Langsam wird es wirklich zu wild mit der Lifestyle-Teilzeit. Dass 60 Prozent der Deutschen laut einer Studie keinen Bock auf Arbeit haben, wussten wir schon. Nur hatte man ja gehofft, dass die Mitglieder der schwarz-roten Regierungskoalition sich zu den restlichen 40 Prozent zählen.
Angesichts der vielen unvollendeten, gestoppten oder noch nicht einmal begonnenen Reformprojekte beginne ich, diese Hoffnung aufzugeben.
Dass nun offenbar ausgerechnet die Arbeitsministerin die Arbeit verweigert, wäre ja noch lustig, wenn sie denn die Einzige wäre. Bärbel Bas (SPD, Arbeiterpartei a.D.) sollte die Arbeitsmarktreformen, auf die sich die Koalition im Juli geeinigt hatte, in Gesetze gießen. Bis heute gibt es aber keinen Entwurf.
Das wiederum nimmt jetzt die Union zum Anlass, ebenfalls die Arbeit einzustellen. Die Drohung: Wenn Bas keine Gesetzentwürfe präsentiert, dann machen wir bei der Einkommensteuerreform nicht weiter.
So kann man den Tag natürlich auch rumkriegen.
Bei dem Tempo werden wir immerhin noch lange billig Cola trinken können, denn dass nun schnell jemand die gestern überraschend gestoppte Zuckersteuer wieder auf den Weg bringt, glaubt niemand.
Nun soll man die Regierung nicht permanent schlechtreden. Gut zureden ist aber wohl noch erlaubt. Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident (Traumjob), hat das jedenfalls getan. Als Anfang der Woche die Pflegereform zu scheitern drohte, rief er bei Finanzminister Lars Klingbeil und Innenminister Alexander Dobrindt an.

© picture alliance/dpa/Bundesregierung/Guido Bergmann
Den genauen Inhalt des Gesprächs kennen wir nicht. Aber er muss sie mehr oder weniger gebeten haben, sich verdammt noch mal zusammenzureißen, damit aus dem Koalitionskrach keine Staatskrise wird. Ich finde, da hat Steinmeier nicht zu viel verlangt, es ist ja eben doch ihr Job.
Jedenfalls ging die Pflegereform durchs Kabinett. Und wenn Sie jetzt genau so verwirrt sind wie ich und sich fragen, was das alles nun für Sie genau bedeutet, dann habe ich was für Sie!
Das Tagesspiegel-Innovation-Lab hat mit vielen kundigen Kollegen einen Rechner gebaut, in den Sie Ihr Gehalt und Ihre Lebenssituation eingeben können. Das Tool rechnet dann aus, wie sich die bisher angedachten Reformen für Sie konkret auswirken: mehr oder weniger Netto?

© TSP/Tröbs
Wir updaten den Rechner natürlich kontinuierlich – genauer gesagt, sobald die Koalition wieder ihre Arbeit aufnimmt!
Nachschlag:
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Unser Special Guest!
Die Koalition mag sich auf nicht mehr viel einigen können, trotzdem feiern wir morgen den Tag der Deutschen Einheit. Da haben auch alle frei.
Unserem heutigen Special Guest, Martin Sonneborn war das immer ein Dorn im Auge. Das politische Ziel seiner Satire-Partei Die PARTEI war jahrelang die „endgültige Teilung Deutschlands“. Da heute die Realität die Satire an vielen Punkten zu überholen droht, habe ich ihn eingeladen, für den Checkout noch einmal auf Gesamtdeutschland zu schauen.
Herr Sonneborn, Sie haben einst die Partei Die PARTEI gegründet. Angetreten sind Sie unter anderem mit der Forderung, die Mauer wieder aufzubauen. Heute sitzen Sie sogar im EU‑Parlament. Trotzdem feiert Deutschland morgen weiter unverdrossen die Wiedervereinigung. Fühlt sich das nach Scheitern an?
Was heißt hier „Scheitern“? Die endgültige Teilung Deutschlands ist doch so gut wie vollendet – mittlerweile finden sich Mehrheiten für den Bau einer neuen Mauer im Westen UND im Osten.

© IMAGO/Eventpress Becher
Wo liegen heute die Mauern in den Köpfen?
Nunja, Politik und Öffentlichkeit scheinen mir im Moment etwas zu polarisiert, emotionalisiert, hysterisiert und idiotisiert. Ich diskutiere gerade mit Sibylle Berg und meiner europapolitischen Beraterin, ob es Sinn hat, noch zu diskutieren. Zum Beispiel, ob wir wirklich den halben Staatshaushalt für letztlich nicht funktionsfähige Waffen ausgeben sollten – ist ja auch einiges nicht ganz in bester Ordnung in Berlin und im Lande – oder ob wir direkt in den bewaffneten Untergrund gehen.
Und worauf kann sich Deutschland dann überhaupt noch einigen?
Den Kanzler nicht allzu sehr zu lieben. Und die Bundesregierung. Mein Gott, das hätte ja sogar Die PARTEI besser hinbekommen, und wir sind wirklich keine ausgewiesenen Experten fürs Regieren...
Berlin könnte bald die erste Regierende der Linken haben, in Sachsen-Anhalt könnte die AfD den Ministerpräsidenten stellen. Hat man da als Kandidat der „extremen Mitte“ überhaupt noch Bock, Politik zu machen?
Ja. Wir haben zwei Kernforderungen identifiziert, die derzeit politisch nicht vertreten werden: Biertrinken und Frieden. Wir sind leider die einzige Partei, die ehrlich gegen die Wehrpflicht eintritt. Und für das Trinken. Prost!
Wenn Politik zur Satire wird, muss die Satire in die Politik. Haben Sie das Gefühl, die Menschen können das heute überhaupt noch auseinanderhalten?
Nein, oftmals fällt es mir selbst schwer. Ich komme gerade aus Münster. Es erleichtert Satirikern die Arbeit nicht, wenn da der Nato der Westfälische Friedenspreis verliehen wird …
Bild des Tages
Das Foto wurde heute ausgewählt von Artdirektorin Bettina Seuffert

