Stand: 08.08.2026, 07:17 Uhr
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Nach nur rund einem Tag hat die Bundestagspetition zur Bitcoin-Haltefrist 30.000 Mitzeichnungen erreicht. Nun rückt das Thema in den Petitionsausschuss des Bundestages. Die Initiative ProHaltefrist will daraus ein noch größeres politisches Signal machen.
Der Start fiel deutlich stärker aus als erwartet. Am Dienstag, dem 4. August 2026, wurde die Bundestagspetition zum Erhalt der steuerlichen Haltefrist für Bitcoin und andere Kryptowerte freigeschaltet. Bereits nach rund einem Tag war die Schwelle von 30.000 Mitzeichnungen erreicht.

Damit ist die Petition politisch in einer neuen Phase. Denn bei öffentlichen Bundestagspetitionen ist diese Marke entscheidend: Seit der Reform des Petitionsverfahrens liegt die kritische Grenze für eine Notwendigkeit einer öffentlichen Beratung bei 30.000 Mitzeichnungen, die Mitzeichnungsfrist beträgt sechs Wochen.
Über den Bitcoin-Experten Ulf Heyden
Ulf Heyden ist Gründer von Bitcoin-Bootcamp.de und beschäftigt sich mit Bitcoin-Bildung, digitaler Vermögensbildung und den politischen Rahmenbedingungen rund um Bitcoin. Mit seiner Consulting-Firma HeydenNet Internetservices berät er Unternehmen und Publisher zu digitalen Geschäftsmodellen. Zuvor war er über 25 Jahre in der Medien- und Digitalbranche tätig, unter anderem bei BurdaForward und FOCUS Online.
Was die 30.000 Mitzeichnungen jetzt bedeuten
Das Erreichen der 30.000 Mitzeichnungen stoppt kein Gesetz automatisch. Es erhöht aber die parlamentarische Verbindlichkeit deutlich. Nach den Verfahrensgrundsätzen des Petitionsausschusses werden Petenten bei Sammel- oder Massenpetitionen, die diese Schwelle erreichen, grundsätzlich in einer öffentlichen Ausschusssitzung angehört. Nur mit Zweidrittelmehrheit der anwesenden Ausschussmitglieder kann davon abgesehen werden.
Für die Unterstützer der Petition bedeutet das: Nach Ablauf der Mitzeichnungsfrist können die Argumente voraussichtlich öffentlich im Petitionsausschuss vorgetragen werden. Dann geht es nicht mehr nur um eine Debatte unter Bitcoin-Anlegern, sondern um eine parlamentarische Befassung mit der geplanten Abschaffung der Haltefrist.
Worum es bei der Haltefrist geht
Heute gilt vereinfacht: Wer Bitcoin oder andere Kryptowerte privat kauft und innerhalb eines Jahres verkauft, kann steuerpflichtig sein. Wer länger als ein Jahr hält, kann Gewinne grundsätzlich steuerfrei realisieren.
Genau diese Unterscheidung steht jetzt zur Debatte. Nach den Plänen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil könnten Krypto-Gewinne künftig unabhängig von der Haltedauer besteuert werden. Für langfristige Anleger wäre das ein Systemwechsel.
Warum der Aktien-Vergleich hinkt
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Einordnung von Bitcoin. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Bitcoin hat dagegen keinen Emittenten, keinen Vorstand und keine Dividende. Es ist ein knappes digitales Gut und liegt damit strukturell näher an Gold oder unverzinsten Fremdwährungen als an Aktien.
Genau deshalb ist die steuerliche Einordnung mehr als eine Formalie. Wer Bitcoin aus der bisherigen Systematik privater Wirtschaftsgüter herauslöst, muss erklären, warum ausgerechnet langfristiges Halten künftig schlechter behandelt werden soll.
Das neue Ziel: 210.000 Mitzeichnungen
Mit dem Erreichen des Quorums ist die Petition nicht beendet. Die Mitzeichnungsfrist läuft weiter bis zum 15. September 2026. Die Initiative ProHaltefrist setzt sich nun ein neues Ziel: mindestens 210.000 Mitzeichnungen.
Die Zahl ist bewusst gewählt. Bitcoin ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Die 21 steht in der Bitcoin-Welt für Knappheit, Verlässlichkeit und langfristiges Denken. 210.000 Mitzeichnungen wären das Siebenfache des offiziellen Quorums.
Nach öffentlichen Petitionsdaten des Bundestages wäre ein solches Ergebnis in der Spitzengruppe öffentlicher Bundestagspetitionen. Die Initiative will damit zeigen: Die Haltefrist ist kein Spezialthema einiger weniger Anleger, sondern betrifft eine relevante Gruppe von Bürgern, die langfristig sparen und klare steuerliche Regeln erwarten.
Jetzt beginnt die eigentliche politische Debatte.
Das Quorum war der erste Meilenstein. Die entscheidende Debatte folgt nun im Parlament. Im Petitionsausschuss wird es darum gehen, ob die Haltefrist erhalten bleibt, ob Bitcoin sachgerecht eingeordnet und ob langfristiges Sparen steuerlich weiter geschützt wird. Für die Initiative ProHaltefrist ist klar: 30.000 Mitzeichnungen öffnen die Tür. 210.000 Mitzeichnungen sollen daraus ein politisches Signal machen, das Bundesregierung und Bundestag nicht ignorieren können.
Die Petition läuft weiter. Und gerade weil das Quorum bereits erreicht ist, zählt jede zusätzliche Mitzeichnung nun als Verstärker: für Sichtbarkeit und für eine ernsthafte öffentliche Debatte über die Zukunft der Bitcoin-Besteuerung in Deutschland. Wer die Petition unterstützen möchte, kann sie direkt auf der Petitionsplattform des Deutschen Bundestages mitzeichnen. Hintergründe, Argumente und weitere Informationen zur Initiative gibt es auf der Plattform ProHaltefrist.