Bundeswehr: Aus 400 Metern direkt in den Kochelsee

Stand: 28.07.2026, 19:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Geschafft: Ein Soldat hat sich vom Fallschirm befreit und wird von Helfern ins Rettungsboot gezogen.

Geschafft: Ein Soldat hat sich vom Fallschirm befreit und wird von Helfern ins Rettungsboot gezogen. © Arndt Pröhl

Die Bundeswehr hat am Kochelsee erneut das Notverfahren einer Wasserlandung für Fallschirmspringer trainiert – ein anspruchsvolles Manöver, das dort seit den 1980er-Jahren jährlich stattfindet.

Kochel am See – Hochsommerliche Temperaturen, spiegelglattes Wasser und ein wolkenloser Himmel: Der Kochelsee bietet an diesem Dienstag (28. Juli) die perfekte Kulisse – und beste Bedingungen für eine spektakuläre Übung der Bundeswehr. Am Ufer in Altjoch richten Soldaten und zahlreiche Schaulustige den Blick nach oben. Wenige Augenblicke später erscheint eine M28 Skytruck am Himmel. In rund 400 Metern Höhe verlassen hintereinander sechs Fallschirmspringer das Transportflugzeug und gleiten langsam dem See entgegen. Fünf Rettungsboote stehen dort bereit, um sie nach der Wasserlandung aufzunehmen und wieder an Land zu bringen.

Ideale Bedingungen am Kochelsee

Seit den 1980er-Jahren übt die Luftlande- und Lufttransportschule Altenstadt einmal jährlich dieses Manöver. Der Kochelsee sei dafür ideal, erklärt Presseoffizier Nico Lessentin. Dass die Wahl immer wieder auf Kochel fällt, hat aber noch einen weiteren Grund: Zwischen der Gemeinde und der Bundeswehr besteht eine Patenschaft, zudem gibt es enge Verbindungen zum Veteranen- und Reservistenverein vor Ort. Dieser übernahm auch die Bewirtung und organisierte am Abend ein Freundschaftsfest.

Es besteht Ertrinkungsgefahr

Im Mittelpunkt stehen weniger die Sprünge. Militärs sprechen von einem „Notverfahren Wasserlandung“. Darunter versteht man ein Notfallszenario, bei dem Soldaten gezwungen sind, mit dem Fallschirm im Wasser zu landen. Die Herausforderung besteht darin, wie Lessentin erläutert, sich möglichst schnell von Fallschirm und Gurtzeug zu befreien. Andernfalls besteht Ertrinkungsgefahr.

Ungewöhnlich: Ein Fallschirmspringer der Bundeswehr landet direkt im Wasser.

Ungewöhnlich: Ein Fallschirmspringer der Bundeswehr landet direkt im Wasser. © Arndt Pröhl

Im regulären Einsatz würden Fallschirmspringer keinen See gezielt ansteuern. Doch nach einem Absetzfehler, bei starkem Wind oder ungünstigen Witterungsbedingungen kann eine Wasserlandung durchaus vorkommen. Unter realen Einsatzbedingungen wären die Anforderungen allerdings noch höher: Die Soldaten hätten zusätzlich ihren Rucksack und ihre Waffe dabei. Bei der Übung auf dem Kochelsee wurde darauf verzichtet. Zudem müssten sie sich in einer solchen Situation eigenständig ans Ufer retten.

Rund 100 Soldaten nahmen am Dienstag an dem Training teil, darunter auch Gäste aus dem Ausland. Elfmal hob der Flieger in Altenstadt ab, um die Fallschirmspringer nach etwa 15 bis 20 Minuten in zwei Gruppen über dem See abzusetzen. An diesem Mittwoch (29. Juli) soll sich das Ganze wiederholen.