Essen Amerikaner bald deutsche Burger? Eine Berliner Fast-Food-Kette träumt von den USA

Burgermeister startete in einem Toilettenhäuschen, jetzt will die Firma weltweit expandieren. Der CEO hat ein Ziel: New York. Denn schaffe man es dort, schaffe man es überall.

10.08.2026, 05.30 Uhr

6 Leseminuten


Es knorzt und rumpelt. Dann stanzt die Maschine aus frisch gewolftem Rindfleisch gleichförmige, 120 Gramm schwere Rindfleischklumpen. Jeden Tag fahren 50 000 dieser Pattys hier, am Produktionsstandort von Burgermeister in Berlin-Tempelhof, übers Fliessband. Es ist bereits Vormittag, die Lebensmittel sollen zügig raus. Schnell werden sie verpackt, oft landen sie noch am selben Tag auf dem Grill. Alle Abläufe müssen stimmen, denn die Verantwortlichen der Berliner Fast-Food-Kette träumen gross.

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Bei Burgermeister gibt es Burger, Fritten, Milchshakes, Cookies.

Bei Burgermeister gibt es Burger, Fritten, Milchshakes, Cookies.

50 000 Pattys fahren täglich übers Fliessband.

50 000 Pattys fahren täglich übers Fliessband.

Noch in diesem Jahr wollen sie die Zahl ihrer Filialen verdoppeln, etwa mit ersten Läden in Wien oder London. Bald sollen sogar Amerikaner die deutschen Burger essen.

Von der Imbissbude zum weltweiten Imperium

Die Marke Burgermeister startete klein, als Frikadellenbude in einem ehemaligen Toilettenhäuschen beim U-Bahnhof Schlesisches Tor im Berliner Stadtteil und Ausgehviertel Kreuzberg. 2003 fragte der Burgermeister-Gründer Cebrail Karabelli bei den Behörden an, ob er das grün lackierte Kabäuschen zu einer Imbissbude umfunktionieren könne. Es dauerte drei Jahre, bis er die nötigen Zulassungen hatte.

Als der Laden endlich eröffnete, fand in Deutschland gerade die Fussball-Weltmeisterschaft statt. Viele Fans kosteten die neuen Burger, Partytouristen auf dem Weg zu den zahlreichen Technoklubs am Spreeufer machten spätnachts bei der Imbissbude halt. Karabelli erlebte sein persönliches «Sommermärchen», der Name Burgermeister etablierte sich schnell in der Stadt.

Heute ist Burgermeister eine Kette mit mehr als dreissig Filialen. Es gibt sie in fast allen Vierteln von Berlin, in anderen deutschen Städten wie Köln, Frankfurt und Stuttgart und seit wenigen Monaten mit zwei Läden in Polen auch erstmals ausserhalb Deutschlands.

Der Mehringdamm ist eine Hauptverkehrsachse in Berlin-Kreuzberg.

Der Mehringdamm ist eine Hauptverkehrsachse in Berlin-Kreuzberg.

Noch in diesem Jahr eröffnen erste Läden in Österreich und Grossbritannien, Filialen in weiteren Ländern seien geplant, etwa in den skandinavischen Staaten, womöglich auch in Spanien. Eine Expansion in die Schweiz sei derzeit nicht vorgesehen, sagen die Geschäftsführer, denn der Export von landwirtschaftlichen Gütern in das Land sei kompliziert. Zudem gibt es in Zürich eine Kette, die gleich heisst. Es gelte mit den Schweizern derzeit eine implizite Vereinbarung: Wir lassen euch die Schweiz, ihr uns die Welt.

Der Expansionsmanager

Der Mann, der das alles möglich machen will, heisst Robert Fügert. Er ist der CEO von Burgermeister und ein Jugendfreund des Gründers. Die beiden haben eine klare Arbeitsteilung: Karabelli beschäftigt sich mit der Frage, wie die Burger noch besser werden. Das Business überlässt er seinem Geschäftspartner. Denn Fügert weiss, wie man Dinge gross macht. Oder wie er sagen würde: wie man sie «skaliert».

