Bildungsmonitor 2026: Hessen nur Mittelmaß

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Bundesländer-Vergleich Hessen bei Bildung im Mittelfeld

Hessen landet im Bildungsmonitor 2026 auf Platz 7 von 16 Bundesländern. Besonders gut schneidet das Land bei Integration und Ganztagsangeboten ab. Schwächen gibt es bei Digitalisierung, Fremdsprachen und Schulqualität. Doch auch bei den Bildungsausgaben liegt Hessen zurück.

Foto: Schülerinnen und Schüler sitzen einzeln an Tischen in einem Klassenzimmer. Sie sind von hinten zu sehen, wie sie schreiben und lesen.

Bild © picture alliance / Hans Lucas | Thibaut Durand

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00:52 Min. |14.09.26|Christiane Schulmayer (hr INFO)

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Bildungserfolg in Deutschland hängt oft davon ab, aus welcher Familie ein Kind kommt. Auch Hessen bildet da keine Ausnahme.

Allerdings ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg hier geringer als in vielen anderen Bundesländern. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2026 hervor, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Sachsen bleibt Spitzenreiter

Im Gesamt-Ranking bleibt Sachsen Spitzenreiter. Dahinter folgen wie schon im vergangenen Jahr Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Schlusslichter sind Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und erneut Bremen.

Hessen liegt auf Platz sieben statt auf Platz sechs im Vorjahr. Grund dafür ist vor allem, dass das Saarland an Hessen vorbeigezogen ist und nun Platz fünf belegt.

Weitere Informationen

INSM-Bildungsmonitor

Die Vergleichsstudie hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft durchgeführt. Dafür analysiert das IW 98 Indikatoren aus 13 Bereichen aus bildungsökonomischer Sicht.

Verglichen werden etwa die Investitionen in Schulen und Hochschulen, der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen, Klassengrößen, die Schulabbrecherquote oder die Beteiligung an Ganztagsangeboten. Die meisten Daten stammen aus dem Jahr 2024.

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Wo Hessen punktet:

  • Integration (Platz 1): Die Autoren des Bildungsmonitors vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) attestieren Hessen im Bereich Integration Platz eins unter den Bundesländern. Sie machen dies unter anderem daran fest, dass in Hessen bundesweit die wenigsten ausländischen Jugendlichen die Schule abbrechen und ohne Abschluss verlassen. Deutschlandweit ist es jeder Fünfte, in Hessen sind es 12,6 Prozent.
  • Förderinfrastruktur (Platz 5): Deutlich mehr Kinder und Jugendliche besuchen Ganztagsschulen. Im Grundschulbereich sind es 57,6 Prozent der Kinder in Hessen (Bundesschnitt: 51,2 Prozent). Das trifft auch auf die Klassen 5 bis 10 zu (Hessen: 80,4 Prozent, Deutschland: 48,6 Prozent). Auch der Anteil der Kinder im Kindergarten liegt über dem Bundesschnitt.
  • Betreuungsbedingungen (Platz 6): In einer Grundschulklasse sind im Schnitt 19,6 Kinder, zwei weniger als bundesweit. Das bringt Hessen den zweitbesten Wert im Vergleich der Bundesländer. Ebenfalls überdurchschnittlich: Auf eine Betreuungskraft in der Kita kommen rechnerisch 4,7 Kinder, bundesweit liegt der Wert mit 5,2 knapp darüber.

Hier liegt Hessen unter dem Durchschnitt:

