„Noch provokanter und aggressiver“: Experten warnen nach Drohnen-Vorfall in Leipzig vor Russland

Sprengstoff-Drohne in Leipzig: Steckt Russland dahinter?

Stand: 06.08.2026, 12:32 Uhr

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Wer steckt hinter dem Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig-Halle? Innenminister Dobrindt meidet Spekulationen, andere sind sich sicher – und einig.

Leipzig – Eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne wird neben einem ukrainischen Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle aufgegriffen. Der Verdacht, Russland könnte dahinterstecken, drängt sich unweigerlich auf. Denn das Land führt unter Wladimir Putin nicht nur einen blutigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auch im Westen treten seit Jahren Sabotageakte auf, die russische Handschrift tragen. Fachleute und die Politik sprechen von hybrider Kriegsführung.

Kriminaltechniker der Polizei (hinten) sind in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs auf dem Flughafen Leipzig/Halle im Einsatz. Nach dem nächtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entschärft.

Kriminaltechniker der Polizei (hinten) sind in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs auf dem Flughafen Leipzig/Halle im Einsatz. Nach dem nächtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entschärft. © Hendrik Schmidt/dpa

Der Bundesinnenminister war nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle jedoch vorsichtig. Alexander Dobrindt hatte extra seinen Urlaub unterbrochen, um nach Sachsen zu reisen – das zeigt, wie ernst man die Aktion nimmt. Der CSU-Mann sprach von einem „sehr ernsten sicherheitsrelevanten Vorfall“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“. Der Flughafen ist wohl dank eines defekten Zünders einem gravierenden Anschlag nur knapp entgangen.

„Hybrides Angriffsszenario“ in Leipzig: Dobrindt umgeht Russland-Benennung

Wer Interesse daran haben könnte, einen solchen Anschlag auszuführen, darüber wollte Dobrindt am Mittwochabend nicht spekulieren. Er hielt sich bei einem Pressestatement bewusst bedeckt und betonte mehrfach, dass in alle Richtungen ermittelt werde. Er sprach von „professioneller Technik“ und davon, dass man nicht ausschließen könne, dass „fremde Mächte“ involviert seien, die „ganz offensichtlich zu erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen wollen“. Was er in seiner Ausführung nicht aussprach: Russland und Putin.

Andere Politiker und auch Experten werden hier deutlicher. Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter hat offen Russland den versuchten Anschlag zugeschrieben. „Bei dem versuchten Drohnenangriff am Leipziger Flughafen gehe ich von einem gezielten hybriden Angriff, also einem versuchten Terrorakt, gesteuert von Russland aus,“, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Die Bedrohung für Deutschland durch von Russland gesteuerte hybride Angriffe halte er für gravierend.

Fachleute sind sicher: Russland steckt hinter Drohnen-Vorfall in Leipzig

Deutschland sei hier besonders verletzlich, weil man auf hybride Angriffsvektoren bislang kaum eingestellt sei. Kiesewetter riet der Regierung, gemäß NATO-Artikel 4 die Bündnispartner zu konsultieren. Denn die Zunahme hybrider Angriffe und das „Austesten aus Russland“ führe „immer mehr zu einer Gewöhnung und damit Unterminierung unserer Sicherheit“.

Der Dresdner Luftverkehrsexperte Hartmut Fricke sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, es sei künftig häufiger mit vergleichbaren Vorfällen zu rechnen, „solange die Russland-Aggression nicht stoppt.“ Auch Sicherheitsexperte Nico Lange zufolge passt der Vorfall in Leipzig „ins Schema der russischen hybriden Angriffe gegen Deutschland“. Es sei „sehr wahrscheinlich, dass das ein solcher hybrider Angriff war“, sagte Lange dem Fernsehsender Phoenix.

Der CDU-Sicherheitsexperte Peter Müller zeigte sich gar „verwundert“ darüber, dass Dobrindt den Russland-Verdacht nicht klar benannt hatte. Dennoch habe der Innenminister „verschlüsselt“ auf Russland hingedeutet: „Wir sprechen über hybriden Krieg, weil das eine Doktrin Russlands ist“, so Neumann im Podcast bei Bild-Vize Paul Ronzheimer. „Wenn man von hybridem Krieg oder hybriden Bedrohungen spricht, dann meint man damit nicht den IS oder Rechtsextremisten, sondern in den allermeisten Fällen ist von Russland die Rede.“

Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig wäre nicht der erste Vorfall mit Russland-Bezug

Müllers Theorie ist, so sagt er im Podcast, Dobrindts Umfeld habe ihm davon abgeraten, Russland zu benennen, da man für eine solche Anschuldigung Beweise brauche. Er wünsche sich „ein ganz klares Signal Richtung Russland“, um keine Schwäche zu demonstrieren. „Das lädt natürlich dazu ein, mehr Versuche dieser Art zu starten“, mitunter noch „provokanter und aggressiver“.

Fakt ist: Es wäre nicht das erste Mal, dass der Flughafen Leipzig/Halle als Ziel russischer hybrider Kriegsführung ausgewählt wurde. Auch 2024 entging das Luftfahrt-Drehkreuz womöglich nur knapp einer Katastrophe. In einem DHL-Logistikzentrum geriet ein Luftfrachtpaket in Brand. Nach aktuellem Erkenntnisstand sollte es sich auf einem Flug entzünden – was laut Spiegel nur deshalb nicht passierte, weil die Maschine, die damit beladen werden sollte, Verspätung hatte. Laut Ermittlungen war ein Brandsatz in dem Paket versteckt und die Tat soll beauftragt worden sein – von Russland. (Quellen: Spiegel, dpa, Phoenix, Bild, Augsburger Allgemeine) (ial)