CDU-Machtkampf in Sachsen-Anhalt spitzt sich zu – Bericht über „unappetitlichen Vorwurf“
Stand: 11.09.2026, 21:56 Uhr
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Sepp Müller spricht von „persönlicher Diffamierung“. Hintergrund soll ein Vorwurf von Ministerpräsident Sven Schulze sein. In der Sachsen-Anhalt-CDU brodelt es.
Berlin/Magdeburg – „Persönliche Diffamierung und gezielte Indiskretionen sind kein politischer Wettbewerb“, schreibt der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller am Freitag (11. September) auf der Online-Plattform X. Hintergrund soll ein „unappetitlicher Vorwurf“ gegen den CDU-Fraktionsvize sein, wie die Bild-Zeitung schreibt: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze habe seinem CDU-internen Gegner in der Bundesvorstandssitzung am Montag unsaubere Abrechnungspraktiken auf Kosten der Steuerzahler vorgeworfen. Müller weist den Vorwurf zurück und spricht von einem „unanständigen“ Vorgang. In einem Post legt er eine Übersicht seiner Termine in Sachsen-Anhalt in den vergangenen zwölf Monaten inklusive Informationen zur Kostenerstattung offen.

Schulzes Vorwurf in der CDU-Bundesvorstandssitzung am Tag nach der Wahlniederlage: Müller soll darum gebeten haben, ihn zur CDU-Wahlparty nach der Landtagswahl am 6. September in Magdeburg in seiner Funktion als Unionsfraktionsvize einzuladen – um sich anfallende Kosten über die Bundestagsfraktion erstatten zu können. Die Landesgeschäftsführung der CDU Sachsen-Anhalt sei der Bitte gefolgt, schreibt die Bild-Zeitung. Müllers Büro soll laut Bericht einen Reisekostenantrag gestellt haben, diesen habe Müller jedoch persönlich widerrufen lassen – ein bürointernes „Missverständnis“, hieß es.
Machtkampf in Sachsen-Anhalt: CDU-Abgeordneter Müller schreibt von „unanständigem“ Vorgang
Müller schreibt auf X: „Offenbar wird versucht, mich mit angeblich fehlerhaften Reisekostenabrechnungen zu diskreditieren.“ Einen Namen nennt der CDU-Politiker dabei nicht, schreibt jedoch weiter: „Wer mit solchen Methoden einen Neuanfang verhindern will, zeigt, wie dringend er nötig ist.“ Gemeint ist wohl Schulze, wie aus Berichten von Bild und Spiegel hervorgeht. Seinen Unterstützern schrieb Müller demnach in einem internen Schreiben, das dem Spiegel vorliegt: „Auf dem Niveau sollten wir hier nicht arbeiten.“
„Persönliche Diffamierung und gezielte Indiskretionen sind kein politischer Wettbewerb. Sie sind unanständig“, schreibt Müller öffentlich. „Deshalb mache ich transparent, was andere zum Gegenstand von Gerüchten machen wollen.“ Der beigefügten Übersicht lässt sich nur bei drei von mehr als 40 Terminen eine Kostenerstattung entnehmen, in Gesamthöhe von 514 Euro. Für die „An- und Abreise Zug“ nach Magdeburg am 6. September erfolgte demnach „keine Erstattung“. Sven Schulze ließ eine Anfrage unserer Redaktion zu dem Vorgang unbeantwortet. Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte er, interne Sitzungen nicht zu kommentieren. Auch Sepp Müller möchte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu den Berichten äußern.
Nach CDU-Niederlage in Sachsen-Anhalt: Müller will Landeschef werden
Von einem CDU-Machtkampf ist in den vergangenen Tagen die Rede – oder, wie die Bild schreibt: eine „CDU‑Schlammschlacht“, die jetzt „komplett eskaliert“. Bei der Landtagswahl am Sonntag musste die CDU eine herbe Niederlage einstecken. Mit 17,2 Prozent verloren die Christdemokraten 25 Mandate. Im neuen Landtag ist die Fraktion nur noch mit 15 Abgeordneten vertreten. Der bisherige CDU-Landeschef Schulze kündigte darauf bereits eine Neuwahl des CDU-Landesvorstandes an, er selbst will nach eigenen Angaben nicht antreten. CDU-Landeschef will nun Müller werden.
Infolge der Landtagswahl ist die CDU Sachsen-Anhalt zerstritten. Von einem Lager um Müller und einem Lager um Schulze berichtet der Spiegel. Die Lager hätten unterschiedliche Erzählungen, wie es zu dem Zerwürfnis kam: Im Lager Müller würde ein miserabler Wahlkampf aufseiten Schulzes angeführt: „Von einem realitätsfernen Schulze ist die Rede.“ Dass sich Schulze infolge der Wahlniederlage in einer Kampfabstimmung zum Fraktionschef wählen ließ, habe das Lager um Müller zusätzlich aufgebracht: Ein „politischer Zombie“ kralle sich an Posten. Müller sagte über den Vorgang in der ZDF‑Sendung „Markus Lanz“: „Es ist ein fatales Signal, wenn man am Abend zuvor sagt, man macht den Weg frei für einen Neuanfang.“
Müller vs. Schulze: CDU in Sachsen-Anhalt zerstritten – Rüge vom Kanzler
Das Lager um Schulze spreche von „Illoyalität“ Müllers im Wahlkampf: „Demnach habe Müller schon länger nicht mit offenem Visier gekämpft“, schreibt der Spiegel. „Schulze will offenkundig verhindern, dass Müller den Landesvorsitz übernimmt.“ Das Lager um Schulze wolle offenbar den bisherigen Bildungsminister Jan Riedel ins Rennen um den Parteivorsitz schicken.
Auch der Bundeskanzler hatte sich am Montag infolge der CDU-Gremiensitzungen mit einer überraschend offenen Rüge in Richtung Müller geäußert. Ohne ihn beim Namen zu nennen, sagte Friedrich Merz, er habe in den Parteigremien darauf hingewiesen, „dass es niemand von uns verstanden hat“, warum ein Fraktionsvize dem eigenen Spitzenkandidaten so kurz vor der Wahl in den Rücken falle. Müller hatte wenige Tage vor der Wahl gesagt, sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann habe AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund einen Regierungsbildungsauftrag. Zudem hatte Müller jegliche Zusammenarbeit mit der Linken nach der Wahl kategorisch ausgeschlossen. Das sahen zwar einige CDUler ähnlich; dennoch empfanden viele die Äußerung in der Hochphase des Wahlkampfs als Störfeuer. (Quellen: Bild, Spiegel, dpa, X: @mueller_sepp) (pav)