Das Abkommen von Mekka: Ein folgenreicher Schwur als Folge des Iran-Kriegs

Stand: 09.08.2026, 21:08 Uhr

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Das Abkommen zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan dient nicht nur der Verteidigung. Wird das Bündnis zu einem NATO-Äquivalent in Nahost? Der Leitartikel.

Mit dem Verteidigungsabkommen zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan verändert das Trio die Sicherheitsarchitektur in der Region. Dafür haben die sunnitischen Regionalmächte ihre Lehren aus dem Krieg der USA und Israel gegen den Iran gezogen, unter dem Riad und die anderen Golfstaaten durch die iranischen Angriffe leiden. Vor allem die Saudis zeigen, dass sie sich verteidigungspolitisch nicht mehr auf Washington verlassen wollen.

07.08.2026, Saudi-Arabien, Mekka: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l-r), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif unterzeichnen ein trilaterales Verteidigungsabkommen. Foto: -/Saudi Press Agency/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Saudi-Arabien, Mekka: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l-r), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif unterzeichnen ein trilaterales Verteidigungsabkommen. © -/dpa

So gesehen ist es auch eine leise Kritik am Vorgehen des mächtigen Bündnispartners USA. Negativ für Washington dürfte sein, dass Pakistan nun wohl als Vermittler zwischen Washington und Teheran bei den Verhandlungen über einen Waffenstillstand ausfällt.

Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien gehen Militärbündnis ein

Denn Islamabad ist Teil eines Pakts der Abschreckung gegen die iranischen Mullahs, die geostrategisch durch den Konflikt mit dessen Erzfeinden USA und Israel gestärkt wurden, da sie die Kontrolle über die Straße von Hormus erlangt haben. Teheran und seine verbündeten Milizen bleiben also länger als von vielen erhofft Unruhestifter in der Region.

Dagegen wirft das Trio nun einiges in die Waagschale. Die enormen finanziellen Ressourcen Saudi-Arabiens werden durch die einsatzerprobte türkische Armee und deren bedeutendes militärindustrielles Potenzial ergänzt. Pakistan wiederum hat nicht nur Atombomben, sondern ebenfalls eine kampferprobte Armee.

Israel muss das Trio nicht fürchten, dürfte allerdings über dieses neue Machtzentrum nicht erfreut sein. Fraglich bleibt, ob Saudi-Arabien sich wie von US-Präsident Donald Trump im Rahmen des Atomabkommens gefordert Israel politisch annähert. Wahrscheinlicher ist, dass Riad mit den neuen Bündnispartnern eher seine eigene Machtposition in der Region stärkt und zu Israel weiterhin auf Distanz bleibt.

Das Mekka-Bündnis als Nahost-Äquivalent zur NATO?

Auf einem anderen Blatt steht, ob das Mekka-Bündnis der Grundstein einer verteidigungspolitischen Allianz für die Region sein wird – ähnlich der NATO. Das ist zwar denkbar. Schließlich könnten sich dem Trio bald Ägypten oder andere Golfstaaten anschließen. Doch bislang gibt es viele Absichtserklärungen zwischen Staaten in der Region, die nicht über dieses Stadium hinausgekommen sind. Dazu sind die Beziehungen der Länder oft nicht belastbar und zu wechselhaft. Womöglich reicht es dem Trio bereits, dass ihr Bündnis abschreckend auf Teheran wirkt.

Dennoch müssen Deutschland und die anderen NATO-Partner genau verfolgen, wie sich das in Mekka geschlossene Bündnis entwickelt. Auf jeden Fall sollte vermieden werden, dass der Bündnispartner Türkei in einen militärischen Konflikt mit dem Iran – und damit womöglich wegen der Beistandspflicht der gesamte Nordatlantikpakt – hereingezogen wird.

Der Einfluss Deutschlands und seiner europäischen Partner wird in der Region mit dem Bündnis geringer. Sie sind nach den Kriegen zwischen Israel und den Palästinensern einerseits und dem militärischen Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran andererseits kaum noch ein Ansprechpartner für Staaten im Nahen und Mittleren Osten.

Der Trump-Administration sollte das Bündnis zu denken geben. Mal wieder schließen sich Mittelmächte nach einem Alleingang Washingtons zusammen. Damit verlieren die USA Einfluss. Sie werden schwächer, nicht mächtiger, wie es Trump versprochen hat. Das zeigt sich auch im Konflikt mit dem Iran. Washington hätte Partner benötigt, um den Einfluss des Irans in der Region zurückzudrängen. Womöglich wäre Trump dann nicht in einer Sackgasse gelandet.