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Darüber spricht Teheran: Iranerinnen erobern die Strassen auf zwei Rädern
Eigentlich ist Motorradfahren für Frauen in Iran verboten. Doch immer mehr Iranerinnen, besonders in der Hauptstadt Teheran, ist das egal. Die Hardliner finden das «sexuell provokant», doch die Regierung scheint jetzt nachzugeben.
Omide Azadi16.08.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten

Ohne Führerschein auf dem Motorrad unterwegs: Die Iranerinnen kümmert das wenig.
Morteza Nikoubazl / NurPhoto/Getty
Ein blaues Motorrad hält neben einem roten und rosafarbenen vor einem Café an der Sanaei-Strasse. Mahsa, die Wirtschaftsingenieurwesen studiert, zieht ihren Helm vom Kopf, blickt in den Rückspiegel, streicht sich durch ihr blondes Haar, bevor sie das Lokal betritt. So weit, so normal. Doch Mahsa ist im Zentrum von Teheran. Und dort erhalten Frauen keinen Führerschein für Motorräder: verboten, so will es das Gesetz der Islamischen Republik. Aber das wackelt nun.
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«Unislamisch» und «sexuell provokant» seien Frauen am Lenker, sagen die Hardliner. Alam al-Huda, ein hochrangiger Kleriker, erklärt: «Motorradfahrende Frauen führen zur Verbreitung von moralischer Korruption und dazu, dass Frauen sich unverschleiert zeigen.»
Ziemlich vielen Frauen ist das mittlerweile ziemlich egal. Sie sind wie Mahsa auf Motorrädern unterwegs – auch ohne Führerschein. Sahar, eine Startup-Mitarbeiterin, die gerade auf einem Wochenmarkt unterwegs ist, sagt: «Wir müssen diese lächerliche Geschlechterdiskriminierung beenden.»
Auf Social Media teilen Frauen ihre Erfahrungen. Die 70-jährige Mohtasham etwa filmt sich für ihr Instagram-Profil: «Ich erledige viele meiner Einkäufe mit dem Motorrad.» Das Motto auf ihrer Seite lautet: «Mein Motorrad ist meine Beine.»
Für Mahsa, die Studentin mit dem blauen Motorrad, fühlt sich Fahren wie Fliegen an: «Wenn ich auf dem Motorrad sitze, spüre ich ein Gefühl von Freiheit.» Und weil immer mehr Iranerinnen auf zwei Rädern unterwegs sind, muss das Regime wohl nun klein beigeben. Mitten in Kriegszeiten erklärte Zahra Behrouz-Azar, Irans Vizepräsidentin, zuständig für Frauen- und Familienangelegenheiten, dass die Regierung eine Gesetzesänderung in Betracht ziehe: «Ich hoffe, dass die Vergabe von Motorradführerscheinen an Frauen bald beginnt.»
Maryam, 35, die ihr Motorrad «Kiti» getauft hat, bezeichnet die Ankündigung als einen «Sieg für die Frauen». Viele Teheraner reagieren positiv auf die Motorradfahrerinnen. Die 22-jährige Noushin berichtet, dass Menschen ihr unterstützend hinterherpfiffen und sie laut als «Löwin» feierten. Die Verkehrspolizei dagegen findet das alles nicht besonders lustig. Sie weist warnend darauf hin, dass Frauen das Fahren so lange untersagt sei, bis sie einen Führerschein besässen. Bei einem Unfall schützten sie weder das Gesetz noch die Versicherung.
Elaheh, die seit drei Jahren Motorrad fährt, stürzte kürzlich, weil ihr ein Auto hinten auffuhr. Als der Fahrer bemerkte, dass sie eine Frau sei, habe er die Polizei gerufen. «Ich habe schnell das Weite gesucht.» Da ihre Familie religiös ist, hat sie Angst vor einer Festnahme. «Wenn ich auf dem Motorrad sitze, trage ich Kleidung, die mich nicht sofort als Frau erkennbar macht.»
Als Beifahrerin hinten auf dem Motorrad zu sitzen, ist für die Iranerinnen übrigens kein Verbrechen. Maryam lacht und sagt: «Die Hardliner haben doch nur Angst, dass ihre Frauen das Steuer übernehmen und sie auf den Rücksitz verbannen.»
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
1 Kommentar
Vincent Kraeutler
vor 2 Stunden
"Alam al-Huda, ein hochrangiger Kleriker, erklärt: «Motorradfahrende Frauen führen zur Verbreitung von moralischer Korruption und dazu, dass Frauen sich unverschleiert zeigen.»" Koestlich. :)
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