Von Vanessa Halla
Was macht schön? Wie wird man schön? Und überhaupt: Bin ich schön? Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Betrachtet man Justyna Loschys Reisepass ausführlich, dann weiß man, dass sie 51 Jahre alt ist. Sieht man die quirlige, einen Meter zweiundfünfzig „große“ Frau aber in echt, ist man versucht, einen prüfenden zweiten Blick in den Reisepass zu werfen.
„Laut einem Test ist mein biologisches Alter 43“, lacht Justyna. Das glaubt man der Kosmetikerin – auch ohne Testergebnis – sofort. Dass die zweifache Mutter heute eine der bekanntesten Kosmetikerinnen der Region ist, verdankt sie allerdings weit mehr als ihren guten Genen.
Wo du dein Geschäft hast, ist völlig uninteressant. Du kannst im kleinsten Kaff sein – wenn du gut bist, finden dich die Leute.
von Justyna Loschy
Unternehmerin
Mit 19 Jahren kommt Justyna Loschy aus Polen nach Österreich. Eigentlich nur zu einem Besuch bei ihrer Tante. „Ich wollte mir ein bisschen Geld verdienen und dann wieder zurück nach Polen.“ Doch das Leben hat andere Pläne. Sie lernt ihren ersten Mann kennen – und bleibt.
Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, führt die 51-Jährige ein renommiertes Kosmetikstudio in Oberwart, sie ist auf Monate ausgebucht. „Wo du dein Geschäft hast, ist völlig uninteressant. Du kannst im kleinsten Kaff sein – wenn du gut bist, finden dich die Leute“, sagt die Unternehmerin.

Justyna begleitet ihre Kunden seit mehr als 20 Jahren – weit über Hautpflege hinaus.
Die Leidenschaft für ihren Beruf liegt in der Familie. „Meine Oma hatte nach dem Zweiten Weltkrieg einen Salon in Warschau. Ich glaube, ich hatte das einfach im Blut.“ Nach ihrer Ausbildung zur Kosmetikerin 1998 in Graz macht sie sich 2003 im Burgenland selbstständig. Vor fünf Jahren baut sie schließlich ihr Studio und auch ihr Haus in Oberwart auf – allein: „Das war einer der mutigsten Schritte meines Lebens.“
Hauptsache Hautsache?
Für Justyna Loschy endet Kosmetik nicht an der Hautoberfläche. „Kosmetik ist nicht bloß Pickel ausdrücken“, sagt sie lachend. „Die Haut zeigt, wie es uns innen geht – körperlich und psychisch.“ Deshalb spricht sie mit ihren Kundinnen und Kunden über Ernährung, Erholung und Stress. „Ich begleite Menschen. Mein Ziel ist, dass sie ihr Gleichgewicht wiederfinden – innen und außen.“
Dass dabei oft weit mehr als bloße Hautprobleme ans Licht und unter Justynas Lupe kommen, überrascht sie längst nicht mehr. „Bei mir im Studio, da ist die Tür zu. Ich bin manchmal mehr Psychologin als Kosmetikerin.“
Ihr Anspruch an sich selbst ist hoch. „Meine Kunden bekommen nichts, was ich nicht auch selbst machen lassen würde.“ Dafür investiert sie laufend in modernste Technik und Weiterbildung. Zweimal jährlich besucht sie Hautärztekongresse, Spezialisten aus ganz Europa holt sie nach Oberwart.
„Ich suche immer Menschen, mit denen ich gemeinsam besser werden kann.“ Was die Expertin außerdem weiß: Dass ein Termin bei der Kosmetikerin im Jahr 2026 längst nicht nur Frauensache ist. „Rund 30 Prozent meiner Kundschaft sind Männer, die sich professionelle Hautpflege gut und gerne leisten.“
Den Wert pflegen
Dreimal hat Justyna Loschy beruflich und privat von vorne begonnen. Zweimal war sie verheiratet, zweimal geschieden. „Ich bin wirklich auf der Straße gestanden. Nur mit meiner Tochter im Arm und konnte mir nicht mal Socken leisten. Ich weiß also, wovon ich spreche, wenn ich sage, dass ich mir vieles erkämpfen musste.“
Ich glaube, obwohl ich in Österreich meine Heimat gefunden habe, muss ich mich als Zugewanderte bis heute mehr beweisen. Ein bisschen wirst du immer die Polin bleiben.
von Justyna Loschy
Unternehmerin
Leicht war dieser Weg nicht. „Ich glaube, obwohl ich in Österreich meine Heimat gefunden habe, muss ich mich als Zugewanderte bis heute mehr beweisen. Ein bisschen wirst du immer die Polin bleiben.“
Dennoch hat sie nie aufgehört, an sich zu glauben. Heute beschäftigt sie zwei Mitarbeiter, arbeitet mit verschiedenen Spezialisten und Kosmetikern aus dem In- und Ausland zusammen und behandelt Menschen zwischen 15 und 80 Jahren.
„Wasser ist das beste Anti-Aging-Mittel“
Erfolg bedeutet für Justyna Loschy nicht Luxus oder Prestige. „Ich will Menschen glücklich machen. Das ist ein großartiger Beruf.“ Arbeiten möchte sie noch lange. „Mein Wunsch ist es, bis 70 zu arbeiten, weil ich mein Leben liebe.“
Auf die Frage, ob sie selbst jemals mit einem Pickel zu kämpfen hatte, antwortet die Oberwarterin lachend: „Ich hatte Akne bis zur ersten Schwangerschaft. Meine Haut heute habe ich mir erarbeitet.“ Ihr wichtigster Tipp im Umgang mit dem größten Organ, das wir Menschen besitzen: „Viel Wasser trinken. Wasser ist immer noch das beste Anti-Aging-Mittel der Welt.“
Und welchen Rat würde sie der jungen Frau mitgeben, die einst ohne Sprachkenntnisse nach Österreich kam? Die Antwort kommt – typisch Justyna – wie aus der Pistole geschossen: „Vertraue auf dein Wissen und dein Können – und erkenne deinen eigenen Wert!“ Und mit großer Wahrscheinlichkeit ist genau das Justynas wichtigstes Schönheitsrezept überhaupt.
kurier.at | 19.07.2026, 6:00