Der neue X5 ist der große Bruder des iX3 – hat mit der neuen Klasse jedoch technisch nur wenig gemein. Dafür setzt er in der Liga der großen SUV einige Maßstäbe – gerade als Elektroversion.
Erstmals gibt es einen BMW X5 mit reinem Elektroantrieb, und auf vielen Märkten dürfte sich der Oberklasse-Crossover gerade als iX5 gleich eine große Scheibe vom verkauften Modellkuchen abschneiden. Dabei bieten die Bayern den X5 mit einem derart großen Portfolio wie kein anderer Wettbewerber an: Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid und Elektromodell namens iX5 – und ab 2028 folgt sogar eine Variante mit Brennstoffzelle. Doch wer die vergleichbaren Preisstrukturen der einzelnen Versionen vergleicht, dem wird es schwerfallen, dem ersten Elektro-X5 keine ernsthafte Chance zu geben. Einmal mehr, wenn er hinter dem Steuer Platz genommen und die ersten Kilometer zurückgelegt hat. Denn hier liefert der Neuling eine echte Glanzvorstellung ab.
Der BMW iX5 60 lässt einen keinen nennenswerten Abstrich gegenüber den Verbrennern machen. Ein gigantisches Batteriepaket mit 141 kWh im Unterboden sorgt dafür, dass Normreichweiten von über 800 Kilometern nicht nur erträumt werden. Und selbst bei schnellem Autobahntempo oder bei kalten Winterfahrten dürfte die Reichweitenanzeige in dem unverändert gewöhnungsbedürftigen Panoramadisplay an der Unterseite der Windschutzscheibe vollgetankt kaum unter die 500-Kilometer-Marke rutschen. Das sollte selbst ausgemachte Elektrokritiker zähmen – einmal mehr, wenn sie spüren, wie gekonnt der Koloss aus Spartanburg / South Carolina sein spürbares Übergewicht kaschiert und in Windeseile nachtankt, wenn die entsprechende Ladesäule Rückenwind verspricht.

Kraftvoller Auftritt und Maßstäbe bei Komfort und Fahrdynamik
Das Design orientiert sich stark an den kleineren Modellen der neuen Klasse, wobei die LED-Frontscheinwerfer im X-Design etwas dick aufgetragen erscheinen. Doch vorn wie hinten wirkt der 4,99 Meter lange X5 kraftvoll und imposant mit seinen konturierten Radhäusern, während die seltsamen Türgriffe im Flügelchen-Design an der Fensterkante zumindest diskussionswürdig sind. Mit denen haben bereits Modelle von Ford, Ferrari oder Volvo nur mäßigen Applaus geerntet – wirklich praktisch ist anders. Selbst wenn der BMW iX5 ebenso wie seine Verbrennerbrüder seine Einstiege auf Wunsch gegen 1350 Euro Aufgeld elektrisch öffnet oder schließt. In Sachen Komfort setzt der Gegner von Audi Q7, Porsche Cayenne, Mercedes GLE und Range Rover Sport Maßstäbe – in Sachen Fahrdynamik auch.

Kein Wunder, denn bis eine M-Version wohl erst 2028 folgt, ist der BMW iX5 60 xDrive das Topmodell mit zwei Elektromotoren, die ihre Leistung von immerhin 425 kW / 578 PS ganz nach Fahrprogramm, Tempo (maximal 210 km/h) und Leistungsabfragen variabel auf die beiden Achsen verteilen. Die ihnen zu entlockenden 805 Nm maximales Drehmoment sorgen zusammen mit dem schweren Batteriepaket und einem fein abgestimmten Fahrwerk dafür, dass der Fahrer das Leergewicht des iX5 schnell unterschätzt.


Wie heftig der 2,9 Tonnen schwere Elektro-SUV drückt, das zeigt sich beim Anbremsen vor zügig anvisierten Kurven. Es ist mehr als imposant, wie der US-Bayer die knapp drei Tonnen Fahrendgewicht wie mit unsichtbarer Hand geführt durch Kurven wuchtet. Trotzdem sind die Unterschiede zum deutlich leichteren Verbrenner mit 400 Kilo Mindergewicht oder dem klassenkleineren iX3 leicht spürbar.
Viel Luxus im Innenraum, aber Aufpreis an überraschenden Stellen
Auf der anderen Seite fährt der iX5 im Vergleich zum kleinen iX-Bruder in Sachen Komfort, Aufenthaltswert und Luxusambiente in einer anderen Liga. Zwar nervt die umständliche Sitzverstellung in der Kombination aus Türtafel und Bildschirm-Fingerübung, doch erst einmal justiert lässt es sich auf langen Strecken kommoder denn je reisen. Dazu kommt das geringe Geräuschniveau und bei aller Dynamik das Gefühl, ebenso lässig wie schnell cruisen zu können. Das Platzangebot ist vorne wie im Fond top, und wäre da nicht die Bedienung auf dem Zentralbildschirm, an die man sich gewöhnen muss, das schmale Infoband und ein Lenkrad, das in Sachen Bedienung und Haptik nur eingeschränkt überzeugen kann, gäbe es nur Applaus für den Neuling mit Elektroantrieb.

Und wer ist eigentlich bei einem 100.000-Euro-SUV auf die Idee gekommen, dass die Jalousien in den Fondtüren manuell zu bedienen sind und eine Sitzheizung in der zweiten Reihe ebenfalls Aufpreis kostet? Das Ladevolumen von 655 Litern gibt es ab Werk und einen gut 50 Liter großen Frunk dazu – immerhin.

Schnell nachgeladen, aber der Preis zieht spürbar mit
Die stattliche Reichweite ist das eine – doch in Sachen Nachladen schiebt der BMW iX5 60 xDrive viele Wettbewerber mit bis zu 460 kW in den Schatten und unterstreicht so den Komfortanspruch des Langstrecken-Cruisers imposant. Das hat einen Preis, der einen ähnlichen Schub wie das Komfortniveau bekommen hat.
Mit viel Luft in der Serienausstattung geht es bei 102.800 Euro los – für das gleiche Geld gibt es die Hybridversion. Ein Fahrzeug mit etwas großzügigerer Ausstattung dürfte unter 120.000 Euro kaum zu bekommen sein. Kundenanfragen sprechen von Leasingraten jenseits der 2000 Euro – das ist happig.