Beinahe-Unglück auf Flug nach London: Ermittler untersuchen rätselhaften Sensorausfall

Beinahe-Unglück auf Flug nach London: Alarm löst Mayday aus – Ermittler vor Rätsel

Stand: 31.07.2026, 14:12 Uhr

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Ein Flieger der British Airways in der Luft

Auf dem Weg von Düsseldorf nach London kam es Anfang Juli bei einem Flugzeug von British Airways zu einem Vorfall. Eine Fehlfunktion löste eine Strömungsabriss-Warnung aus. © IMAGO/Ardan Fuessmann

Ein Triebwerks- und Sensorfehler löst im Landeanflug auf London-Heathrow Fehlalarme aus. Die Besatzung muss blitzschnell reagieren. Die Ursachensuche läuft.

Die britische Flugunfalluntersuchungsstelle Air Accidents Investigation Branch (AAIB) hat eine formelle Untersuchung zu einem Vorfall bei British Airways eingeleitet. Die Behörde stufte das Ereignis als „serious incident“ (schwerer Vorfall) ein. Wie es zu der brenzligen Situation kommen konnte, lässt erfahrene Piloten ratlos zurück. Das betroffene Flugzeug bediente am Montag (6. Juli 2026) den Flug BA919 von Düsseldorf nach London-Heathrow und befand sich im ersten Anflug auf die Landebahn 27L.

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Dieser Artikel von Leonard Berberi entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Während dieses ersten Anflugs fiel die „Air Data Reference“-Einheit aus. Diese berechnet Höhe und Geschwindigkeit aus den Pitotsonden sowie den statischen Druckabnahmen. Die Fehlfunktion löste eine Strömungsabriss-Warnung aus. Daraufhin wechselten die Bordrechner in einen Steuerungsmodus mit reduzierten Schutzfunktionen. Die Besatzung meldete daraufhin „PAN PAN“ – das Funkkennwort für eine dringende, aber nicht unmittelbar lebensbedrohliche Lage. Sie brach den Anflug ab und ging in eine Warteschleife, um das Problem zu analysieren.

Flug von British Airways nach London: Fehlfunktion sorgt für abrupte Ausweichmanöver

Beim zweiten Anflug löste in rund 3.000 Fuß Höhe (914 Meter) erneut eine Strömungsabriss-Warnung aus. Laut AAIB führte die Besatzung daraufhin ein abruptes Ausweichmanöver aus, bei dem das Flugzeug bis auf etwa 2.200 Fuß (670 Meter) absank. Die Piloten stuften den Notruf von „PAN PAN“ auf „MAYDAY“ hoch. Rund 30 Minuten nach dem abgebrochenen Erstversuch landete die Maschine sicher. Es gab keine Verletzten oder Sachschäden.

Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Vorfall durch Berichte des britischen Boulevardblatts The Sun, das anonyme Quellen zitiert. Demnach soll der Kapitän nach einem Fehler des Ersten Offiziers manuell in die Steuerung eingegriffen haben. Dieselben Quellen sprachen von einem beinahe eingetretenen Totalschaden („hull loss“).

Untersuchung konzentriert sich auf Sensorfehler

Weder die AAIB noch British Airways haben diese Darstellungen bestätigt. Die Ermittlungen dauern an. Die Untersuchung soll die exakte Abfolge der Ereignisse rekonstruieren. In ihrer vorläufigen Mitteilung betont die Behörde, dass das Flugzeug vermutlich nicht tatsächlich in einen aerodynamischen Strömungsabriss geraten ist. Die Warnungen wurden primär durch den Sensorausfall ausgelöst.

Es bleibt zu klären, ob die Alarme einen realen Flugzustand widerspiegelten oder auf fehlerhaften Daten basierten. Diese Unterscheidung ist für die abschließenden Ergebnisse entscheidend. „Der Airbus hat ein sehr klares Funktionsprinzip“, erläuterten zwei A320-Kapitäne gegenüber der Zeitung Corriere della Sera. Sie vermuten eine Störung der Inertialplattform, welche die Logik der Flugsteuerung stark beeinträchtigte.

Rolle der Piloteneingriffe und mögliche Fehlanzeigen

Die Warnung vor einem drohenden Strömungsabriss („Stall, Stall“) könnte nach Ansicht der Experten durch den unerwarteten Systemausfall ausgelöst worden sein. Die Besatzung reagierte überrascht und steuerte sehr abrupt gegen. Eine solche Flugbewegung kann die Belastung der Struktur erhöhen und die Strömungsabriss-Geschwindigkeit anheben, was den Warnton im Cockpit auslöst.

Vermutlich entsprach die auf den Instrumenten angezeigte Geschwindigkeit nicht der tatsächlichen Fluggeschwindigkeit. Auch diesen Punkt prüft die AAIB. Erst nach Auswertung aller Daten und Pilotenaussagen wird feststehen, ob ein Sensorproblem, ein Pilotensystemfehler oder eine Kombination aus beidem vorlag.