Stand: 14.09.2026, 20:29 Uhr
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Christian Glas aus Hebertshausen bedient heuer zum 20. Mal im Schottenhamel-Festzelt – zum zehnten Mal in der Anstichbox. Wie er sich mit Zink, Selen und Echinacea fit hält, erklärt er im Interview.
München/Hebertshausen – Auf der Wiesn zu bedienen ist wie Hochleistungssport: 14 bis 15 Stunden täglich sind die Kellner auf den Beinen, legen dabei mehrere Kilometer zurück, schleppen Hunderte Kilo Masskrüge und servieren ungezählte Hendl. Ohne Vorbereitung ist der Job nicht zu schaffen. Einer, der den 16-tägigen Wahnsinn kennt, ist Christian Glas aus Hebertshausen. Der 59-Jährige wird heuer zum 20. Mal im Schottenhamel-Festzelt bedienen, dabei zum zehnten Mal in der Anstichbox. Im Gespräch mit der Heimatzeitung verrät er, wie er sich auf die anstrengende Zeit vorbereitet.

Herr Glas, am Samstag geht es wieder los. Wie ist Ihre Gefühlslage gerade: Vorfreude? Oder Anspannung?
Christian Glas: Im Moment ist es noch Anspannung. Die Vorfreude kommt dann am Samstag, wenn ich in der S-Bahn sitze und nach München fahre.
Wie sehen Ihre letzten Tage vor dem Oktoberfest aus?
Untertags gehe ich noch normal zur Arbeit, ich bin Qualitätsprüfer bei der MTU. Abends lerne ich dann die Speisekarte und die Preise. Und ich bereite mein Immunsystem auf die Wiesn vor. Jede Bedienung hat da ihre eigenen Hausmittelchen, ich nehme hochdosiert Zink, Selen und Echinacea.
Bringt Sie diese Kombination wirklich gesund durch die Wiesn?
Beim Schottenhamel sind gut 200 Bedienungen und nach der Wiesn-Halbzeit ist eigentlich jeder irgendwie angeschlagen. Aber ich habe es geschafft, dass ich mich in 20 Jahren nie wegen Fieber oder Halsweh habe krankmelden müssen!
Wie bereiten Sie sich konditionell auf die 16 Tage vor?
Ich habe 40 Jahre lang Fußball gespielt und bin zum Glück eigentlich ein sportlicher Typ. Klar mach ich ein bisschen Konditions- und Krafttraining, speziell für die Finger, aber eigentlich kann man diese Belastung nicht trainieren. Nach 16 Tagen bin ich jedes Jahr platt.
Aber jetzt mal ehrlich: Stellt man sich da nicht irgendwann die Sinnfrage? Warum tun Sie sich das jedes Jahr wieder an?
(Lacht.) Die Frage stelle ich mir tatsächlich jedes Jahr um diese Zeit! Aber erstens verdient man einfach gutes Geld. Und zweitens, das sag ich ganz offen, mag ich dieses Remmidemmi einfach. Auf der Wiesn erlebst du immer was Lustiges!
Sie sind ja Teil des Fünferteams, das in der berühmten Anstichbox im Schottenhamel-Zelt bedient. Trägt dieser Arbeitsplatz auch dazu bei, dass Sie sich den Job jedes Jahr wieder antun?
Ja klar. Viele meiner Gäste sind immer die Gleichen, manche sind mir richtig ans Herz gewachsen.
Zum Beispiel?
Der Helmut Huber. Das war vielleicht kein echter Promi, aber das war der, der bei Spaten immer mit den OBs das Anzapfen geübt hat. Ein feiner Mann, der hat mich wirklich beeindruckt. Letztes Jahr, da war er schon schwer krank, kam er sogar noch im Rollstuhl. Kürzlich ist er leider verstorben. Das wird die erste Wiesn ohne ihn.
Dafür wird es die erste Wiesn mit neuem Oberbürgermeister! Ist das unter den Bedienungen Thema?
Klar wird da a bissl a Gaudi gmacht, wie er sich wohl schlagen wird, der Dominik Krause. Nach Christian Ude und Dieter Reiter ist er mein dritter OB in der Box. Aber entscheidend ist für uns Kellner ohnehin nur die Frage: Ist er Rechts- oder Linkshänder?
Warum denn das?
Weil wir uns natürlich gern so um das Fassl platzieren, dass wir bei der TV-Übertragung des Anstichs auch mal ins Bild kommen. Beim Ude waren wir damals mal alle auf der falschen Seite gestanden.
Sie sind jetzt 59 Jahre jung. Wie lange wollen Sie den Job noch machen?
Solange es meine Füße, Hände und mein neues Knie mitmachen. Und es mein Orthopäde erlaubt...