Berlin erweitert den Slow-Trend um eine Dimension: Jetzt gibt es auch Kino, das sich Zeit nimmt

Was gibt es mittlerweile nicht alles in „slow“. Slow Living, das bewusste Fokussieren auf das Hier und Jetzt, das dem Stressabbau dienen soll. Slowmaxxing ist ein Lifestyle-Trend, der es ablehnt, keine Minute in unserem ungeheuer beschäftigten Leben ungenutzt zu lassen, die Produktivität zu steigern. Es gibt Slow Work, ein neuer Ansatz in der Arbeitswelt, dem die Chefs erst mal misstrauen dürften, der aber etwas bringen könnte, denn wer sich aufs Wesentliche konzentriert und sich nichts ständig überlastet, bringt am Ende womöglich mehr.

Es gibt Slow Luxury, ein Trend, der weg von Statussymbolen und hin zu langlebigen, handgefertigten und nachhaltigen Produkten führen soll. Massive Holzmöbel, statt billiges Wegwerfzeug und so weiter.

Slow Food ist vielleicht der älteste Slow Trend, eine weltweite Bewegung, die sich für genussvolles, bewusstes und regionales Essen einsetzt. Sie wurde 1986 von dem Journalisten und Aktivisten Carlo Petrini in Italien als Gegenbewegung zum boomenden Fast Food gegründet.

Und es gibt sogar Slow Jogging, eine gelenkschonende Lauftechnik aus Japan, bei der man in vielen kleinen Schritten und im langsamen Takt läuft. Berlin nimmt nun einen weiteren Slow Trend auf: Slow Cinema. In unregelmäßigen Abständen will die Yorck Kinogruppe Filme, die diesem Trend entsprechen, im Delphi Lux Kino nicht weit vom Bahnhof Zoo zeigen. Slow Cinema, so definiert es die Kinogruppe, ist Kino, das sich Zeit nimmt, um die Welt in ihrer Tiefe zu erfassen, anstatt sie in schnellen Bildern zu verdichten. Langsames Erzählen und Filmerleben.

Los geht es mit dem Film „Funeral Casino Blues“

Los geht es am 16. August um 14 Uhr mit „Funeral Casino Blues“, der Regisseur selbst gibt die Einführung, Roderick Warich. Der Film, 153 Minuten lang, ist eine Reise in das nächtliche, von Geistern bevölkerte Bangkok. Jen arbeitet in der Stadt, um ihre Familie auf dem Land unterstützen zu können. Gegen Bezahlung steht sie Touristen als Teilzeitfreundin zur Verfügung. Bis eines dieser Dates eskaliert und Jen verschwindet.

Die nächste Ausgabe der „Slow Sessions“ folgt am 20. September mit „Heart of Light: Eleven Songs for Fiji“, der vierten Zusammenarbeit der Schauspielerin Tilda Swinton und der Regisseurin Cynthia Beatt („Cycling the Frame“). Cynthia Beatt wird zu Gast sein und ihren Film persönlich vorstellen.

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