Commerzbank-Chefin Orlopp besteht auf Mitsprache bei möglicher UniCredit-Übernahme

Die Commerzbank hat ein Rekordergebnis vor der möglichen Übernahme durch die italienische UniCredit vermeldet – und drängt auf Mitbestimmung angesichts des Einflusses ihres mächtigen italienischen Anteilseigners. »Auch wenn die UniCredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden«, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Nur ein gemeinsamer Ansatz habe das Potenzial, Mehrwert zu schaffen. »Wir sind bereit für konstruktive Gespräche«, sagte Orlopp.

Im zweiten Quartal erzielte die Commerzbank einen Überschuss von fast 898 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr erzielte die Bank so nach eigenen Angaben ein Rekordergebnis von 1,8 Milliarden Euro. Nun sollen 1,2 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien fließen. Ein Jahr zuvor hatten Kosten für den Abbau von Tausenden Jobs den Gewinn geschmälert.

Die italienische Großbank UniCredit hält zwei Jahre nach ihrem Einstieg bei der Commerzbank inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile – und hofft, bald das Unternehmen übernehmen zu können. UniCredit-Chef Andrea Orcel erwartet nach jüngsten Aussagen eine baldige Kontrollübernahme bei dem Frankfurter Institut.

Heftiger Widerstand aus Frankfurt

Orcel plant mit der Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank als Konkurrenz zu profitableren Geldhäusern aus den USA zu schmieden. Die UniCredit hofft wohl auf Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen.

Das aus Commerzbank-Sicht »feindliche Vorgehen« der UniCredit sorgte für heftigen Widerstand bei Management und Belegschaft des Dax-Konzerns. Zwischenzeitlich hatte die Commerzbank der UniCredit vorgeworfen, ihre Aktienposition »künstlich aufzublähen« und die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Ein Ergebnis der Prüfung durch die Bankenaufsicht steht aus. Eine Strafanzeige des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats wegen des Verdachts der Marktmanipulation lief bereits ins Leere. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte es ab, ein Ermittlungsverfahren aufzunehmen.

Auch die Bundesregierung äußerte sich kritisch zu der Übernahme, das Vorgehen der italienischen Bank sei »unfair«. Der Bund, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die UniCredit wurde, hat mit seinen verbliebenen gut zwölf Prozent Anteil ein Wort mitzureden. Die Beteiligung ist eine Folge der Finanzkrise 2008/2009, als der Staat das Institut mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrte.

Seit Anfang Juli ist die UniCredit der feindlichen Übernahme der Commerzbank einen großen Schritt näher. Doch den weiteren Fahrplan lässt die Mailänder Bank offen. In Frankfurt machen sich die ersten Mitarbeiter offenbar schon auf alles gefasst. Mehr über den Bankenkrimi lesen Sie hier .