Stand: 03.09.2026, 14:20 Uhr
Brain Fog in den Wechseljahren kann Gedächtnis und Konzentration belasten. Eine kleine Studie prüft nun eine Hormonbehandlung.
Los Angeles – Viele Frauen erleben in den Wechseljahren nicht nur Hitzewallungen oder Schlafprobleme, sondern auch Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und verlangsamtes Denken. Dieses als Brain Fog bezeichnete Beschwerdebild kann den Alltag deutlich belasten.
Eine kleine Untersuchung der University of California in Los Angeles (UCLA) liefert nun Hinweise darauf, dass eine gezielt eingesetzte Hormonbehandlung solche kognitiven Beschwerden lindern könnte. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht. An der Studie nahmen 20 Frauen in den Wechseljahren teil. Im Durchschnitt waren sie 53 Jahre alt.

Vor Beginn der Behandlung erfasste das Team ihre kognitiven Beschwerden. Anschließend erhielten die Teilnehmerinnen zwölf Monate lang eine individuell angepasste Kombination aus Estriol und Progesteron. Nach diesem Zeitraum berichteten sie über Verbesserungen bei Konzentration, Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, verbalem Gedächtnis und Problemlösen.
Brain Fog in den Wechseljahren nahm nach der Behandlung deutlich ab
Auch das allgemeine Gefühl geistiger Benommenheit ging nach Angaben der Teilnehmerinnen zurück. Die Unterschiede zwischen dem Ausgangswert und dem Zustand nach zwölf Monaten waren in mehreren Bereichen statistisch auffällig.
Damit liefert die Untersuchung einen ersten Hinweis darauf, dass Hormone womöglich einen Teil jener Beschwerden beeinflussen können, die viele Frauen während der Menopause als „Brain Fog“ beschreiben. Aus den Ergebnissen lässt sich jedoch noch keine gesicherte Behandlungsempfehlung ableiten.
Die Untersuchung war sehr klein, zudem fehlten sowohl eine Placebogruppe als auch eine zufällige Zuteilung zu verschiedenen Behandlungsgruppen. Dadurch bleibt offen, wie stark Erwartungen an die Therapie oder andere Einflüsse das Ergebnis mitgeprägt haben könnten. Auch objektive kognitive Tests und bildgebende Untersuchungen des Gehirns gehörten nicht zum Studienaufbau.
Estriol wirkt anders als das häufiger verwendete Estradiol
Bei Estriol handelt es sich um eine natürliche Form von Östrogen, die während einer Schwangerschaft in größeren Mengen im Körper vorkommt. In Europa und Asien wird der Wirkstoff bereits zur Behandlung anderer Beschwerden der Wechseljahre eingesetzt, etwa bei Hitzewallungen sowie Beschwerden im Genital- und Harnwegsbereich. In den USA kommt dagegen häufiger Estradiol zum Einsatz.
Estriol bindet bevorzugt an einen anderen Östrogenrezeptor als Estradiol. Frühere Untersuchungen lieferten Hinweise darauf, dass diese Wirkung im Gehirn eine Rolle spielen könnte. Unter anderem gibt es Daten, nach denen Estriol Nervenzellen schützen und Veränderungen im Hippocampus beeinflussen kann. Diese Hirnregion ist an Lernen und Gedächtnis beteiligt.
Warum Hormone bei Brain Fog in den Wechseljahren eine Rolle spielen
Auch Versuche mit weiblichen Mäusen mittleren Alters sprechen für einen möglichen Zusammenhang. Tiere, die Estriol erhielten, zeigten weniger krankhafte Veränderungen im Hippocampus und schnitten bei Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis und räumlichen Gedächtnis besser ab. Solche Ergebnisse aus Tierexperimenten können Hinweise auf biologische Mechanismen liefern, lassen sich aber nicht unmittelbar auf Menschen übertragen.
„Östrogen spielt nachweislich eine Rolle beim Schutz des Gehirns. Dennoch gibt es bislang keine zugelassene Art und Dosierung einer Behandlung, die gezielt die kognitiven Beschwerden vieler Frauen in den Wechseljahren behandelt“, sagt Rhonda Voskuhl, Neurologin am Comprehensive Menopause Center der UCLA Health.
Auch die verbreitete Vorstellung, solche Beschwerden müssten einfach hingenommen werden, hält sie für problematisch. „Frauen wird oft gesagt, sie müssten mit Brain Fog einfach leben. Dabei gibt es dafür eine neurowissenschaftliche Grundlage und möglicherweise auch einen Ansatz zur Behandlung“, sagt Voskuhl.
Größere Studien sollen den möglichen Nutzen genauer prüfen
Für die weitere Forschung sehen die Autoren mehrere offene Punkte. Künftige Untersuchungen sollen größere Teilnehmergruppen einschließen und mit Placebo sowie zufälliger Zuteilung arbeiten. Geplant sind außerdem standardisierte Tests der geistigen Leistungsfähigkeit und bildgebende Verfahren, um mögliche Veränderungen im Gehirn objektiv zu erfassen.
Zu beachten ist zudem ein finanzieller Interessenkonflikt. Die untersuchte Hormonbehandlung wurde von Voskuhl mitentwickelt und ist als Produkt der UCLA patentiert. Die Universität hat das Patent an CleopatraRX lizenziert, das die Behandlung unter dem Namen PearlPAK vertreibt. Voskuhl arbeitet als medizinische Beraterin für das Unternehmen.
Kurz zusammengefasst:
- Brain Fog in den Wechseljahren kann sich durch Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und verlangsamtes Denken äußern. In einer kleinen Studie besserten sich diese Beschwerden nach zwölf Monaten mit Estriol und Progesteron.
- Die Untersuchung umfasste nur 20 Frauen und hatte weder Placebogruppe noch Randomisierung, weshalb sich aus den Ergebnissen noch keine gesicherte Wirksamkeit ableiten lässt.
- Größere kontrollierte Studien mit standardisierten Gedächtnistests und Bildgebung sollen nun klären, ob die beobachteten Verbesserungen tatsächlich auf die Hormonbehandlung zurückgehen.