In den 1990er Jahren brachte er den Hähnchendöner in die USA, als Erster überhaupt, wie Fügert erzählt. Dann war er Immobilienhändler in Florida, später organisierte er den Export von Autos am Hafen in Bremerhaven. Fügert spricht oft von Lieferketten und von Prozessoptimierung, vom ständigen Hunger nach Verbesserung. Als er 2021 bei Burgermeister einstieg, hatte die Kette bereits einige Filialen in Berlin. Aber die Konkurrenz in anderen deutschen Städten, ja gar in Weltmetropolen wie London oder Wien angreifen? Fügert sagt: «Cebrail hatte die Vision. Ich habe ihm gezeigt, wie man sie umsetzt.»

Der Burgermeister-CEO Robert Fügert denkt jeden Tag an Amerika.

Der Burgermeister-CEO Robert Fügert denkt jeden Tag an Amerika.

Es ist jetzt kurz vor dem Mittag, und Fügert hat es eilig. Er fährt in seinem Tesla durch den Berliner Stadtverkehr zu seiner Filiale am Mehringdamm, gibt Gas, wechselt die Spuren, bremst immer wieder abrupt ab. Dann lenkt er den Wagen auf einen Parkplatz am Strassenrand. Der Geschäftsmann trägt einen schicken Anzug und braune Loafers, die Apple Watch blinkt alle paar Minuten auf, wenn die Nachrichten eintrudeln. Er betritt das Fast-Food-Lokal, schreitet an die Theke und begrüsst das Personal herzlich. «How are you doing?»

Das Ladenkonzept von Burgermeister ist simpel. Es gibt Burger, Fritten, Milchshakes, Cookies. Und dabei werde es voraussichtlich auch bleiben, sagt Fügert. Auf der Karte steht nur ein vegetarischer Burger. «Die Leute wissen: Hier gibt es Fleisch, Bacon, Shakes. Nichts Kalorienarmes.»

Dann bestellt er sich ein Wasser mit Kohlensäure.

Gerade habe er keinen Hunger, sagt Fügert. Aber Burger esse er jede Woche, versichert er. Mal die eigenen, mal zu Recherchezwecken auch jene der Konkurrenz. «Wir können immer etwas dazulernen», sagt der Manager.

Alle Läden sind so eingerichtet, dass sie an die Herkunft der Marke in Kreuzberg erinnern. Die dunklen Holzbänke sind optisch an jene in U-Bahnhöfen angelehnt, aus den Lautsprechern dröhnt Rap- und Techno-Musik.

Noch in diesem Jahr will die Berliner Fast-Food-Kette die Anzahl ihrer Filialen verdoppeln.

Die Kette verspricht hohe Qualitätsstandards zu einem fairen Preis. Ein Cheeseburger kostet 7 Euro: mehr als bei McDonald’s, aber weniger als bei anderen Konkurrenten wie Five Guys. Dabei stellt Burgermeister die Pattys und die Brötchen selber her, für die Lebensmittel gibt es feste Zulieferer. Das Rindfleisch kommt aus Irland, die Kartoffeln aus den Niederlanden, das Mehl aus Berlin-Spandau, die Gurken aus dem Spreewald.

Der CEO ist überzeugt, dass die Firma auch problemlos Filialen in Grossbritannien oder Spanien mit den Fleischpattys und den Briochebrötchen aus der Berliner Produktionshalle beliefern könnte. Fügert sagt: «Niemand beherrscht die Abläufe in der Logistik besser als wir.»

Doch eine Expansion würde alles übertreffen, was die Verantwortlichen von Burgermeister bis jetzt gewagt haben. Die USA. Das Heimatland der Burger. Und das Land, das auch Robert Fügert «Heimat» nennt.

Der Leiter der Produktion steht neben den Kartoffelsäcken, die aus den Niederlanden kommen.

Der Leiter der Produktion steht neben den Kartoffelsäcken, die aus den Niederlanden kommen.

Was frisch produziert wird, muss schnell auch wieder raus.

Der Traum von Amerika

Der CEO von Burgermeister ist ein Weltenbummler. Geboren wurde er in Berlin, einen Teil seiner Kindheit lebte er in Singapur, seine Mutter ist Britin. Fügert reist viel, bald will er in London leben, wenn Burgermeister dort eine Filiale eröffnet.

