Stand: 29.08.2026, 07:54 Uhr
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Eine Cyberattacke trifft die Berliner Verwaltung. Nun gibt es einen Erpressungsversuch. Wer steckt dahinter? Und wie reagiert der Senat?
Berlin – Berlin wird erpresst: Zwei Wochen, nachdem eine Cyberattacke auf das Datennetz der Verwaltung der Hauptstadt bekannt wurde, bekommt der Vorgang eine noch bedrohlichere Dimension. Unbekannt ist nach wie vor, an welche und wie viele Daten die Cyberkriminellen gekommen sind und was sie damit anfangen könnten.

Klar ist aber eins: „Berlin ist Opfer einer schweren Straftat geworden“, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nach einer Sondersitzung des Senats im Roten Rathaus. Laut einem Bericht des Spiegels verlangen die Erpresser 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Wegner stellte aber klar: „Das Land Berlin wird sich nicht erpressen lassen.“
Erpressung nach Cyberattacke: Berlin prüft das Ausmaß
Hinter dem Cyberangriff in Berlin steckt offenbar die international bekannte Ransomware-Gruppierung Rhysida. Das geht laut Spiegel aus einem Eintrag auf der Leak-Seite der Gruppe im Darknet hervor. Sicherheitskreise hätten dies bestätigt. Die Gruppe wurde 2023 durch einen Angriff auf die British Library bekannt.
In ihrer Erpresserbotschaft behaupten die Hacker, knapp sechs Terabyte an Daten erbeutet zu haben. Darunter sollen sich Daten aus knapp 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren und mehr als 46.500 Verträgen befinden. Außerdem behaupten die Täter, Informationen über kritische Infrastruktur, sensible Justizunterlagen, Notfallpläne, Passwörter sowie knapp 6000 Dateien mit Login-Daten zu besitzen. Zahle Berlin nicht innerhalb einer Woche, würden die Daten veröffentlicht, drohen die Hacker.
Ob die Behauptungen der Gruppe zutreffen, ist bislang nicht bestätigt. „Zu Inhalt und Umfang der betroffenen Daten können wir noch keine Auskunft geben“, sagte der Regierende Bürgermeister. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Hacker auch an personenbezogene Daten gekommen seien.
Berlin wird erpresst: Cyberangriff begann früher als bekannt
Der Cyberangriff in Berlin war am 14. August öffentlich bekannt geworden. Daraufhin wurden laut Zeit die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz für rund eine Woche vom Landesnetz isoliert. Wegen der Attacke konnte in Berlin tagelang kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.
Nach bisherigen Erkenntnissen sind der Deutschen Presse-Agentur zufolge Daten jedoch bereits zwischen dem 7. und 12. August abgeflossen – also mindestens eine Woche vor der Entdeckung. Wann der Angriff tatsächlich begonnen hat, ist noch unklar. Das Berliner Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln zu dem Vorgang. Zunächst hieß es, es seien nur öffentlich zugängliche, keinerlei sensible Daten abgeflossen. Schon am Mittwoch hatte die Senatskanzlei eingeräumt, dass das nicht so ist.

Berlin-Wahl am 20. September nach Hackerangriff nicht gefährdet
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, die Berlin-Wahl am 20. September sei durch den Vorfall nicht gefährdet. „Die Wahl ist zu 100 Prozent abgesichert“, sagte sie laut AFP. Nach aktuellem Stand seien in der Umgebung der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus keinerlei Daten abgeflossen.
Im Berliner Abgeordnetenhaus reagierten die Fraktionen mit Forderungen nach Aufklärung. Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Graf sagte, es seien „noch sehr, sehr viele Fragen offen“. Er unterstütze jedoch den Kurs, sich nicht erpressen zu lassen. AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker bezeichnete den Erpressungsversuch laut dpa als „ernstzunehmenden Fall“. Es müsse alles daran gesetzt werden, offene Fragen zu beantworten und künftige Angriffe zu verhindern. (Quellen: Spiegel, Zeit, dpa, AFP) (cs)