Fußball-Ausnahmetalent Paris Brunner zwischen Erfolg und Eklat

Der erste Tag von Paris Brunner bei der U 21 ist ausgesprochen harmonisch verlaufen, wie einem Video zu entnehmen ist, das der Deutsche Fußball-Bund in dieser Woche veröffentlicht hat. Der Mann der Stunde in Frankreichs Ligue 1, der an der Spitze der Torjägerliste steht und in sieben Pflichtspielen sechs Treffer für die AS Monaco erzielte, erlebt die beste Phase seiner Karriere.

Nun wird er in der Europameisterschaftsqualifikation für Deutschlands wichtigstes Nachwuchsteam spielen, in Lettland am Samstag (18 Uhr), dann gegen Georgien sowie auf Malta. „Drei Jahre sehnsüchtig auf dieses Video gewartet“, steht unter dem Filmchen, in dem er Trainer Antonio Di Salvo umarmt, ein paar Trikots signiert und am Hotelbuffet ansteht. Ein Hinweis auf seine Sonderrolle als größter Schlagzeilenproduzent im Team fehlt.

Brunner spielt bislang eine brillante Saison, ein Weltklassedribbling samt erfolgreichem Torabschluss im Duell gegen Marseille ging viral; Monaco steht an der Tabellenspitze. Bei Borussia Dortmund müssen sich die Verantwortlichen vorwerfen lassen, dass sie diesen Ausnahmespieler 2024 nach vier Ausbildungsjahren für günstige vier Millionen Euro verkauft haben, und im Ethikkomitee des Ligaverbandes fragt man sich: Was ist das für ein Typ?

Sperre wegen Kopf-ab-Geste

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In einer Talkrunde bei „bild.tv“ hat der Dortmunder Geschäftsführer Lars Ricken, der zu Brunners Zeit beim BVB das Nachwuchsleistungszentrum leitete, noch einmal betont, was für ein „feiner Kerl“ dieser Spieler sei, wobei schon Ricken sich mit den Eigenheiten dieses Fußballers beschäftigen musste: „Auch in Dortmund hat man ein paar Geschichten gehört, aber auf dem Platz hat er immer abgeliefert“, sagte der ehemalige Akademieleiter.

Ärger nach Grenzüberschreitungen

Als Brunner 2024 mit den Profis ins Trainingslager nach Marbella durfte, wurde er von Trainer Edin Terzić dabei erwischt, wie er während der angeordneten Nachtruhe nach Mitternacht das Hotel verlassen wollte. Angeblich hatte Brunner noch Hunger und wollte sich etwas zu essen besorgen. Richtig Ärger gab es schon einige Monate zuvor, als Brunner laut verschiedener Quellen eine Party in einem fremden Haus veranstaltet habe, bei der ein Sachschaden entstand. „Borussia Dortmund hat Paris Brunner aus disziplinarischen Gründen suspendiert. Der Nachwuchsspieler wird bis auf Weiteres nicht am Spielbetrieb des BVB teilnehmen“, teilte der Klub damals mit.

Vielleicht sind das in einigen Jahren lustige Anekdoten aus der Karriere eines gestandenen Nationalspielers. Schließlich haben auch andere Profis Grenzen ausgetestet. Der ganz junge Bastian Schweinsteiger wurde beispielsweise einmal dabei erwischt, wie er nachts auf dem Klubgelände mit einer „Cousine“ ins Entmüdungsbecken gestiegen war.

Brunners Klubtrainer Filipe Luís, unter dem der Angreifer sportlich die beste Zeit seiner bisherigen Karriere erlebt, verteidigte seinen Spieler jedenfalls nach dem Kopf-ab-Jubel: „Paris ist ein sehr leidenschaftlicher, intensiver Junge. Er hat einen Fehler gemacht. Das hat er sofort erkannt. Er hat sich entschuldigt. Der Verein nimmt diese Angelegenheit sehr ernst. Wir hoffen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“

Brunner bereut seine Handlung nicht

Brunner verfolgt beim Jubel-Eklat eine widersprüchliche Haltung: Einerseits signalisierte er, dass er einsichtig sei und erklärte, er habe „nicht respektlos sein“ wollen. Reue empfinde er aber auch nicht, weil Zuschauer seine Familie beleidigt hätten. Offenbar neigt dieser Fußballer zum inneren Widerspruch, was sich auch daran zeigt, dass fast zeitgleich mit seiner ersten U-21-Nominierung das Gerücht verbreitet wurde, er erwäge den DFB zu verlassen, um für das Heimatland seiner Mutter zu spielen: die DR Kongo, die bei der vergangenen Weltmeisterschaft mit Leidenschaft und Widerstandskraft beeindruckte.

Dabei hat auch Jürgen Klopp Brunner längst im Auge. „Er hat es fußballerisch zuletzt ganz toll gemacht und er ist seit Jahren ein Riesentalent“, sagte der Bundestrainer in der vorigen Woche. Manche Beobachter fragen sich, ob Brunner darüber enttäuscht sein könnte, nicht auch für den Riesenkader des A-Nationalteams nominiert worden zu sein. Seine Form passt schließlich, und der Bedarf an Persönlichkeiten, die nicht vollständig angepasst sind, ist ein Dauerthema beim DFB. Ob dieser Paris Brunner dazu taugen könnte, diese Sehnsucht zu stillen, wird nun aber erstmal jenseits des großen Rampenlichts bei der U 21 überprüft werden.