Zu den USA hat er aber ein spezielles Verhältnis. Sein Vater ist Amerikaner, und auch Fügert besitzt den amerikanischen Pass, seit er als selbständiger Unternehmer viele Jahre in den USA gelebt hat. Seine Frau und seine Tochter leben noch immer am zweiten Wohnsitz der Familie in Miami.

Die Suche nach einem passenden Produktionsstandort in den USA schreite voran, sagt Fügert, denn dort müsste das Unternehmen lokal produzieren. Bei so weiten Wegen könnte das Unternehmen nicht garantieren, dass das in Berlin gepresste Rohfleisch auf einem amerikanischen Grill noch frisch wäre. In allem anderen würde sich Burgermeister aber auch in den USA treu bleiben, sagt Fügert.

Fritten mit Chili con Carne sind bei Burgermeister besonders beliebt.

Fritten mit Chili con Carne sind bei Burgermeister besonders beliebt.

Geht alles wie geplant auf, wird Burgermeister 2028 erste Läden in den USA eröffnen. Fügert denkt dabei vor allem an New York. Er zitiert einen Satz aus dem Lied, das Frank Sinatra einst der amerikanischen Metropole gewidmet hat: «Schaffst du es hier, schaffst du es überall.» Fügert lächelt, er blickt über die dunklen Holzbänke der Berliner Filiale hinweg ins Weite. Wenn das in den USA mit dem Burgerverkaufen funktioniere, könne er sich auch einen Börsengang an der Wall Street vorstellen.

Auf die Frage, wie oft er denn an Amerika denke, sagt Fügert: «Jeden Tag.»

Die kulturelle Umkehrung

Das Verhältnis zwischen Amerikanern und Deutschen ist gerade angespannt. US-Präsident Donald Trump riet dem deutschen Kanzler Friedrich Merz jüngst, sich besser mit seinem «gebrochenen Land» zu beschäftigen, als ihm Ratschläge für den Iran-Krieg zu erteilen. Dieser wiederum sagte, er würde seinen Kindern aufgrund des gesellschaftlichen Klimas «nicht empfehlen, nach Amerika zu gehen».

Zur Weltlage möchte sich Fügert nicht äussern, er verkaufe Burger, nicht Politik. Und sagt dann doch: «Die beiden Länder werden wieder zueinanderfinden.» Er erinnert daran, wie stark die Amerikaner den Wiederaufbau Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt haben und wie sehr gerade auch die Berliner Strassenkultur von der amerikanischen Hip-Hop-Szene beeinflusst worden ist. Und ohne diese Verzahnung würde es Burgermeister gar nicht geben.

Burgermeister expandierte erst in Berlin, mittlerweile gibt es Filialen in anderen deutschen Städten und in Polen.

Burgermeister expandierte erst in Berlin, mittlerweile gibt es Filialen in anderen deutschen Städten und in Polen.

Robert Fügert fährt Tesla und hat es eilig.

Robert Fügert fährt Tesla und hat es eilig.

Denn was Fügert und sein Geschäftspartner jetzt planen, ist gewissermassen die Umkehrung der Geschichte. Mit einem uramerikanischen Produkt hat eine Berliner Firma erst die eigene Stadt erobert – und träumt jetzt vom grossen Durchbruch im Herkunftsland der Burger.

Aber würden die Amerikaner denn ernsthaft einen deutschen Burger essen wollen?

Auch andere deutsche Fast-Food-Ketten sahen in den USA das grosse Geschäft. Die Pasta-und-Pizza-Marke Vapiano eröffnete ab 2007 Filialen an Toplagen in New York, Chicago oder Washington. 2020 meldete das Unternehmen Insolvenz an, die Marke wurde später von einer Investorengruppe übernommen und umstrukturiert. Vom Amerika-Abenteuer ist noch ein Laden übrig geblieben.

Fügert antwortet bestimmt, als wäre er von der Frage genervt: «Die Amerikaner sind weltoffen. Wenn ein Produkt schmeckt und der Preis stimmt, kaufen sie es.»

Er ist zuversichtlich, dass Burgermeister mit den deutschen Burgern in den USA Erfolg haben werde. Schliesslich habe es die Marke auch schon in München geschafft, sagt der CEO von Burgermeister. Und sowieso: Die Münchner seien den Berlinern «vom Vibe her» viel ferner als die New Yorker.

Gibt es dieses Logo bald auch in den USA?

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