BYD Atto 2 DM-i: Günstiger Einstieg in die Plug-in-Hybrid-Welt

BYD bietet mit dem Atto 2 DM-i ein kompaktes SUV mit Plug-in-Hybrid-Technologie

Der Basistarif von knapp 30 000 Franken macht aus dem Atto 2 DM-i eines der günstigsten Plug-in-Hybrid-Modelle überhaupt auf dem Schweizer Markt.

Simon Tottoli10.08.2026, 05.30 Uhr

6 Leseminuten


Der BYD Atto 2 ist seit Frühling auch als Plug-in-Hybrid in zwei Varianten zu haben.

Der BYD Atto 2 ist seit Frühling auch als Plug-in-Hybrid in zwei Varianten zu haben.

PD

In vielen europäischen Ländern ist BYD bereits etabliert, jetzt wollen die Chinesen auch in der Schweiz richtig durchstarten: Bis Ende 2026 werden 3 Prozent Marktanteil anvisiert, für Ende 2027 5 Prozent, wie Ferdinando D’Apice, Marketingchef von BYD Schweiz, erklärt. Diese Ziele scheinen ambitioniert, denn Ende 2025 stand die Marke hierzulande noch bei bescheidenen 0,4 Prozent. Allerdings feierte sie auch erst am 1. April 2025 ihren offiziellen Markteintritt.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Im laufenden Jahr (Januar bis August 2026) hat BYD laut Statistik von Auto-Schweiz bereits einen Marktanteil von 2,5 Prozent. Der Wert dürfte sich bis zum Jahresende noch erhöhen, denn in den Sommermonaten wurde die anvisierte 3-Prozent-Hürde in der Schweiz regelmässig geknackt oder sogar übertroffen. Der voranschreitende Ausbau des hiesigen Händlernetzes hat dabei sicher geholfen. Auf der Website sind derzeit schon über 30 Markenvertretungen gelistet, bis Ende Jahr sollen es mindestens 50 sein.

Newsletter «Weg & Ziel»

Fortbewegung damals, heute und in Zukunft: Historie, Neuheiten und Trends aus der Welt der Mobilität.

Jetzt kostenlos abonnieren

Parallel erweitert der chinesische Autohersteller die Modellpalette sukzessive. Beispielsweise durch eine überarbeitete vollelektrische Ausführung sowie zwei Plug-in-Hybrid-Versionen des Kompakt-SUV Atto 2. Letztere tragen den Namenszusatz DM-i, was für «Dual Mode intelligent» steht. Der Atto 2 DM-i ist seit diesem Frühling als Einstiegsvariante Active sowie als Topversion Boost erhältlich. Mit ihnen rundet BYD sein Plug-in-Hybrid-Angebot nach unten ab, wobei mit dem Dolphin G DM-i in Bälde ein noch kleineres Plug-in-Hybrid-Modell dazukommt.

 Das Kürzel DM-i steht für «Dual Mode intelligent».

Das Kürzel DM-i steht für «Dual Mode intelligent».

PD

Daneben sind der grössere SUV Seal U und der Kombi Seal 6 mit dieser Kombination aus Benzinmotor und extern aufladbarer Batterie verfügbar. Der Rest der Palette fährt vollelektrisch. Fahrzeuge ohne externen Stromanschluss hat BYD nicht im Angebot, man bezeichnet sich deshalb gerne als weltgrössten NEV-Hersteller – NEV steht für «New Energy Vehicle».

Aussen unscheinbar, innen geräumig

Verglichen mit den anderen Modellen der Marke ist der rund 4,3 Meter lange Atto 2 eher zurückhaltend gestaltet – auch als Plug-in-Hybrid. Dass es sich technisch um eine Neuheit handelt, fällt nicht auf, weil das vollelektrische Pendant fast gleich aussieht. Nur der leicht grössere Lufteinlass an der Front, der unter der Heckschürze versteckte Auspuff und eine zusätzliche Tankklappe hinten links verraten den ergänzenden Benzinmotor unter der Motorhaube.

Der Innenraum orientiert sich ebenfalls an der Elektrovariante, wurde aber leicht überarbeitet. Statt auf der Mittelkonsole wird die Fahrstufe neu am Lenkradhebel eingelegt. Das Armaturenbrett bleibt BYD-typisch reduziert und ist um den 12,8 Zoll grossen Infotainment-Bildschirm herum gestaltet. Der lässt sich – BYD-untypisch – aber nicht mehr drehen; die wahlweise vertikale oder horizontale Ausrichtung war ein Alleinstellungsmerkmal der Marke. Geblieben ist, dass die meisten Funktionen über den Bildschirm bedient werden, auch wenn der Atto 2 jetzt etwas mehr Tasten hat, unter anderem für die Enteisung der Windschutzscheibe.