  • Digitalisierung (Platz 12): Die Autoren kritisieren, dass es hessenweit keinen verpflichtenden Informatikunterricht gibt. Auch schnelles WLAN ist weniger verfügbar als im Schnitt. Positiv allerdings: Im Bundesvergleich gibt es in Hessen im Schnitt etwas mehr neue Ausbildungsverträge und Hochschulabsolventen im IT-Bereich.
  • Internationalisierung (Platz 12): Weniger Schülerinnen und Schüler als im Bundesdurchschnitt erhalten Fremdsprachenunterricht. In der Grundschule sind es 48,8 Prozent, was leicht unter dem Bundesschnitt liegt. Über alle Schulformen hinweg sind hessische Schüler allerdings etwas besser beim Hören und Lesen der englischen Sprache. Das trifft aber nicht auf Gymnasien zu: Hier waren die Englischkenntnisse leicht unter dem Durchschnitt.
  • Ausgabenpriorisierung (Platz 12): Pro Schüler an einer weiterführenden Schule gibt Hessen im Schnitt 10.800 Euro aus, 800 Euro weniger als im Bundesdurchschnitt. Auch im Verhältnis zu den gesamten öffentlichen Ausgaben je Einwohner gibt Hessen im Bundesländervergleich weniger Geld für Bildung aus. Das zeigt sich neben den weiterführenden Schulen auch bei Berufsschulen und Hochschulen.
  • Schulqualität (Platz 11): Vor allem bei Mathe und Naturwissenschaften zeigen hessische Neuntklässler relativ geringe Kompetenzen, wie die IQB-Kompetenzerhebung zeigt. Die aktuellste Erhebung zeigt auch Defizite beim Lesen über alle Schulformen hinweg.
  • Forschungsorientierung (Platz 11): Positiv gewertet wird hier, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung pro Forscher leicht überdurchschnittlich sind. Unterdurchschnittlich schneidet Hessen in den weiteren Bereichen ab: 5,2 Prozent der Hochschulabsolventen in Hessen promovieren, bundesweit sind es 5,5 Prozent. Es gibt weniger Forschende in Relation zum Bruttoinlandsprodukt als bundesweit. Auch die eingeworbenen Drittmittel je Professor sind geringer.
  • Inputeffizienz (Platz 11): Auch wie die vorhandenen Mittel genutzt werden, könnte laut Bildungsmonitor verbessert werden: Hessens Hochschulen finanzieren einen geringeren Teil ihrer Ausgaben durch Drittmittel. Der Anteil des wissenschaftlichen Personals ist ebenfalls geringer als im Bundesschnitt. Auch bei den Investitionen in allgemeinbildende und berufliche Schulen liegt Hessen unter dem Schnitt, während Hochschulen etwas besser abschneiden.

Kultusminister sieht sich bestätigt

"In keinem anderen Land gelingt es besser, so viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte erfolgreich zu einem Schulabschluss zu führen", sagte Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) angesichts der Ergebnisse. Sie zeigten, dass die Maßnahmen der Landesregierung für die Bildungschancen wirkten.

Der Minister versprach: "Wir lassen nicht nach." Er verwies auf das 50-Millionen-Euro-Bildungspaket, das er kürzlich angekündigt hatte.

Auf die Kritik am fehlenden Informatikunterricht gab es auch bereits eine Antwort aus dem Kultusministerium. Als Teil des Bildungspakets solle ab dem kommendem Schuljahr in allen fünften Klassen "KI und digitale Welt" unterrichtet werden, ein Jahr später auch in der sechsten Klasse. In höheren Jahrgängen werde es Teil des Wahlpflichtunterrichts.

Opposition: "Fehlgeleitete Bildungspolitik als Erfolg verkaufen"

Schönfärberei warf der Landtagsabgeordnete Daniel May (Grüne) Kultusminister Schwarz vor. Die Landesregierung versuche kläglich "ihre fehlgeleitete Bildungspolitik als Erfolg zu verkaufen". Sie müsse die Kürzungen im Bildungsbereich vollumfänglich zurücknehmen, sagte der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion am Montag.

Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag, Heiko Scholz, kommentierte: "An den Ergebnissen gibt es nichts zu beschönigen." Er forderte eine Rückkehr zum "Leistungsprinzip" mit verbindlichen Lern- und Leistungsniveaus für Noten und Abschlüsse.

Die Ergebnisse seien ein "Alarmsignal", sagte Moritz Promny, stellvertretender Vorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, am Montag. Gerade bei den Basiskompetenzen lesen, schreiben und rechnen dürfe sich Hessen nicht mit hinteren Plätzen zufriedengeben. "Auch das sogenannte Bildungschancenpaket kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass gekürzt wird und Lehrerstellen unbesetzt bleiben", argumentierte er.

Landesregierung gerade erst von PISA-Studie alarmiert

In der vergangenen Woche erst waren die neuen PISA-Ergebnisse für Deutschland veröffentlicht worden. Auch in Hessen hat die Studie die Debatte über die Bildungspolitik neu entfacht. Kultusminister Schwarz bezeichnete die Ergebnisse als "alarmierend". Eigene PISA-Ergebnisse für Hessen gibt es allerdings nicht.

Die Landesregierung verwies auch bei dieser Gelegenheit auf ihr Bildungschancenpaket, mit dem sie unter anderem die Deutsch- und Mathematik-Kenntnisse von Grundschülern stärken will. Kritiker fordern dagegen mehr individuelle Förderung und ausreichend qualifizierte Lehrkräfte.