Die etwas anderen News Ganz neutrale Geschäftemacherei
«Kein Krieg» – wie verlockend! Überall Friedenstauben! Wäre da bei der aktuellen Neutralitätsinitiative nicht das Kleingedruckte.
29.08.2026, 12:28
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Bänz Friedli
Kabarettist
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Der Basler Kabarettist mit Berner Wurzeln ist Meister darin, den Finger dort draufzuhalten, wo es wehtut. Dabei bleibt Bänz Friedli stets ein Erzähler, der vermeintlich Kleines mit dem grossen Ganzen verbindet. 2015 war er Preisträger des Salzburger Stiers, 2024 des Prix Cornichon. Aktuell ist er mit dem Programm «Bänz Friedli räumt auf» auf allen Deutschschweizer Bühnen zu sehen. Fürs «Spasspartout» auf SRF1 moderierte Friedli jeweils die Live-Kabarett-Abende «Ohrfeigen» aus dem Kleintheater Luzern.
Es könnte kaum schöner sein. Die Sonne brennt nicht mehr heiss, sie scheint nur noch warm. Die Stadt ist in mildes Herbstlicht getaucht. Und wohin ich auch blicke: überall Friedenstauben! Auf Plakaten, Flugblättern, Stickern … Die entsprechende Broschüre mit dem lieblichen Sujet lag bereits dreimal in meinem Briefkasten.
Solch eine Kampagne kostet natürlich. Fünfeinhalb Millionen Franken lasse das Komitee der sogenannten Neutralitätsinitiative sich den Abstimmungskampf kosten, ist zu vernehmen. Rund die Hälfte davon bezahlt Doktor Blocher aus der eigenen Schatulle.
‹Kein Krieg›, steht auf sämtlichen Werbemitteln. Klingt gut. Wer wollte schon Krieg?
Er will es noch mal wissen, der alte Haudegen, und gibt in seinem angeblich letzten grossen Kampf den Friedensengel: «Kein Krieg», steht auf sämtlichen Werbemitteln. Klingt gut. Wer wollte schon Krieg?
Bloss gilt es, wie stets bei Initiativen mit verlockendem Titel, das Kleingedruckte zu studieren. Lanciert hat Christoph Blocher das Begehren nämlich unmittelbar nachdem Putin mit seinen Truppen die Ukraine überfallen und die Schweiz beschlossen hatte, sich Sanktionen gegen den Aggressor Russland anzuschliessen.
Und Sanktionen gegen einzelne Staaten – seien deren Regimes auch noch so dubios – widerlaufen dem Blocher’schen Familieninteresse. Schliesslich betreibt Tochter Magdalena Martullo-Blocher mit ihrer Ems-Chemie ein Werk im russischen Jelabuga.
Sanktionen sind Gift fürs Geschäft. Das finden auch die Russen. Denn sie haben profitiert davon, wie der Kanton Zug es zuliess, dass der russische Rohstoffhandel weiterhin ungehindert über Baar, Shveytsariya, abgewickelt wurde. Seit Kriegsbeginn flossen geschätzte 40 Milliarden Dollar via Zug in die russische Kriegskasse.
Auf dem Staatspropagandakanal ‹RT›, dem vormaligen ‹Russia Today›, geben Kommentatoren sich als ‹Hans-Ueli Läppli› aus.
So mischt das offizielle Russland sich denn massiv in den Abstimmungskampf der kleinen Schweiz ein. Auf dem Staatspropagandakanal «RT», dem vormaligen «Russia Today», geben Kommentatoren sich als «Hans-Ueli Läppli» aus. Und wer hierzulande im Web Kommentare erntet wie «Hau doch ab und verreis, wenn es dir in der Schweiz nicht passt, du Schafseckel!», kann sich nicht mehr sicher sein, ob wirklich ein Heinz Hungerbühler der Absender sei. Oder doch eher ein Dmitri Wladimirowitsch Iwanow, der im fernen Moskau einen Trollbot programmiert hat …
Unsere Neutralität? Ist bereits in der Verfassung festgeschrieben. Nicht ums Wegschauen und Missachten von Völkerrecht geht es da freilich, sondern darum, so steht es in Artikel 2, sich «für eine friedliche und gerechte internationale Ordnung einzusetzen».
Und das hübsche Plakat mit der Friedenstaube in unserer Strasse, das Neutralität vorgibt und die Wahrung von Geschäftsinteressen meint? Es ist voller Taubenschisse.
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Radio SRF 1, Zytlupe, 29.08.2026, 13:00 Uhr