Stand: 18.10.2026, 21:25 Uhr
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Nach versuchten Brandanschlägen auf Starlink-Infrastruktur vermutet Litauen russische Sabotage. Zugleich dementiert Washington eine Drosselung für Kiew.
Der Satellitendienst Starlink von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX steht im Ukraine-Krieg im Zentrum massiver Spannungen. Während in mehreren europäischen Ländern Sabotageakte gegen die für die ukrainische Verteidigung unverzichtbare Infrastruktur verübt wurden, schwelt zwischen Kiew und Washington eine Debatte über angebliche technische Einschränkungen des Netzes.
In Litauen entging ein Logistikstandort für Starlink-Technik nur knapp einem Brandanschlag. Wie Litauens Ministerpräsident Mindaugas Sinkevicius im litauischen Rundfunk mitteilte, versuchten Unbekannte in der Nacht zu Sonntag gegen 2:00 Uhr, ein litauisches Unternehmen in Brand zu setzen, in dem Ausrüstung für Starlink-Anlagen gelagert wird. Der Betrieb stellt den Anschluss von neun Starlink-Antennen sicher, die von der Ukraine im Abwehrkampf genutzt werden.
Ermittlungen nach versuchter Brandstiftung in Litauen
Ermittler entdeckten vor Ort Brandflüssigkeiten sowie Behälter mit einem Fassungsvermögen von drei bis zehn Litern, mit denen Satellitenantennen und eine Steuereinheit angezündet werden sollten. Der Anschlag scheiterte, da die Behörden das Unternehmen vorab gewarnt und die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt hatten.
Verteidigungsminister Robertas Kaunas bestätigte den Vorfall und betonte, dass die Untersuchungen laufen. Regierungschef Sinkevicius berief für Montag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein und ordnete den Anschlag in die hybride Kriegsführung Moskaus ein: „Es ist wahrscheinlich, dass bereits bekannt ist, wer den Auftrag erteilt hat – es ist die russische Seite.“
Der Vorfall im Baltikum steht nicht isoliert da: In ganz Europa geraten Starlink-Einrichtungen zunehmend ins Visier. In Polen war es unter der Woche zu einem Feuer an einer Starlink-Bodenstation gekommen, hinter dem die Regierung in Warschau russische Geheimdienste vermutet. Auch in Bulgarien sollen Starlink-Antennen vorsätzlich in Brand gesetzt worden sein.
Washington dementiert Drosselung für ukrainische Militärdrohnen
Parallel zu den Sabotageakten sorgen Berichte über Funktionsstörungen an der Front für politische Unruhe. US-Außenminister Marco Rubio wies Vorwürfe einer gezielten Drosselung des Satelliteninternets für ukrainische Drohnenflüge vor Journalisten entschieden zurück: „Niemand im Weißen Haus hat irgendjemanden angewiesen, das Internet zu drosseln oder die Übertragungsgeschwindigkeiten zu verringern, damit bestimmte Drohnen es nicht nutzen können.“
Was die Verbindungsprobleme verursacht habe, ließ Rubio offen („Es ist einfach so passiert“), betonte jedoch, dass der Starlink-Zugang wiederhergestellt sei. Zuvor war aus der Ukraine berichtet worden, dass Flugobjekte bei Geschwindigkeiten ab 160 km/h die Verbindung verloren. Über solche Probleme bei ukrainischen Drohnenmissionen durch technische Geschwindigkeitsbegrenzungen war bereits in der vergangenen Woche debattiert worden. Während das Weiße Haus und SpaceX-Chef Elon Musk eine bewusste Blockade zurückweisen, hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an Vorwürfen andauernder Funktionseinschränkungen fest.
Kein Zugriff auf das militärische „Starshield“-Netzwerk
Rubio stellte zudem klar, dass die ukrainischen Streitkräfte keinen Zugriff auf das militärische System „Starshield“ besitzen. Bei Starlink handle es sich um ein kommerzielles Produkt, während Starshield Gegenstand eines Vertrags mit dem US-Militär sei. Die Ukraine habe zwar um Zugang gebeten, um Angriffe tief im russischen Staatsgebiet durchzuführen, dies habe jedoch keine Verbindung zur Ukraine.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen die russische Invasion und nutzt Satelliteninternet intensiv für Frontkommunikation und Drohneneinsätze. Kiew hatte in der Vergangenheit mehrfach vergeblich um Erlaubnis ersucht, das Satelliteninternet für weitreichende Angriffe auf russischem Staatsgebiet freizuschalten. (nak/dpa)