Die optischen Unterschiede zum rein elektrischen Atto 2 (rechts) sind marginal.

Die optischen Unterschiede zum rein elektrischen Atto 2 (rechts) sind marginal.

PD

Weil die Batterie beim Atto 2 DM-i ebenfalls im Unterboden verbaut wird, gibt es durch die Plug-in-Hybrid-Technik keinerlei Raumverlust im Passagierabteil. Das Kofferraumvolumen fällt trotz dem 45 Liter fassenden Benzintank nur geringfügig kleiner aus als in der überarbeiteten Elektroversion. 425 Liter statt 450 Liter sowie 1335 Liter statt 1370 Liter mit umgelegten Rücksitzen sind kaum spürbare Unterschiede – und für das Segment guter Durchschnitt.

Eher überdurchschnittlich für diese Fahrzeugklasse ist das Platzangebot für die Passagiere. Der verhältnismässig grosse Radstand von 2,62 Metern sorgt speziell im Fond für eine grosszügige Beinfreiheit. Auch über dem Scheitel gibt es viel Platz, so dass selbst Grossgewachsene gut unterkommen. Das serienmässige Panoramaglasdach verstärkt das gute Raumgefühl. Es besitzt jedoch nur in der Topversion einen elektrischen Sonnenschutz.

Zwei Batteriegrössen stehen zur Wahl

Die Serienausstattung der beiden Plug-in-Hybrid-Versionen des Atto 2 fällt allgemein unterschiedlich aus, denn während der höherwertige Boost unter anderem Parksensoren vorne, 360-Grad-Kamera, beheizte und elektrisch verstellbare Vordersitze, Lenkradheizung und eine 50-Watt-Handyladeschale bietet, muss bei der Basisvariante Active auf all das verzichtet werden. Immerhin ist diese mit einem Listenpreis von 29 990 Franken glatte 3000 Franken günstiger als der Boost.

Mit rund 4,3 Metern Länge zählt der BYD Atto 2 noch zu den Kompakt-SUV.

Mit rund 4,3 Metern Länge zählt der BYD Atto 2 noch zu den Kompakt-SUV.

PD

Die Preisdifferenz hat nicht nur mit der Ausstattung zu tun, sondern auch mit dem Antriebsstrang. Der Active besitzt gegenüber dem Boost zum einen eine geringere Systemleistung – 122 kW / 166 PS statt 156 kW / 212 PS – zum anderen eine deutlich kleinere Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie, die in der BYD-typischen Blade-Bauweise konstruiert ist. Mit 7,8 kWh Kapazität ist deren elektrisches Reichweitenpotenzial nach WLTP auf 40 Kilometer begrenzt. Beim 18-kWh-Akku der Variante Boost liegen derweil bis zu 90 Kilometer drin.

So gesehen bleibt der Preisaufschlag zur Topversion im Rahmen. In der Schweiz dürften sich die meisten für sie entscheiden. Umso mehr, da die Listenpreise bei BYD derzeit nicht allzu verbindlich sind. Der effektive Kaufpreis fällt dank Aktionen meistens tiefer aus – dadurch sinkt auch die Hemmschwelle, die viele noch gegenüber chinesischen Modellen haben. Acht Jahre oder 200 000 Kilometer Garantie auf das gesamte Fahrzeug sind ein weiteres Argument. Und eine Probefahrt könnte ebenfalls für ein Umdenken sorgen.

Der Antrieb ist ausgefeilt

Denn der Atto 2 DM-i untermauert einmal mehr die Kompetenz, die der verhältnismässig junge Hersteller im Autobau mittlerweile hat. Speziell der Antrieb hinterlässt einen überzeugenden Eindruck – wie eigentlich bei den meisten neuzeitlichen Chinesen. Was bei vollelektrischen Modellen noch mit der geringeren Komplexität gegenüber Verbrennungsmotoren erklärt werden kann, ist bei einem Plug-in-Hybrid keine Selbstverständlichkeit.

Die Bedienung erfolgt weitgehend über den Zentralbildschirm. Dieser kann aber nicht mehr senkrecht gestellt werden wie bei anderen BYD.

Die Bedienung erfolgt weitgehend über den Zentralbildschirm. Dieser kann aber nicht mehr senkrecht gestellt werden wie bei anderen BYD.

