"Ein unbeschreibliches Gefühl"
Unmittelbar nach dem Eintrag ins Goldene Buch nimmt sich Kabayel Zeit für ein exklusives Interview. Auf die Frage, was es für ihn bedeute, ausgerechnet hier in seiner Heimatstadt gefeiert zu werden, findet er kaum Worte:
"Du stehst hier in Bochum, hast gerade einen Eintrag ins Goldene Buch hinter dir, überreicht vom Oberbürgermeister, und gleich bekommst du auch noch den großen Titel überreicht, den wir uns hart erarbeitet haben, vom WBC-Verband. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl."
Gelernter Gleisbauer aus Wattenscheid
Im Bochumer Stadtteil Wattenscheid betrieb Kabayels Familie einen Döner-Imbiss. Der kleine Agit spielte lange Jahre Fußball, bevor er als Teenager das Boxen für sich entdeckte. Nach der Schule absolvierte Kabayel eine Berufsausbildung als Gleisbauer, aber verlor den Traum von der Profikarriere nie aus den Augen. Er denkt wohl auch daran, wenn er sagt:
Kabayel kann seinen Triumph kaum fassen
Kein Wunder, dass es Kabayel am Samstag schwer fiel, die Dimension seines Erfolgs zu beschreiben. "Mir ist das, glaube ich, in seiner ganzen Dimension noch nicht bewusst, aber ich hatte jetzt Zeit, das alles sacken zu lassen. 94 Jahre hatten wir keinen Weltmeister im Schwergewicht, und jetzt bin ich der erste Deutsche nach Max Schmeling. Jahrelang habe ich davon geredet, dass ich derjenige sein werde, der ihn ablöst. Und jetzt haben wir es getan. Das ist nicht in Worte zu fassen."
Weltmeister im Wartestand
Kabayel war lange Zeit so etwas wie ein Weltmeister im Wartestand. Denn obwohl er zu den besten Schwergewichtskämpfern der Welt gehörte, wurde er oft übersehen. Kabayel war Stars der Szene wie Tyson Fury, Deontay Wilder und Oleksandr Usyk zwar sportlich gefährlich, aber aufgrund der geringen Aufmerksamkeit kein lukrativer Gegner. Deswegen kamen bis zu seinem Sieg über den Chinesen Zhilei Zhang 2025 keine großen Kämpfe zustande.
Nach diesem Sieg war Kabayel Interimsweltmeister und damit der Pflichtherausforderer des WBC-Weltmeisters Usyk. Weil der aber verzichtete, wurde Kabayel ohne Sieg zum Weltmeister erklärt.
Wie geht es weiter?
Bei aller Feierlaune treibt die Fans schon die nächste Frage um: Wann und gegen wen verteidigt Kabayel seinen Titel zum ersten Mal? Auf dem Rathausbalkon kündigt er an, im November wieder in den Ring zu steigen. Nächste Woche wird der neue Gegner bekannt gegeben.
Immer wieder für Schlagzeilen sorgen Gerüchte um ein Duell mit dem Briten Tyson Fury, mit dem Kabayel einst als Sparringspartner trainierte – Spekulationen, die auch heute vor Ort die Runde machen.
Aber zunächst feiern die Bochumer ihren seinen Lokalmatador. Sein Ziel für die Zukunft hat Kabayel nach seiner Titelkrönung klar formuliert: "Es ist Wahnsinn, dass ich nach all der Zeit meinen Kindheitstraum erreicht habe." Nun will er "diesen Gürtel lange halten und meiner Sammlung noch weitere Titel hinzufügen".
Unsere Quellen:
- Eigene Recherchen vor Ort
Sendung: wdr.de, Kabayel erhält den WBC-Gürtel in Bochum, 05.09, 21:43 Uhr