Stand: 06.08.2026, 06:54 Uhr
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Die Zeiten steuerfreier Krypto-Gewinne sind vielleicht bald vorbei in Deutschland. Die einjährige Haltefrist steht auf der Kippe.
Berlin – Rund 9 Millionen Krypto-Besitzer gibt es hierzulande, die bislang nach einem Jahr Haltefrist ihre Kursgewinne steuerfrei einbehalten durften. Damit soll jetzt Schluss sein.

Strategischer Kurswechsel im Finanzministerium zu Kryptowährungen
Im Rahmen des Haushaltsentwurfs 2027 plant die Bundesregierung, die Gewinne aus Kryptowährungen rechtlich neu einzuordnen. Bislang gilt der Verkauf von Bitcoin und Co. nach einem Jahr Haltefrist als privates Veräußerungsgeschäft, das nach dem Einkommenssteuergesetz steuerfrei geblieben ist. Der neue Haushaltsentwurf sieht nun vor, diese Gewinne künftig den Einkünften aus Kapitalvermögen zuzuordnen, wie t-online berichtete.
Wenn die Maßnahme beschlossen wird, würde für Krypto-Assets dann das gleiche Steuerprinzip wie für Aktien oder ETFs gelten – eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, ganz unabhängig davon, wie lange die Kryptowerte gehalten wurden. Das mag für kurzfristige Trader von Vorteil sein, da die Abgeltungssteuer zumeist weit unter dem persönlichen Einkommenssteuersatz liegt, für langfristige Anleger wäre die Maßnahme aber fatal, da sie ihren echten Hebel zum Vermögensaufbau verlieren würden. Für das Finanzministerium würde das jedoch geschätzte Mehreinnahmen in Milliardenhöhe bedeuten.
Die deutsche Krypto-Szene läuft Sturm gegen die Pläne
Die Krypto-Community in Deutschland ist bereits in helle Aufregung versetzt und es regt sich massiver Widerstand. Auch Kritiker und Branchenexperten wie BearingPoint warnen vor der Maßnahme und argumentieren, dass die Abschaffung der Haltefrist sowohl die private Altersvorsorge junger Menschen ausbremst als auch die Attraktivität Deutschlands im internationalen Digitalmarkt massiv beschädigen würde.
Jetzt hat ein Bündnis um den Bitcoin Bundesverband eine offizielle Bundestagspetition auf die Beine gestellt, die die geplante Verschärfung der Besteuerung blockieren soll. Bis zum 15. September müssen mindestens 30.000 Unterschriften zusammenkommen, um eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu erreichen.
Krypto-Wallets werden gläsern – neue Meldepflichten greifen schon 2026
Das geplante Gesetz zur Abgeltungsteuer muss noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen, aber ein anderer Mechanismus zur Kontrolle des Kryptohandels ist bereits aktiv. Das nationale Kryptowerte-Steuertransparenz-Gesetz (KStTG), das die entsprechende EU-Richtlinie umsetzt, verlangt bereits verschärfte Meldepflichten für Krypto-Dienstleister. Der Kryptomarkt wird dadurch vollkommen transparent. So müssen Krypto-Börsen und entsprechende Broker jetzt alle Nutzer- und Transaktionsdaten direkt an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) melden. Damit steigt das Entdeckungsrisiko für nicht deklarierte Altgewinne und lückenhafte Angaben massiv an. Private Anleger sind somit aufgefordert, ihre Kryptogeschäfte penibel zu dokumentieren.
Noch ist nicht entschieden, ob die Haltefrist für Kryptowährungen tatsächlich zum 1. Januar 2027 fällt. Wie die dpa meldete, sind über 40 Prozent der Gesamtbevölkerung und mehr als 70 Prozent der privaten Krypto-Investoren davon überzeugt, dass die geplante neue Besteuerung der Kryptowährungen die Attraktivität der Kryptowährungen als Anlage schwer beschädigen würde. (Quellen: dpa, t-online, Bearing Point) (sts)