Landtagswahl am Sonntag
Brandenburger Politiker machen Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
Von
Amelie Ernst
Mit Wahlkampf kennt sich Julian Brüning aus: Zweimal nacheinander schaffte der 32-Jährige zuletzt den Einzug in den Brandenburger Landtag – obwohl die Zustimmungswerte für seine Partei, die CDU, hier weit hinter denen auf Bundesebene liegen. Brüning ist auch außerhalb des Wahlkampfes viel in seinem Lausitzer Wahlkreis unterwegs, besucht Sportvereine und Dorfkneipen. Doch in diesen Tagen geht es für Brüning um Sachsen-Anhalt – und darum, dass die CDU auch künftig den Ministerpräsidenten stellt.
Gemeinsam mit einer Parteifreundin versucht er auf dem Marktplatz in Gardelegen in der Altmark CDU-Flyer unter die Leute zu bringen. Mit mäßigem Erfolg. Aber es gehe auch um die emotionale Unterstützung, wie er sagt. "Ich kenne das selbst aus Wahlkämpfen. Es ist wichtig, dass man sich unterstützt. Ich hätte damals auch jede Hilfe gebraucht im Wahlkampf. Und das gilt ja auch für die Kollegen in Sachsen-Anhalt." Bei der Bundestagswahl holte die CDU hier in der Altmark knapp 20 Prozent der Stimmen – die AfD fast doppelt so viele.
Woidke will "Demagogen und Hetzer" verhindern
Auch Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke hat sich auf den Weg nach Sachsen-Anhalt gemacht. In Wernigerode am Harz spricht er auf einer Wahlkampfveranstaltung der SPD – immerhin ein paar Dutzend Wernigeroder sind gekommen. In Umfragen liegt seine Partei in Sachsen-Anhalt bei um die acht Prozent. Doch Umfragen könne man nicht trauen, so Woidke – noch sei vieles möglich. "Für mich geht es heute darum, die Sozialdemokratie in Sachsen-Anhalt zu unterstützen und mitzuhelfen, dass es am Sonntag ein möglichst gutes Wahlergebnis für die SPD gibt, um zu verhindern, dass dieses Land in die falschen Hände gerät - und Demagogen und Hetzer hier künftig das Sagen haben."
Dennis Hohloch, der parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Brandenburger Landtag, erhofft sich dagegen Rückenwind aus Sachsen-Anhalt für die nächste Brandenburg-Wahl 2029. In Sachsen-Anhalt habe die AfD das erste Mal die reale Chance auf eine Alleinregierung – das sei die Blaupause. "Dann wollen wir die Alleinregierung erreichen. Wir schauen uns das genau an und werden sehen, was wir adaptieren können für 2029." Falls es nicht klappen sollte mit der AfD-Alleinregierung in Brandenburg, könnte das BSW hier ein potenzieller Koalitionspartner sein – anders als in Sachsen-Anhalt, wo die Partei laut Umfragen Mühe haben dürfte, die 5-Prozent-Hürde zu nehmen.
BSW will überparteilichen Ministerpräsidenten
Brandenburgs BSW-Landeschefin Friederike Benda bleibt dennoch bei ihren Kernsätzen und spricht mit Blick auf die Sachsen-Anhalt-Wahl von einer "Richtungsentscheidung für ganz Ostdeutschland und den Bund". Friedrich Merz führe Deutschland geradewegs in den wirtschaftlichen Ruin und in einen großen Krieg. "Es braucht eine politische Kraft, die das endlose politische 'Weiter-so' nicht mitmacht und die sich glaubhaft und überall für Frieden einsetzt." Gefragt nach einer möglichen Unterstützung der AfD in Sachsen-Anhalt bleibt Benda vage: Die Frage, ob man AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei der Wahl zum Ministerpräsidenten unterstütze, stelle sich derzeit nicht. "Unser Vorschlag ist ein überparteilicher Ministerpräsident, der das Land wieder zusammenführen könnte."
Auch alle anderen Parteien – große wie kleine - wissen um die Bedeutung der Sachsen-Anhalt-Wahl. Brandenburgs Grünen-Chef Clemens Rostock ist optimistisch, dass es seine Parteifreunde in Sachsen-Anhalt wieder ins Parlament schaffen. "Wir erleben in Brandenburg, was passiert, wenn die Grünen nicht mit im Landtag sitzen: Das Thema Klima spielt hier keine Rolle mehr."
Rostock hofft, dass sich grüne Wähler in Sachsen-Anhalt am Ende nicht doch für die CDU entscheiden, um die AfD als stärkste Kraft zu verhindern. Genau das sei nämlich bei der letzten Landtagswahl in Brandenburg passiert – da hätten viele Grüne letztlich ihr Kreuz bei der SPD gemacht.
Linke will sich der AfD entgegenstellen
Genau wie die Grünen ist auch die Linke in Brandenburg derzeit nicht im Landtag vertreten. Ihre Landesvorsitzende Katharina Slanina war in den vergangenen Wochen mehrfach in Sachsen-Anhalt, um die Genossinnen dort im Wahlkampf zu unterstützen. Dass die es in den Landtag schaffen, davon geht Slanina aus. Zuletzt lag die Linke in Umfragen zwischen 11 und 12 Prozent. Die eigentliche Herausforderung sei es, sich der AfD und ihren Zustimmungswerten - in Umfragen zuletzt über 40 Prozent - entgegenzustellen, so Slanina. "Wenn die AfD mit diesen Prozentzahlen durchkommt, dann wird das ein großer Einschnitt für Sachsen-Anhalt. Ihre Versprechungen werden zerplatzen wie Seifenblasen."
Sendung: rbb|24, 04.09.2026, 14:20 Uhr
Audio: rbb|24, 04.09.2026, Martin Adam