Das ist über die Route von Kalie McCrystal bekannt

Bergläuferin verschwand am Matterhorn – Rettungschef Anjan Truffer (52) über den Liongrat

«Es gibt dort teils tiefe und fast unzugängliche Schluchten»

Seit mehr als einer Woche wird eine Bergläuferin am Matterhorn vermisst. Am Liongrat verliert sich die Spur der Kanadierin. Was über die Route bekannt ist.

Publiziert: vor 24 Minuten

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Aktualisiert: vor 4 Minuten

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Bergläuferin Kalie McCrystal (38) seit 1. September am Matterhorn vermisst
  • Auf- und Abstieg über Liongrat in unter fünf Stunden geplant
  • Am Matterhorn gelten über zwei Dutzend Personen als vermisst oder ungeborgen
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Alexander TerweyStv. Teamlead News-Desk

Von der kanadischen Bergläuferin Kalie McCrystal (38) fehlt seit dem 1. September jede Spur. Sie wollte einen neuen Berglauf-Rekord am Matterhorn (4478 m) aufstellen. McCrystal wollte den Auf- und Abstieg über den Liongrat auf der italienischen Seite des Matterhorns in weniger als fünf Stunden schaffen – und damit die Bestzeit der amerikanischen Bergläuferin Karina Andersen vom 9. August 2026 knacken (5:14:53).

Wer den Gipfel des Matterhorns besteigen will, kann dies im Wesentlichen über vier Hauptrouten tun. Die wohl bekannteste Route führt von der Hörnlihütte über den Nordost-Grat (Hörnligrat) zum Gipfel. Es handelt sich dabei um die Normalroute auf Schweizer Seite. Auch auf italienischer Seite gibt es eine Normalroute. Sie führt vom Rifugio Carrel über den Südwest-Grat (Liongrat) zum Gipfel.

«Nicht besonders anspruchsvoll»

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) gibt ausserdem noch zwei Aufstiege über den Nordwestgrat, auch Zmuttgrat genannt, an. Ein Aufstieg beginnt an der Hörnlihütte, der andere am Lonza Biwak. Beide gelten gemäss der SAC-Berg- und Hochtourenskala als «schwierig» (S), die beiden Normalrouten dagegen nur als «ziemlich schwierig» (ZS+). Die Normalrouten sind demnach weniger anspruchsvoll. Und im direkten Vergleich?

«Der Liongrat ist von den Schwierigkeiten sehr ähnlich zum Hörnligrat und ist technisch nicht besonders anspruchsvoll», sagt der Zermatter Bergführer und Rettungschef Anjan Truffer (52) gegenüber Blick. «Es ist eine normal lange Hochtour, welche die gleichen seriösen Kenntnisse und Erfahrungen erfordert wie alle klassischen Hochtouren in dem Bereich in den Alpen.»

Eine Runde dauert einen halben Tag

Gemäss SAC dauert der Aufstieg über den Liongrat fünf bis sechs Stunden. Geht es nach Truffer, sollten sich Bergsteiger etwas mehr Zeit nehmen. «Für den Auf- und Abstieg ab Carrelhütte und zurück sollte man sechs bis sieben Stunden einplanen», empfiehlt er. «Ausserdem sollte man noch mal drei bis vier Stunden für den Abstieg nach Cervinia einplanen.»

Eine gesamte Runde kann also bis zu einem halben Tag in Anspruch nehmen. Zur Erinnerung: Die Rekordzeit im Berglaufen liegt bei nur etwas mehr als fünf Stunden.

Unterschiedliche Philosophien

Bergläufer verfolgen eine ganz andere Philosophie als Bergsteiger. Während für Bergläufer maximale Geschwindigkeit und möglichst wenig Gewicht zählen, setzen Bergsteiger auf die grösstmögliche Sicherheit am Berg. Insofern unterscheidet sich auch die Ausrüstung erheblich.

Bergläufer setzen auf leichtes Schuhwerk, dünne, atmungsaktive Jacken und Lauf- bzw. Trinkwesten, die eng anliegen. Beim Bergsteigen kommen schwere Bergstiefel, isolierende Hardshell- oder Daunenjacken sowie grosse Tourenrucksäcke zum Einsatz. Ausserdem sind sie mit Helm, Steigeisen, Eispickel, Klettergurt und Seil um ein Vielfaches besser ausgerüstet.

«Die Tour wird oft unterschätzt»

Der Faktor Mensch spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Ein Aufstieg erfordert viel Planung und Voraussicht. «Wie an allen Bergen können sich die Bedingungen bei einem Wetterumsturz sehr schnell verschlechtern», so Truffer. Bergläuferin Kalie McCrystal berichtete bereits Anfang August von erschwerten Bedingungen. Ein Steinschlag und Wolken hätten sie zum Abbruch ihres Vorbereitungslaufs gezwungen.

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Anjan Truffer nennt aber einen weiteren Punkt, der zu selten berücksichtigt wird. «Da viele Stellen durch Fixseile, Ketten und Leitern entschärft wurden, wird die Tour sehr oft unterschätzt», so der erfahrene Bergführer.

Bergläuferin seit fast zwei Wochen vermisst

Seit nunmehr fast zwei Wochen wird Kalie McCrystal vermisst. Die Suche fällt in die Zuständigkeit der alpinen Rettung des Aostatals sowie der italienischen Finanzpolizei in Cervinia. Zeitweise wurde per Helikopter und Drohne sowie per Recco-Reflektor nach der Vermissten gesucht. Letzterer soll vermisste oder verschüttete Personen in freiem Gelände elektronisch orten.

Die Eigenschaften des Bergs erschweren die Suche zusätzlich, weiss auch Bergführer Truffer. «Die Suche nach Vermissten kann vor allem nach einem Absturz in die Westwand schwierig werden, weil dort zum Teil tiefe und fast unzugängliche Schluchten bestehen», sagt er.

Am Matterhorn gelten offiziell mehr als zwei Dutzend Menschen als vermisst oder ungeborgen.