Bäuerin aus Gaißach: Auf der Alm läuft die Zeit langsamer

Stand: 10.10.2026, 12:02 Uhr

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Romy Ertl schätzt das Arbeiten auf der Alm. „Man kann neue Kraft schöpfen für den stressigen Alltag im Tal.“

Romy Ertl schätzt das Arbeiten auf der Alm. „Die Zeit läuft einfach langsamer.“ © privat

Romy Ertl bewirtschaftet mit ihrem Mann zwei Almen und hält 45 Milchkühe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Was sie auf dem Berg so schätzt, verrät sie im Bäuerinnen-Abc.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Ziel ist es, Frauen und ihre Leistungen in der Landwirtschaft mehr in den Fokus zu rücken. Die Bäuerinnen im Landkreis haben eine Serie entwickelt. Im Bäuerinnen-Abc geht es darum, die große Bandbreite der Aufgaben vorzustellen. Heute: F wie Flure und Almen.

Das bin ich:

Mein Name ist Romy Ertl. Ich bin 40 Jahre alt und lebe in Gaißach. Eigentlich habe ich eine Ausbildung zur Schreinerin und Floristin absolviert. Seit meiner Heirat vor 13 Jahren arbeite ich auf unserem Hof, dem Mairjörg Hof in Grundern. Ich kümmere mich um die Ferienwohnungen, Stall, Büro und natürlich die Kinder. Zu meiner Familie gehören mein Mann Franz, unsere Tochter Rosmarie (13) und unser Sohn Franz (8). Außerdem leben und helfen noch meine Schwiegereltern im Austragshaus.

Das ist unser Betrieb:

Wir haben 45 Milchkühe und circa 75 Stück Nachzucht (Färsen und Kälber). 2016 haben wir einen Laufstall gebaut. Wir bewirtschaften Grünland mit Almwirschaft und Wald. Als weiteres Standbein haben wir noch zwei Ferienwohnungen.

An der Arbeit in der Landwirtschaft schätze ich am meisten:

Den Feriengästen den bewussten Umgang mit den Tieren und der Natur zu vermitteln. Ihnen zu zeigen, wie und wo unsere Lebensmittel herkommen und wie viel Arbeit dahinter steckt!

Das ist mein Buchstabe und darum habe ich mich dafür entschieden:

Mein Buchstabe ist F für Flure und Almen. Ich habe mich dafür entschieden, da sich unser Hof inmitten der Gaißacher Heckenlandschaft befindet. Ein Teil unserer Flächen liegt an unserem Hausberg, der Sunndraten. Sie sind stellenweise mit der Hand zu bewirtschaften. Des Weiteren bewirtschaften wir zwei Almen. Die eine ist am Grammersberg und ist mit circa 50 Stück Jungvieh bestoßen. Es gibt einen Niederleger und einen Hochleger. Dort sind wir alleine. Gemeinsam mit einem Senner betreuen wir die Tiere den Sommer über. Die zweite befindet sich am Schafreuter und ist eine Gemeinschaftsalm mit circa 160 Stück Jungvieh, die drei weiteren Bauern aus Gaißach gehört. Davon haben wir mit Pensionstieren circa 40 Stück. Ich bin sehr gerne mit meinem Mann draußen unterwegs. Sei es im Wald beim Koppen setzen (pflanzen) oder auf der Alm beim Nachschauen bei den Tieren oder Umtreiben zum Beispiel vom Niederleger auf den Hochleger. Besonders auf der Alm kann man immer wieder neue Kraft schöpfen für den stressigen Alltag im Tal. Die Zeit läuft einfach langsamer, und die Ruhe, die die Tiere ausstrahlen, lassen einen runterkommen und entschleunigen. Auch als Frau gibt es auf der Alm viel zu tun: die Hütte und die Blumen pflegen, die Kennarten bestimmen, beim Umtreiben oder Behandeln von Tieren helfen, beim Schwenden helfen oder auch die Tröge kontrollieren, ob noch genug Wasser da ist. Die Kinder genießen es auch sehr.