Chemie-Nobelpreis: Wer sind die Favoriten für die wichtige Auszeichnung?
Stand: 07.10.2026, 07:46 Uhr
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Heute wird der Chemie-Nobelpreis vergeben. Welche Forschenden und Disziplinen gelten als Favoriten auf den wichtigen Preis?
Stockholm – Heute (7. Oktober) richtet sich das Augenmerk der weltweiten Forschungsgemeinschaft erneut nach Stockholm – dort wird bekannt gegeben, wer den Chemie-Nobelpreis erhält. Nach den Meilensteinen der jüngsten Vergangenheit – der Auszeichnung für KI-gestützte Proteinstrukturvorhersagen im Jahr 2024 (als der Chemie-Nobelpreis an drei Proteinforscher ging) sowie dem Preis für metallorganische Gerüstverbindungen im Jahr 2025 – spekuliert die Wissenschaftswelt intensiv darüber, welche chemische Disziplin dieses Mal an der Reihe ist.

Die im September veröffentlichten „Citation Laureates“ des Analyse-Unternehmens Clarivate sowie angesehene Auszeichnungen wie der Wolf-Preis oder der Welch Award zeichnen ein klares Bild der aussichtsreichsten Forschungsfelder. Im Mittelpunkt stehen bahnbrechende Entwicklungen in der präzisen Gen-Editierung, der nanotechnologischen Oberflächenchemie sowie der Bioanorganik.
Präzisions-Gentechnik: David R. Liu und die nächste Stufe nach CRISPR
Ein heißer Anwärter auf den diesjährigen Preis ist David R. Liu von der Harvard University und dem Broad Institute. Seine Pionierarbeiten zur Entwicklung des sogenannten Base Editing und Prime Editing haben die molekulare Genetik und die chemische Biologie revolutioniert. Im Gegensatz zu klassischen Genscheren ermöglichen diese Verfahren punktgenaue chemische Umwandlungen einzelner DNA-Bausteine in lebenden Organismen, ohne den DNA-Doppelstrang zu zerschneiden. Diese extrem präzisen molekularen Werkzeuge eröffnen neue Möglichkeiten für die Behandlung schwerer genetischer Erkrankungen, wie bereits erste klinische Anwendungen und historische Durchbrüche bei der DNA-Reparatur eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Allerdings bleibt abzuwarten, ob das streng geheim arbeitende Nobelkomitee das Thema nach dem Chemie-Nobelpreis für die CRISPR/Cas9-Genschere im Jahr 2020 – auf deren Basis inzwischen die erste Gentherapie für Patienten zugelassen wurde – schon wieder auszeichnet. Zudem diskutiert die Fachwelt weiterhin über unkalkulierbare Risiken wie unerwünschte genetische Nebeneffekte (Off-Target-Effekte) beim Einsatz im Menschen.
Bekanntgabe der Träger des Chemie-Nobelpreises 2026
Am 7. Oktober 2026 ab 11.45 Uhr wird in Stockholm bekannt gegeben, wer mit dem Chemie-Nobelpreis 2026 ausgezeichnet wird.
Themen für den Chemie-Nobelpreis 2026: Materialchemie, Bioanorganik und fundamentale Lebensprozesse
Ein weiteres zentrales Thema liegt an der Schnittstelle von Chemie und Materialwissenschaften. Mit ihrer aktuellen Auszeichnung als Clarivate Citation Laureates, die in der Fachwelt als inoffizielle Nominierung für den Chemie-Nobelpreis gilt, rücken David L. Allara, Ralph G. Nuzzo und Jacob Sagiv für ihre Pionierarbeit bei der Entwicklung selbstassemblierter Monoschichten ins Rampenlicht. Ihre Entdeckung, wie sich organische Moleküle spontan zu hochgeordneten, einlagigen Schichten auf Festkörperoberflächen strukturieren, bildete das Fundament für die moderne Nanotechnologie, für hochempfindliche Biosensoren und für maßgeschneiderte funktionale Beschichtungen in der Mikroelektronik.
Ebenfalls weit oben auf den Listen vieler Experten rangieren Harry B. Gray und Jay R. Winkler vom California Institute of Technology. Das Duo hat das Verständnis des langreichweitigen Elektronentransfers in Proteinen grundlegend aufgeschlüsselt. Ihre Arbeiten zeigten, wie Elektronen über erstaunlich große Distanzen durch das Innere biologischer Makromoleküle wandern. Diese Erkenntnisse sind von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis zentraler Lebensprozesse wie der Fotosynthese und der Zellatmung und legen den Grundstein für neuartige künstliche Katalysatoren im Bereich der erneuerbaren Energien.
Nobelpreis-Dauerbrenner und geheime Entscheidung in Stockholm
Neben den aktuellen Zitations-Spitzenreitern bleiben auch langjährige Favoriten anderer Teildisziplinen im engeren Kreis. Dazu zählen Shankar Balasubramanian und David Klenerman für die chemischen Grundlagen der Next-Generation-DNA-Sequenzierung sowie Chi-Huey Wong für seine bahnbrechenden Synthesemethoden in den Glykowissenschaften.
Welche Entscheidung die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften schlussendlich trifft, bleibt bis zur offiziellen Verkündung geheim; Zitations-Analysen sind für die Stockholmer Jury ohnehin nicht bindend. Nachdem das Komitee im Vorjahr mit der Würdigung der Gerüststrukturen die synthetische Materialchemie ehrte, stehen die Chancen für die chemische Biologie, die Gentherapie oder fundamentale biochemische Mechanismen jedoch gut. (Quellen: Clarivate Citation Laureates, eigene Recherche) (tab)