Stand: 07.10.2026, 07:45 Uhr
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Experte David Sharp sieht hohe Verluste allein nicht als Grund für Putin, den Krieg zu stoppen.
Moskau – Russlands hohe Verluste und steigende Kriegskosten dürften Wladimir Putin nach Einschätzung des Militärexperten David Sharp nicht zum Einlenken zwingen. Der Krieg um die Ukraine sei für den russischen Präsidenten längst zu einer persönlichen Prinzipienfrage geworden.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Erst eine „reale Katastrophe“ oder die Einsicht, dass sein militärisches Ziel unerreichbar bleibt, könnte laut Sharp Putins Kalkül verändern. Putin habe sich mit dem Ziel festgelegt, die gesamte Region Donezk zu erobern, erklärte Sharp in einem Interview mit dem ukrainischen Medium Oboz.ua.

Ein Verzicht darauf wäre für ihn eine persönliche Niederlage. Sharp verwies dabei auf die hohen russischen Verluste und die bereits angefallenen Kosten des Krieges. Trotzdem sehe er „keinen Grund für ihn, aufzuhören, selbst wenn er noch größere Kosten trägt“, solange keine „reale Katastrophe“ eintrete.
Donezk als persönliche Frage für Putin
Ändern könnte sich Putins Rechnung erst, wenn Moskau erkennen müsste, dass es auch auf Jahre hinaus kaum vorankommt. Deutlich höhere Militärausgaben allein würden dafür nach Sharps Einschätzung nicht reichen. Russland könne mehr Geld in den Krieg stecken, Schulden aufnehmen und an anderer Stelle sparen.
Eine wirtschaftliche Katastrophe drohe Putin im kommenden Jahr nicht. Entscheidend sei vielmehr, ob Putin weiterhin glaube, sein Ziel erreichen zu können. Rechnet der Kremlchef damit, die Aufgabe innerhalb eines Jahres zu lösen, werde er den Krieg fortsetzen und immer wieder prüfen, wie viel Zeit und Geld noch nötig seien.
Auch die russische Haushaltsplanung deutet Sharp in diesem Zusammenhang: Die für 2027 vorgesehenen Militärausgaben orientierten sich demnach weitgehend an den tatsächlichen Kosten von 2026, die über dem ursprünglich veranschlagten Budget gelegen hätten.
Ballistische Raketen könnten Putins Kalkül verändern
Mehr ukrainische Schlagkraft könnte diese Rechnung verändern. Bislang habe die Ukraine nicht gezeigt, dass sie Moskau und das Umland dauerhaft schwer treffen könne, sagte Sharp. Dafür wären wiederholte Angriffe auf zentrale Knoten der Energieversorgung mit schweren und zahlreichen Waffen nötig.
Besonders ballistische Raketen könnten die Lage nach seiner Einschätzung verändern. Mit solchen Waffen würden die Möglichkeiten der Ukraine „auf ein qualitativ neues Niveau“ steigen. Auch mehr strahlgetriebene Drohnen und einfache Marschflugkörper könnten die Reichweite ukrainischer Angriffe erhöhen.
Dabei geht es Sharp auch um Abschreckung. Kann die Ukraine Russland einen deutlich höheren Schaden zufügen, steigt aus seiner Sicht der Preis für eine Fortsetzung des Krieges. Bislang reichten die gezeigten ukrainischen Fähigkeiten vor allem für Angriffe auf grenznahe Regionen und besetzte Gebiete wie die Krim. Für Moskau selbst sehe er diese Stärke derzeit nicht.
Mit deutlich größeren Kapazitäten könnte sich das ändern. Vor allem zusätzliche ballistische Waffen wären nach Sharps Einschätzung entscheidend. Hätte die Ukraine mehr solcher Möglichkeiten, „besonders bei der Ballistik“, hätte Putin seiner Ansicht nach „keine Alternative“.
Über David Sharpe
Sharp wurde 1974 in der damaligen Sowjetunion auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geboren. Er diente dreieinhalb Jahre in der israelischen Armee und arbeitet seit vielen Jahren als Militärkommentator für russisch- und ukrainischsprachige Medien. Quellen: Oboz.ua, nif/red.