Clowns, Akrobatik, Magie: 50 Jahre im Roncalli-Zirkushimmel

Manege frei am Wiener Rathausplatz: Bernhard Paul feierte mit seinem Circus-Theater Roncalli das 50-Jahr-Jubiläum mit einer abwechslungsreichen und bejubelten Show

Am Wiener Rathausplatz betritt das Publikum eine nostalgische Welt: Am Eingang stehen ein historisches rot-goldenes Riesenrad und eine opulente „Nostalgiebar“, auf denen sich Konterfeis großer Clowns befinden. Acht nachgebaute türkise Otto-Wagner-Pavillons dienen als Gastro-Hütten. Zirkusdirektor Bernhard Paul feiert das 50-Jahr-Jubiläum seines Circus-Theaters Roncalli mit einer mitreißenden Revue im blau-weißen Grand Chapiteau, das am Ende alle vom Hocker reißt.

Der 79-jährige Roncalli-Gründer Bernhard Paul kehrt mit der Jubiläumsshow an jenen Ort zurück, an dem er seinen einstigen Kindheitstraum erstmals realisiert hat. Auf Krücken, mit einem gebrochenen Bein und einem „Hansi Hinterseer-Gedächtnisschuh“ betritt er bei der Gala-Premiere am Mittwoch die Manege. Das Publikum zollt dem Zirkusmagier Tribut und begleitet schon die Eröffnungsrede mit Standing Ovations. Jemand, so Bernhard Paul, hätte ihm zuletzt „Hals- und Beinbruch“ gewünscht. Was er gemacht habe? „Sport.“ Nach dem Schwimmen sei er ausgerutscht.

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„Ich bin ein Heimweh-Wiener“

Sein „Circus zum Hinschauen“ führte ihn mitsamt seiner Zirkustruppe über die Jahrzehnte quer durch Europa, nach Moskau, New York - und immer wieder retour nach Wien. „Ich bin ein Heimweh-Wiener“ erklärt der Zirkusdirektor. Als „erster tierfreier“ Zirkus reist die internationale Truppe auf ihrer Tournee mit einem eigenen „umweltfreundlichen“ Sonderzug. „Das Programm soll nicht ein Best-of oder ein poetisch-verträumter Rückblick sein, sondern eine Tür in die Zukunft öffnen“, sagt er in der Manege - und leitet zu seinen drei Kindern Vivian, Adrian und Lili über, allesamt im Zirkus-Unternehmen involviert. Auf sie sei er sehr stolz.

Gerade seine jüngste Tochter, Lili, habe ihn immer wieder erstaunt. „Sie hat für diese Show eine neue Nummer am Trapez einstudiert“, schwärmt er. Die atemberaubende Kontorsionsnummer in High-Heels auf dem Trapez ist eine Hommage an ihren Vater. In der Manege mutiert sie später zu einem der Höhepunkte der bildmagischen, kurzweiligen und sehr unterhaltsamen Jubiläumsshow. Dem Circus-Theater Roncalli glückt ein abwechslungsreicher Mix aus akrobatischen Nummern, feiner Clownerie und stimmig choreografierten Tänzen.

Die Extraportion Mitmach-Zirkus

Alle Roncalli-Lieblinge treten auf: Semen Shuster alias Housch-ma-Housch beweist mit abstehenden Haaren und übergroßen Schuhen sein komödiantisches und musikalisches Talent. Insbesondere dann, wenn er Menschen aus dem Publikum in die Manege holt. Fulgenci Mestres ist als der dienstälteste Weißclown Gensi in seiner 21. Saison dabei. Das ungemein präsente Clown-Trio Alan Dereck alias Canutito, Roncalli-Debütant Kevin Gorczyński alias Kevinski sowie Professor Wacko sorgt schon mit winzigen Gesten für charmant-exzentrische Körperkomik und für die eine oder andere Umarmung in den Rängen.

In Sachen Nachwuchs muss man sich um den Roncalli-Circus keine Sorgen machen: Der 19-jährige Justin Philadelphia begeistert das Publikum zu Beatles-Songs mit seinen eleganten Luftnummern am sogenannten Flying Pole.

Dem Zirkus-Himmel entgegen

Hoch hinaus geht es auch für das Demian Gritsko Team: Das Quartett streckt sich mithilfe von Russischer Schaukel und Reck dem Zirkus-Himmel entgegen. Der Einrad-Künstler Pavel Valla Bertini kreist in einem 15-Räder-Modell hoch oben durch die Manege, davor hüpft er - mit einem Modell mit weniger Reifen - über Hindernisse.

Als Duo Vitalys lassen Joel Yaicate Saavedra und Pablo Nonato Panduro die Muskeln spielen und trotzen mit ihrer beeindruckenden Adagio-Akrobatik übereinander gestapelt der Schwerkraft. In anmutigen Nummern schrauben sich auch die großartigen Artistinnen des Trios Rêve in die Höhe.

Clown-Rollen und andere Stars

Viele prominente Gäste ließen sich diese Gala-Premiere nicht entgehen: ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher wurde ebenso gesichtet wie der frisch pensionierte Dompfarrer Toni Faber oder Burgtheaterdirektor Stefan Bachmann. Für seine Rolle als Clown in „Vier minus drei“ erhielt Schauspieler Robert Stadlober heuer den Österreichischen Filmpreis für die beste Nebenrolle. Im Publikum schaute er nun den Profis zu - wie die Kolleginnen und Kollegen Barbara Wussow, Aaron Karl, Lilian Klebow, Anton Noori, Markus Freistätter, Petra Morzé oder Proschat Madani, die mit Lebensgefährten Harald Sicheritz kam. Unter die Gala-Gäste mischten sich auch das Ehepaar Elmayer, Chris Lohner, Vincent Bueno, Marika Lichter, Alfons Haider oder Michael Schottenberg.

Ein besonderes Zuckerl dürfte die Gala-Premiere auch für mehr als 500 Klienten, Ehrenamtliche und Mitarbeitende der Österreichischen Krebshilfe, der Roten Nasen und der der Make-a-Wish Foundation gewesen sein, die von der Familie Paul eingeladen wurden. Bis 11. Oktober steht die Roncalli-Nostalgie-Welt noch am Wiener Rathausplatz, bevor sie nach Innsbruck und Linz weiterzieht. Der Auftakt wurde im Konfetti- und Luftschlangen-Regen vom prominenten Gala-Publikum mit Stehenden Ovationen gefeiert.

50 Jahre Circus-Theater Roncalli.

Bis 11. Oktober in Wien, von 17. Oktober bis 8. November am Freigelände Olympiahalle Innsbruck, von 13. November bis 6. Dezember am Urfahraner Markt in Linz.
Karten: Tel. 01/3 555 666
www.roncalli.at