PD

Als Benzinaggregat fungiert im Atto 2 DM-i stets ein 1,5-Liter-Vierzylinder, der 72 kW (98 PS) leistet. Den Hauptteil der Antriebsarbeit übernimmt eine Elektromaschine mit 145 kW (197 PS). Theoretisch kann der Verbrenner die Achse mit antreiben, primär versorgt er aber die Batterie und den Elektromotor über einen Wechselrichter mit Strom. Der Wagen fühlt sich fast immer wie ein typischer Stromer an. Denn der Elektromotor, der das Fahrzeug hauptsächlich antreibt, stellt mit 300 Nm reichlich Drehmoment bereit.

Vom Verbrenner hört man im Normalfall wenig, im reinen Elektromodus gar nichts. Nur wenn im Hybridmodus das Gaspedal voll durchgetreten wird, macht sich der Benziner akustisch bemerkbar. Fällt der Ladestand der Batterie im Elektromodus auf unter 20 Prozent, springt er als Generator ein, was diskret geschieht. Auch wenn im sogenannten Save-Modus die Batterie während der Fahrt auf bis zu 70 Prozent geladen wird, bleibt das Geräuschniveau an Bord niedrig.

Das Fahrwerk ist komfortorientiert ausgelegt

Zum harmonischen Antrieb passt die Abstimmung des Atto 2 DM-i, die mehr Richtung Komfort statt Sport tendiert. Obwohl die Boost-Variante mit 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h recht zügig beschleunigt (der Active benötigt 9,1 Sekunden), macht eine allzu forsche Gangart wenig Spass. Dazu ist das Fahrwerk zu unverbindlich ausgelegt. Die Lenkung ist zwar ausreichend präzise, aber etwas indirekt. Der Atto 2 DM-i fährt sich dadurch unspektakulär, was letztlich seinem braven Design und dem ganzen restlichen Auftritt entspricht.

Am Platzangebot im Fond lässt sich nichts aussetzen. Es ist gleich gut wie in der Elektrovariante.

Am Platzangebot im Fond lässt sich nichts aussetzen. Es ist gleich gut wie in der Elektrovariante.

PD

Das Fahrzeug will eindeutig mit nichts anecken. Gegenüber den ersten BYD-Modellen in Europa sind selbst die früher oft kritisierten Assistenzsysteme verträglicher abgestimmt. Nur der Tempolimit- und speziell der Aufmerksamkeitsüberwacher nerven penetrant. Um den Tempoaufpasser zum Schweigen zu bringen, gibt es neu einen Shortcut am oberen Rand des Zentralbildschirms. Für den Aufmerksamkeitswarner muss tiefer im Menu gegraben werden. Immerhin kann mittlerweile der Spurhalteassistent aktiviert bleiben, da er zurückhaltender ins Lenkrad eingreift.

Stichwort Zurückhaltung: Als Sparwunder entpuppt sich der Atto 2 DM-i zwar nicht, aber mit fünf Litern Durchschnittsverbrauch im Hybridmodus lieferte er auf der Testfahrt einen guten Wert ab. Sinnvoller ist bei einem solchen Auto natürlich die möglichst intensive Nutzung im Elektromodus. In diesem Zusammenhang spricht neben der grösseren elektrischen Reichweite noch etwas für die teurere Boost-Version: Sie lässt sich an der Wallbox mit 6,6 kW statt nur 3,3 kW laden und bietet darüber hinaus eine Vehicle-to-Load-Funktion.

Allzu sportliche Ambitionen erfüllt der BYD Atto 2 nicht, sein Fahrwerk ist auf Komfort ausgelegt.

Allzu sportliche Ambitionen erfüllt der BYD Atto 2 nicht, sein Fahrwerk ist auf Komfort ausgelegt.

PD

Die Testfahrt wurde durch BYD unterstützt.

Passend zum Artikel

Kei-Cars galten als unangreifbare Domäne japanischer Hersteller. Mit dem Racco knackt BYD diese Festung – und liefert damit womöglich ein Vorbild für den globalen Markt für elektrische Kleinwagen.

Volvo, Lotus und neben vielen unbekannten Marken nun auch Geely selbst: Der Konzern aus Hangzhou setzt auf maximale Vielfalt. Sein Marktanteil wächst stetig, doch er riskiert, dass europäische Kunden im Namens- und Positionierungsdschungel den Überblick verlieren.

Der China-Marktführer mischt mit Megawatt-Ladern und einem 1156 PS starken Luxusstromer den europäischen Markt auf.