita nach Siegtor gegen Wolfsburg der gefeierte Mann
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„Ich bin so glücklich“, freute sich Fujita in der Interview-Zone des Stadions. Der Japaner hatte mit seinem abgefälschten Distanzschuss in der 88. Spielminute nach Vorarbeit von Abdoulie Ceesay das mit 29.546 Zuschauenden ausverkauften Stadion explodieren ließ und in ein Tollhaus verwandelt. Standing Ovations und Gesänge in den letzten Minuten der Partie. „Dieser Sieg ist sehr wichtig für die ganze Mannschaft.“
Die schwarze Serie von 15 Pflichtspielen ohne Sieg in Serie ist beendet und erstmals seit Anfang März hat St. Pauli wieder zu Null gespielt. Nach drei Unentschieden in den ersten vier Liga-Spielen haben die Gastgeber ihre Zählerzahl verdoppelt und einen Sprung von Tabellenplatz 17 vorübergehend auf Rang acht gemacht.
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Keeper Ben Voll ist happy – Marcel Rapp lobt sein Team
„Der Bann ist gebrochen“, atmete Keeper Ben Voll tief durch. „Wir haben uns das so verdient. Es war eine lange Zeit und deshalb tut es so gut.“ Kapitän David Nemeth betonte: „Wir haben eine Top-Leistung abgeliefert. Jetzt haben wir uns endlich mal die drei Punkte geholt. Das tut extrem gut. Das hat man der Mannschaft angesehen nach dem Schlusspfiff.“
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Auch für Trainer Marcel Rapp, seit Sommer im Amt, war der erste Sieg als St. Pauli-Coach sehr wichtig. Er lobte seine Mannschaft nach dem kämpferisch und auch spielerisch überzeugenden sowie leidenschaftlichen Auftritt. „Die Jungs haben alles auf dem Platz gelassen, auch mit Unterstützung der Zuschauer. Ich denke, in der Summe haben wir verdient gewonnen.“
Krankheit, Geburt, Leistung: St. Pauli-Startelf umgebaut
Rapp hatte seine Startelf, die er im bisherigen Saisonverlauf nahezu unverändert geblieben war, gleich auf mehreren Positionen modifiziert – weil er hier und da musste, aber auch weil er wollte. Um es vorweg zu nehmen: Die Umstellungen gingen auf.
Spielgestalter Branimir Hrgota fehlte erwartungsgemäß (Fersenprobleme), der neue Abwehrchef Marcus Mathisen musste kurzfristig erkrankt passen, Innenverteidiger Tomoya Ando fehlte, um der Geburt seines Kindes beiwohnen zu können. Für die Defensivspieler rückten Eric Smith und Lars Ritzka in die Abwehrkette, den offensiven Part von Hrgota übernahm Connor Metcalfe und drehte richtig auf.
Ceesay und Niang bildeten den neuen Sturm
Den Sturm hatte Rapp gleich mal komplett ausgetauscht – freiwillig. Martijn Kaars und Taichi Hara mussten auf die Bank. Abdoulie Ceesay und Youssoupha Niang liefen erstmals in dieser Saison von Beginn an auf und machten von Beginn an richtig Alarm, waren lauffreudig und griffig und hielten die Wolfsburger Defensive um Ex-Kiezkicker Hauke Wahl auf Trab.
Bei den „Boys in Brown“ war nichts von Nervosität, Verunsicherung oder Hemmung zu sehen angesichts der Druck-Situation, im Gegenteil. Das Rapp-Team spielte mit hoher Intensität, mutig und druckvoll nach vorne, zeigte immer wieder tolle Ballstaffetten und Kombinationen. Es war kein braun-weißes Kampf- oder Krampfspiel, sondern ein gutes Fußballspiel, dem lange Zeit einfach nur die Tore fehlten.
St. Pauli hat mehr Torschüsse, beide Teams mit Aluminium
St. Pauli hatte in einem insgesamt nahezu ausgeglichenen Spiel leichte Vorteile und bei den Torschüssen klar die Nase vorn (18:10). Der VfL hatte seine klarsten Chancen in Form eines Lattenkrachers von Reese (5.) und einer weiteren gute Chance des Wolfsburger Top-Einkaufs, die Voll mit dem Fuß parierte (20.) St. Pauli verbuchte ebenfalls einen Aluminium-Treffer von Metcalfe (60.) sowie einen gefährlichen Distanzschuss, den VfL-Torwart Zielinski mit den Fingerspitzen noch über die Latte lenkte. Zudem hatten auch Fujita (59.) und Smith (60.) in einer starken Drangphase der Hamburger die Führung auf dem Fuß.
Es war schließlich Fujita, der die Sieglos-Serie durchbrach. Ein besonderer Matchwinner, wenn man bedenkt, dass der Japaner St. Pauli im Sommer verlassen wollte, um weiter in einer europäischen Top-Fünf-Liga zu kicken, ein Transfer aber nicht zustande gekommen war. „Ich war enttäuscht“, gab er nach seinem großen Abend offen zu. Er habe ein paar Tage gebraucht, um das abzuschütteln. Dass er zwischenzeitlich aus der Startelf geflogen war, habe ihn auch getroffen. „Jetzt bin ich zu hundert Prozent hier.“ Das war in jeder der 95 Minuten gegen Wolfsburg zu sehen.
Kiezkicker dürfen jetzt nicht durchdrehen
Bei aller kollektiven Jubelstimmung trat Rapp am Ende des denkwürdigen Abends auf die Euphoriebremse. „Es gibt jetzt keinen Grund durchzudrehen“, mahnte der Coach. „Aber klar: Mit einem Sieg im Rücken gehen die Jungs mit mehr Selbstvertrauen in die nächste Woche.“ Und in die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel in Cottbus – den nächsten Dreier im Visier.
An einem Abend, an dem St. Pauli vieles gelang und alles an Punkten mitgenommen wurde, klappte ein Vorhaben nicht: vom Trainer einen freien Sonntag als Belohung zu bekommen. Es war das Einzige, was an diesem Abend nicht von Erfolg gekrönt war. „Wir haben es versucht, aber ist auch okay so“, meinte Torwart Voll grinsend. Dafür hat die Mannschaft wie zuvor geplant den Montag frei. „Wir müssen ja auch nicht übertreiben“, so Voll. „Es ist der erste Sieg.“ Wurde auch höchste Zeit.
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