Jetzt auch Einbruch in Mönchengladbach Wie sicher sind Bankschließfächer eigentlich wirklich?
31.07.2026 · 18:26 Uhr
Die Filiale der Stadtsparkasse Mönchengladbach in der Innenstadt von Rheydt.
Foto: Carsten Pfarr
Düsseldorf · Nach dem Schließfacheinbruch in Mönchengladbach stellt sich für Kunden die Frage: Wie sicher sind Bankschließfächer eigentlich? Experten sehen Sicherheitslücken bei älteren Anlagen und geben wichtige Ratschläge.
Am helllichten Tag haben am Montag (27. Juli) Kostenpflichtiger Inhalt zwei Täter in einer Filiale der Sparkasse Mönchengladbach 29 Schließfächer aufgebrochen. Ungewöhnlich, meint Markus Hartmann, Tresorhersteller aus Paderborn und Vorstandsmitglied des europäischen Branchenverbands European Security Systems Association. Nach seiner Einschätzung zeigt die hohe Zahl der aufgebrochenen Fächer, dass die Täter gut darauf vorbereitet waren, mehrere Sicherheitsmechanismen überwinden zu müssen.
Aber: „Ein Schließfach ist auch kein Tresor“, sagt Hartmann. Die einzelnen Fächer selbst seien nur begrenzt gegen Einbruch geschützt. Den eigentlichen Schutz böten der Tresorraum sowie die Zutrittskontrolle. Moderne Anlagen verfügten über Vereinzelungsschleusen, die nur eine berechtigte Person einließen, sowie über eine elektronische Überwachung, die registriere, ob tatsächlich nur das freigegebene Schließfach geöffnet werde. Ältere Anlagen seien dagegen oft deutlich einfacher aufgebaut. Dass in Mönchengladbach so viele Fächer innerhalb kurzer Zeit aufgebrochen werden konnten, werfe Fragen auf. „Es ist schon erstaunlich, wie man überhaupt mit entsprechendem Werkzeug in einen solchen Raum gelangen konnte“, sagt der 60-Jährige. Die Täter müssten zunächst Zugang zum Schließfachbereich erhalten und anschließend mehrere Schließfachblöcke geöffnet haben.
Schließfächer sind versichert, aber nur bis zu einer bestimmten Summe
Noch ermittelt die Polizei die genauen Umstände. Der Schließfachbereich ist schon wieder geöffnet, und die einzelnen Schließfächer sind nach Angaben der Sparkasse mit 20.500 Euro je Fach versichert. Und wenn der Schaden im Einzelfall höher ist? Ist die Sparkasse dann raus, und der Kunde bleibt auf dem über die Versicherungssumme hinausgehenden Schaden sitzen? Nicht zwangsläufig. „Zwar enthalten viele Schließfachverträge Klauseln, nach denen die Haftung der Bank auf einen bestimmten Höchstbetrag begrenzt sein soll.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Kunden auf weitergehenden Schäden sitzen bleiben müssen“, sagt der Leverkusener Verbraucheranwalt Guido Lenné. „Ob eine Bank tatsächlich nur bis zur vereinbarten Grenze haftet, hängt immer von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Insbesondere kommt es darauf an, ob das Kreditinstitut seine vertraglichen Schutz- und Sicherungspflichten ordnungsgemäß erfüllt hat.“
Wie Schließfächer gesichert werden
Das ist aber zunächst schwer zu beurteilen. Grundsätzlich beruhe die Sicherheit von Schließfachanlagen auf drei Säulen: mechanischem Einbruchschutz, elektronischer Überwachung und organisatorischen Maßnahmen, erklärt Experte Hartmann. „Regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen, geschulte Mitarbeiter und konsequent eingehaltene Abläufe sind ebenso wichtig wie stabile Türen oder Alarmanlagen“, sagt Hartmann. „Die organisatorische Sicherheit wird oft unterschätzt.“ Banken sollten ihre Sicherheitskonzepte deshalb regelmäßig überprüfen und an neue Bedrohungen anpassen.
Kunden empfiehlt Hartmann, bei ihrer Bank gezielt nachzufragen: „Haben Sie ein Sicherheitskonzept – und wie oft wird das auditiert?“ Wer darauf keine klare Antwort bekomme, müsse sich überlegen, „ob man seine Sachen dort noch lagern möchte“. Denn eines gilt aus Kundensicht immer: „Das Schließfach bei der Bank muss dem Kunden sicherer erscheinen als der Safe im eigenen Keller“, sagt Anwalt Lenné.
„Banken müssen ihre Sicherheitskonzepte kontinuierlich überprüfen“
Außerdem sollten Kunden den Versicherungsschutz ihres Schließfachs genau prüfen. Viele lagern Werte, die die vereinbarte Versicherungssumme deutlich übersteigen. „Die Menschen quetschen oft viel mehr in ein Schließfach, als eigentlich versichert ist“, sagt Hartmann. Besonders schmerzhaft sei bei Einbrüchen ohnehin häufig nicht der finanzielle Schaden, sondern der Verlust unersetzlicher Erinnerungs- oder Erbstücke.
Für Hartmann zeigen die Fälle in Gelsenkirchen und Mönchengladbach, dass viele Schließfachanlagen dringend auf den Prüfstand gehören. Das sieht auch Lenné so: „Bereits in den vergangenen Monaten kam es bundesweit zu mehreren spektakulären Schließfacheinbrüchen. Diese Entwicklung zeigt, dass Banken ihre Sicherheitskonzepte kontinuierlich überprüfen und an neue Angriffsmethoden anpassen müssen.“
Viele Banken reagierten aber auch schon auf die gestiegenen Sicherheitsanforderungen, sagt Hartmann. „Die kleinen Schließfachanlagen in den Filialen werden zunehmend zurückgebaut und an zentralen Standorten gebündelt.“ Dort lasse sich ein höheres Sicherheitsniveau mit moderner Technik und speziell geschultem Personal wirtschaftlicher gewährleisten. Sicherheitsstandards ließen sich zwar nachrüsten, dies sei jedoch technisch aufwendig und kostspielig.
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