Alba Berlin ist zurück an der Werkbank

Auftaktsieg gegen Chemnitz

Alba Berlin ist zurück an der Werkbank

Albas Jack Kayil im Spiel gegen Chemnitz. Quelle: dpa/contrastphoto | O.Behrendt
Albas Jack Kayil im Spiel gegen Chemnitz. Quelle: dpa/contrastphoto | O.Behrendt
  • Alba Berlin gewinnt Saisonauftakt in der Basketball-Bundesliga gegen Chemnitz
  • Berliner taten sich lange schwer, gewannen am Ende aber dennoch verdient
  • Vor dem Spiel Meister-Banner in der Arena aufgehängt

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Mit etwas Glück und dank eines späten Laufs hat Alba Berlin im Auftaktspiel der Basketball-Bundesliga einen Fehlstart vermieden. Am Freitagabend siegte Alba vor 9.050 Zuschauern gegen die Niners Chemnitz mit 89:82 (41:43). Beste Berliner Werfer waren Jordan Ford mit 14, sowie Jack Kayil und Justin Bean mit zwölf Punkten. Bei Chemnitz kam Stefan Smith auf 19 Punkte, Cobe Williams auf 18.

Bad in Erinnerungen

Der Sommer war kurz. Zwei Monate und 28 Tage sind seit Alba Berlins schwer zu fassenden deutschen Meistertitel in München ins Land gezogen. Vier Spieler kamen, fünf gingen, das Herz der Mannschaft blieb: Der MVP Justin Bean, der Anführer Martin Hermannsson und das Neuköllner Wunderkind Jack Kayil verlängerten alle drei, womit nicht zu rechnen gewesen war. Die maue Saisonvorbereitung? Vergessen. Heute wollen alle nochmal in warmen Erinnerungen baden.

Beim ersten Heimspiel der neuen Saison gegen Chemnitz am 18.09.2026 präsentiert Alba Berlin bei einer kleinen Feier das zwölfte Meisterschaftsbanner (Quelle: dpa / Nordphoto).
Beim ersten Heimspiel der neuen Saison gegen Chemnitz am 18.09.2026 präsentiert Alba Berlin bei einer kleinen Feier das zwölfte Meisterschaftsbanner (Quelle: dpa / Nordphoto).

Auf dem Balkon über dem Haupteingang spielt eine Marching Band mit Lichterketten auf den Köpfen "Can’t Stop" von den Red Hot Chili Peppers, untermalt vom elektronischen Piepen der Eintrittskarten-Scanner unten an den Türen. Die Warteschlangen reichen so weit man auf dem zubetonierten Nichts vor der Arena am Ostbahnhof gucken kann. Drinnen reckt der Kapitän Jonas Mattisseck den Fans nochmal den silbernen Meisterpokal entgegen. Ein Highlight-Film des Finales flackert über die riesigen Bildschirme auf dem Videowürfel. Manche Leute lassen sich in der Halle ein Bild des Pokals in ihre Haut stechen.

Ein silbernes Drahtseil zieht langsam das zwölfte Meisterschaftsbanner aus einer schwarzen Kiste hoch an die Decke. Die Fans im Block 212 halten ein riesiges gelbes Transparent hoch, darauf sind Justin Bean und Kollege Mattisseck beim Jubeln zu sehen. Dann kriegt Malte Delow auch noch eine Auszeichnung als beliebtester Spieler der Bundesliga. Was soll jetzt noch kommen? Muss man wirklich noch Basketball spielen?

Ja, schon.

Härte und Tempo

Die Chemnitzer crashen die Party dann allerdings erstmal. Sie wurden im Vorprogramm nicht von Rührung ergriffen. Ihr Anführer heißt Cobe Williams und den kennen sie hier in Berlin schon gut. Letzte Saison hat er Alba noch in Diensten der Bamberger genervt, danach wechselte er zu den Niners nach Sachsen. Jetzt trägt er ein dunkelgraues Shirt mit leuchtend orangefarbenen Ziffern drauf, aber ansonsten hat sich nichts geändert: Klein, bullig, Kinnbart und rot gefärbte Zöpfe - und ein Tempo, das keiner mitgehen kann. Auch nicht Alba Berlins neuer Ballbringer Jordan Ford übrigens, knapp so groß wie Williams und selbst brutal schnell - aber hier findet er seinen Meister. Williams spurtet mit seinen kompakten 1,83 Metern immer wieder unverdrossen in die Zone. Er trifft oder zieht Fouls, schafft Räume für andere.

Chemnitzer Teams spielen hart und schnell, auch wenn sie wie in diesem Sommer komplett ausgetauscht werden - das ist die Identität, die der Trainerveteran Rodrigo Pastore vorgibt und auch dieses Mal sieht man sofort, wie er spielen lassen will. Die Berliner versuchen, ihre Neuen einzusetzen und laufen Systeme für sie, aber es hakt noch sehr - was normal ist.

