Nach einem Brand in einer Anlage des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in Polen hat Regierungschef Donald Tusk die Festnahme von zwei Verdächtigen in Deutschland bekanntgegeben. Die deutsche Polizei habe die beiden türkischen Staatsbürger im Auftrag der polnischen Behörden festgenommen, erklärte Tusk am Montag im Onlinedienst X. Sie stehen demnach im Verdacht, die Starlink-Station in der zentralpolnischen Region Masowien in Brand gesetzt zu haben. Tusk sprach von einem „weiteren Akt hybrider Kriegsführung“.
Die polnische Regierung teilte dies am Montag in Warschau mit und erklärte, sie vermute Russland hinter dem Vorfall. Die beiden Verdächtigen sollen in Polen wegen Sabotage im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes angeklagt werden, wie der polnische Innenminister Marcin Kierwinski erklärte. Das in Deutschland für den Fall zuständige Bundeskriminalamt (BKA) war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Polen vermutet russischen Sabotageakt
Der Brand an der Station im Zentrum Polens hatte sich im September ereignet und die Stromversorgung sowie den Notstromgenerator beschädigt. Polen ging damals von Sabotage aus, um die Internetverbindung unter anderem für das ukrainische Militär zu stören.
„Wir haben keinen Zweifel daran, dass russische Dienste hinter diesem Sabotageakt stecken“, sagte nun der polnische Minister für Sonderdienste, Tomasz Siemoniak, auf einer Pressekonferenz am Montag. Russische Dienste würden sich zudem zunehmend an Personen aus dem kriminellen Milieu wenden. Eine Stellungnahme der russischen Botschaft in Warschau lag zunächst nicht vor.
Polen bezahlt Starlink für die Ukraine
Das Nato- und EU-Mitglied Polen hat Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 schon mehrfach „Sabotage“ vorgeworfen. Polen ist der wichtigste Umschlagplatz für westliche militärische und humanitäre Hilfe für die Ukraine.
Tusk hatte im September vor hybriden Angriffen Russlands mit Drohnen oder sogar Raketen auf Verbündete der Ukraine gewarnt. „Der russische Plan“ umfasse nach Geheimdienstinformationen „hybride Angriffe“ auf Länder, welche die von Russland angegriffene Ukraine unterstützen, sagte Tusk vor dem Parlament in Warschau. Dies betreffe auch Polen.
US-Milliardär Elon Musk hatte die Dienste der Satelliten-Tochter seines US-Raumfahrtkonzerns Space für die Ukraine im Jahr 2022 nach dem Beginn der russischen Invasion freigeschaltet. Polen übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten für die Abonnements der Ukraine. Das ukrainische Militär ist bei der Kommunikation auf dem Schlachtfeld und für Drohneneinsätze auf Zehntausende Starlink-Terminals angewiesen. (Reuters, AFP)