Handlungsbedarf sieht der Bildungsmonitor unter anderem bei der frühen Sprachförderung.
©Sven HoppeDeutschland befindet sich in einem tiefgreifenden historischen Umbruch – einem Epochenbruch, konstatiert der Bildungsminitor 2026. Im Kern stünden dabei vier sogenannte „D-Transformationen“: Demografie, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Deglobalisierung. Die Transformationsprozesse würden die bisherigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ordnungen infrage stellen. Als besonders dramatisch wird die demografische Entwicklung mit schrumpfender Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den ostdeutschen Flächenländern bezeichnet.
Im Fokus des Bildungsmonitors 2026 stehe die Frage, welchen Beitrag das Bildungssystem leiste, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten.
Bewertung aus bildungsökonomischer Sicht
Die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführte jährliche Vergleichsstudie untersucht anhand 98 sogenannter Indikatoren die Bildungssysteme der Bundesländer. So werden etwa die Bildungsausgaben pro Schüler ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben öffentlicher Haushalte pro Einwohner gesetzt. Verglichen werden zudem die Investitionen in Schulen und Hochschulen, der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen, Klassengrößen, die Schulabbrecherquote oder die Beteiligung an Ganztagsangeboten.
Sachsen landet mit seinem Bildungssystem im Bundesländervergleich aus bildungsökonomischer Perspektive erneut vorn. Dahinter folgen wie schon im vergangenen Jahr Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Am Ende des Feldes liegen NRW und Sachsen-Anhalt vor dem erneuten Schlusslicht Bremen.
Negative Entwicklungen in Deutschland
Für Deutschland insgesamt weisen die Autorinnen und Autoren auf negative Entwicklungen in den vergangenen Jahren hin, die die Fachkräftebasis der deutschen Wirtschaft gefährde.
Eine starke Verschlechterung gab es laut Bildungsmonitor im Handlungsfeld Integration/Bildungschancen (–25,1 Punkte seit dem Jahr 2013): Die Kompetenzen und Abschlüsse von Schülerinnen und Schülern seien nach wie vor eng mit dem sozioökonomischen Hintergrund verknüpft. Ausländische Schülerinnen und Schüler blieben häufiger ohne Schulabschluss und erreichten seltener ihre Hochschulreife. Hinzu kommt ein Rückgang im Handlungsfeld Bildungsarmut (–41,8 Punkte): Der Anteil derjenigen, die Mindeststandards oder Abschlüsse nicht erreichen, ist gestiegen.
Die stärksten Verschlechterungen hätten sich dem Handlungsfeld Schulqualität gezeigt (–48,5 Punkte). Die durchschnittlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik, den Naturwissenschaften und beim Lesen seien gesunken, sowohl bei den 15-Jährigen als auch in Klasse 4. „Gerade vor dem Hintergrund des Epochenbruchs sind diese Rückschritte besonders gravierend“, heißt es in dem Bericht
In einem Sonderkapitel analysiert der Bildungsmonitor 2026, wie sich der Bildungsstand der in Deutschland lebenden Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Anteil der Personen mit einem Hochschulabschluss ist demnach deutlich gestiegen – von 15,4 Prozent im Jahr 2005 auf 25,6 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig ist der Anteil der Personen ohne berufsqualifizierenden Abschluss von 18,2 Prozent im Jahr 2005 nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auf 16,2 Prozent im Jahr 2015 auf 20,4 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Diese Polarisierung des Bildungsstands habe unmittelbare Konsequenzen für die Einkommensverteilung. Eine Polarisierung zeige sich auch in der Durchlässigkeit des Bildungssystems. So erreiche ein wachsender Anteil junger Menschen einen höheren Abschluss als ihre Eltern, während zugleich die Quote derjenigen zunehme, die einen geringeren Bildungsabschluss als die Eltern erreichen.
Handlungsbedarf sieht der Bildungsmonitor bei der frühen Sprachförderung, bei der Förderung von Risikogruppen und bei der der beruflichen Nachqualifizierung.