Morast an den Sohlen

Alba wühlt sich rein, versucht in der Verteidigung immer wieder schnell zu doppeln und nimmt dafür Lücken in Kauf. Die Absicht ist redlich, die Ausführung noch mittel. Viel fällt nicht rein. Es ist ein typisches erstes Viertel einer neun Monate langen Saison. Jeder sucht seine Rolle im Team. Jeder will auch den Kollegen einbinden, weil das langfristig allen hilft. Aber in mehreren Angriffen passen die Spieler ein paar Mal zu oft, anstatt einfach selber draufzuschmeißen. Das hier ist die erste, kleine Stufe auf dem Weg zum Gipfel. Letztes Jahr verlor Alba das erste Spiel gegen Trier und es sah alles wenig überzeugend aus. Man sieht an einem ersten Spieltag nie, was wirklich aus Teams werden kann.

Nach dem ersten Viertel führt Alba mit 21:20. Die Offensivrebounds haben das Team am Leben gehalten, von Flow keine Spur. Weil die Abstimmung fehlt, macht es den Berlinern im zweiten Viertel keinen Spaß, das sieht man. Bis zur Halbzeit versuchen sie es 25-Mal von weit draußen und treffen nur fünf Würfe davon. Chemnitz führt bald, bringt die Härte, die man erwarten konnte - und Albas Team muss viel Aufwand betreiben, um irgendwie dranzubleiben. Dann ein paar Fast Breaks, der Morast fällt von den Sohlen. Berlin ist auf einen ran, dann wieder vorne. So läuft es hin und her.

Kunstturner auf einem Trampolin

Albas Chefcoach Pedro Calles wechselt und versucht viel, zu diesem Zeitpunkt der Saison ist sein Team wie ein Rubik-Würfel in seinen Fingern. Cobe Williams rennt für Chemnitz einfach weiter. Er bricht zwischen zwei Riesen in gelben Trikots durch, bevor diese überhaupt realisieren können, dass da überhaupt eine Lücke war. Er federt wie ein Kunstturner auf einem Trampolin, verzögert, zwirbelt den Ball unter langen Verteidigerarmen vorbei ins Ziel. Zur Pause liegt Alba mit 41:43 hinten.

Im dritten Viertel bleibt die Angelegenheit ausgeglichen, aber Chemnitz bekommt bald Foulprobleme und Alba melkt jetzt die Freiwurflinie, nachdem in der ersten Hälfte von dort nichts gar nichts ging. Die feste Defense der Gäste wird etwas löchriger, vorne treffen sie schlechter. Albas relativ fluider neuer Power Forward Brandon Angel, der vorher selten Bindung zum Spiel fand, scored zweimal hintereinander am Brett. Rollt da doch noch was an? Chemnitz führt vor dem letzten Abschnitt immer noch mit 62:59.

Cobe Williams (Niners Chemnitz, #24) zieht im ersten Spiel der Basketball-Bundesliga-Saison gegen Alba Berlin am 18.09.2026 zum Korb (Quelle: dpa / Nordphoto).
Cobe Williams (Niners Chemnitz, #24) zieht im ersten Spiel der Basketball-Bundesliga-Saison gegen Alba Berlin am 18.09.2026 zum Korb (Quelle: dpa / Nordphoto).

Mitte des letzten Viertels führt Alba erstmals zweistellig

Veteran Bean dann mit einem ganz schweren Ding übers Brett. Der Kapitän Jonas Mattisseck wird beim Fast Break in der Luft gefällt, kriegt den Pfiff aber nicht und regt sich fürchterlich auf. Das pumpt die Halle auf. Jetzt ist Berlin da und drückt. Plötzlich fallen die Dreier. Justin Bean gibt nicht auf, setzt nach Fehlwürfen nach, holt sich das Glück zurück. Jetzt hört man nur noch Lärm. Momentum Alba, Auszeit Chemnitz, Mitte des letzten Viertels. Den nächsten Ballverlust der Chemnitzer direkt vor der Alba-Bank bejubeln die Berliner wie den Sieg.

Ein Chemnitzer geht zu seinem Kollegen Cobe Williams und tippt sich mit den Zeigefingern an beide Schläfen: Bleib bei Dir, behalte den Fokus, will er sagen. Aber so richtig dringt er nicht mehr durch. Williams Wucht scheint tatsächlich gebremst.

Alba-Neuzugang Brandon Angel im Trikot der Oregon Ducks (imago images/Newscom World)
Alba-Neuzugang Brandon Angel im Trikot der Oregon Ducks (imago images/Newscom World)

Plötzlich geschmeidig

Auf der anderen Seite streift der schlaksige Brandon Angel seine Zaghaftigkeit endgültig ab. Er geht an der Grundlinie mit großen Schritten hoch und knallt den Ball mit Autorität durch die Reuse, trifft danach gleich wieder. Alles sieht jetzt geschmeidig aus. Sechs seiner am Ende zehn Zähler macht er im letzten Viertel.

Drei Minuten vor dem Ende ist die Welle der Chemnitzer gebrochen. Sie waten im Treibsand, zeigen jetzt nur noch Kraft, keine Raffinesse mehr. Durch Berliner Fehler kommt die Gegner auf fünf ran, aber mehr passiert nicht. Albas Anführer Hermannsson ignoriert die Pfiffe der Gästefans bei seinen Freiwürfen, wie er es immer tut und setzt den Zweifeln ein Ende.

Sendung: rbb24 Berlin, 18.09.26, 22:10 Uhr
Video: rbb24 Berlin, 18.09.26, Sebastian Meyer

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