© dpa/Bernd Wüstneck
Ist das noch Herbst oder schon der Amthor-Effekt? Jetzt werden sogar in Mecklenburg-Vorpommern die Strandkörbe weggeräumt.
Was sonst noch war
Energiepreise: Die G7-Länder wollen bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl freigeben.
Galeria: Warenhauskette stellt erneut Insolvenzantrag
Drohnenangriff: Geheimdienste identifizieren offenbar Hintermann von Vorfall in Leipzig
Gerichtsurteil: Arabische Parteien müssen zur Parlamentswahl in Israel zugelassen werden
Check this out
Der Tipp wird heute präsentiert von Tagesspiegel-Kulturredakteurin Inga Barthels

© PR/Ölsardinenindustrie
Mit seiner Single „Keine Angst“ hat Danger Dan bereits für viel Furore gesorgt, lange bevor sein gleichnamiges Album überhaupt erschienen ist. In dem Song gibt er eine detaillierte Anleitung zum Widerstand gegen Nazis, was ihm Vorwürfe der Gewaltverherrlichung und Selbstjustiz einbrachte. Beim ZDF wurden er und sein Kompagnon Igor Levit kurzfristig wieder ausgeladen.
Auf dem neuen Album, das am heutigen Freitag erscheint, finden sich noch einige andere dieser Hau-drauf-Protesthymnen. Viel spannender aber sind die Songs, in denen Danger Dan von sehr persönlichen Dingen erzählt, die dabei mindestens genauso politisch relevant sind.
So singt der 43-Jährige erstmals über die Liebesbeziehung zu einem Mann, über die Selbstsuche in der Lebensmitte, psychische Probleme und die Bedeutung von Freundschaft. Oder über seine Augenkrankheit, die ihn langsam erblinden lässt, ihm aber auch Wertschätzung gelehrt hat: „Dass es hier so schön ist / Hätt‘ ich vielleicht sonst nie gesehen.“
Hier lesen Sie unser Interview mit Danger Dan zu seinem neuen Album:
Spätlese

© Getty Images/Siri Stafford/[B] TSP
Wenn Sie heute nur einen Text lesen … dann sollte es der meiner Kollegin Marion Koch sein. Sie hat mit dem Soziologen Michael Hartmann gesprochen. Er beschäftigt sich mit einer Gruppe, der die wenigsten von uns angehören, die aber trotzdem am meisten zu sagen hat: den oberen 100.000.
Seit über Hundert Jahren, sagt Hartmann, vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik, stammen über achtzig Prozent der Leute, die in Deutschland Spitzenpositionen in der Wirtschaft eingenommen haben, aus den oberen vier Prozent der Bevölkerung. Warum Ostdeutsche in den Top-Eliten immer noch kaum vorkommen, wie dort Spitzenpositionen vergeben werden und alte Traditionen zurückkehren, lesen Sie im Interview:
Elitenforscher über die oberen 100.000: „Man erkennt sich am sicheren Auftreten“
Und wie sehen Sie’s?
Vor ein paar Tagen haben wir Sie an dieser Stelle gefragt, wie Sie den neuen Checkout finden. 749 Leserinnen und Leser haben sich beteiligt. Vielen Dank dafür!
Und so sehen Sie’s:

© Tsp
77 Prozent finden den Checkout gut

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80 Prozent mögen die Mischung

© Tsp
64 Prozent finden uns lustig!
Und das stand zwischen den Zeilen (eine Auswahl):
„Ich mag das. Beim Lesen lächeln ist unglaublich schön“
„Nicht lustig, aber unterhaltsam“
„Heute wohl einen Clown gefrühstückt“
„Humor gerne, bitte mit weniger Zeigefinger“
„Sie schreiben mit Witz, aber mit Tiefe. Diese Mischung mag ich sehr.“
„Etwas kürzer und knapper wäre besser.“
„Zu oberflächlich, zu flapsig. So bemüht, witzig zu sein“
„Wie schon gesagt, ich freue mich jeden Tag auf ihre Mail“
„Ist wirklich okay, passt.“
Ihre Zuschriften zu lesen, hat dem ganzen Checkout-Team den Start ins Wochenende versüßt. Wir wissen jetzt, was ihnen passt, was nicht. Wo wir besser werden können. Und vor allem sind wir nun sicher: WIR werden die Arbeit nicht niederlegen.
Und Sie können sicher sein: Wir gehören zu den 40 Prozent. Es macht uns großen Spaß, diesen Newsletter für Sie zu schreiben.
Ein arbeitsfreies Wochenende wünscht Ihr
Sidney Gennies