Fed will Zinsen erhöhen – jetzt droht Warsh der Trump-Zorn

Stellt er sich gegen Trump?

Jetzt steht die Feuertaufe von Fed-Chef Kevin Warsh bevor

Anhaltende Inflation, hohe Ölpreise und steigende Renditen am Anleihenmarkt: Die Zeichen in den USA stehen auf Zinserhöhung. Doch der Chef der US-Notenbank weiss: Dreht er an der Zinsschraube, legt er sich ausgerechnet mit Donald Trump an.

Publiziert: vor 26 Minuten

Darum gehts

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  • Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über eine mögliche Zinserhöhung
  • Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent für Erhöhung auf 4 Prozent erwartet
  • US-Inflation von 3,4 Prozent und Ölpreise über 100 Dollar machen Anhebung wahrscheinlich
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Am Mittwoch steht der nächste Leitzinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an. Momentan liegt er bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Seit Dezember 2025 hat ihn die Notenbank nicht mehr verändert. Das könnte sich nun ändern. Mit einer Wahrscheinlichkeit von derzeit 87 Prozent rechnen die Märkte fest damit: Die Fed unter ihrem obersten Währungshüter Kevin Warsh (56) wird den Leitzins auf vier Prozent erhöhen.

Warsh gilt im Wirtschaftsfachjargon als sogenannter «Falke». Heisst: Er steht für eine restriktive Geldpolitik und einen harten Kampf gegen die Inflation. Und genau die bleibt in den USA hartnäckig. Im August lag die Teuerung bei 3,4 Prozent. Allein gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent. Damit ist die Inflation noch immer deutlich vom 2-Prozent-Ziel, das die Notenbanken weltweit verfolgen, entfernt.

Hinzu kommt der Ölpreis. Ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent kostet mittlerweile wieder über 100 Dollar. Das verteuert wiederum Diesel, der in den USA mittlerweile mehr als 6 Dollar pro Gallone kostet und mit dem die riesigen Trucks ihre Tanks befüllen. Wird der Transport teurer, steigen früher oder später auch die Preise im Supermarkt.

Analysten erwarten gleich mehrere Zinserhöhungen

Und dann ist da der Anleihenmarkt. Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen sind kräftig gestiegen, zehnjährige Anleihen rentierten vergangene Woche zeitweise mit nahezu 5 Prozent. Das ist für die Aktienmärkte ein Warnsignal. Weil Anleger mit anhaltend hohem Inflationsdruck rechnen, verlangen sie mehr Zins. Greift die Fed nicht durch, könnte ihr Vertrauen in eine moderate Teuerung weiter schwinden.

Experten gehen deshalb davon aus, dass es nicht bei einer einzigen Anhebung bleiben wird: «Es gibt am Mittwoch nicht nur eine Zinserhöhung, es gibt mindestens noch eine zweite in diesem Jahr», erklärt Analyst Clemens Schmale in einem Kommentar auf der Trading-Plattform Stock3. «Alles andere würde die Glaubwürdigkeit der Fed infrage stellen.»

«Präsident wird alles andere als glücklich sein»

Doch wenn die Währungshüter ihre Glaubwürdigkeit bewahren wollen, droht ihnen Ärger an anderer Front: US-Präsident Donald Trump (80) dürfte eine Zinserhöhung gar nicht schmecken. Immer wieder fordert er tiefere Zinsen – er wünsche sich «die tiefsten Leitzinsen auf der Welt», sagte er am Sonntag. Kevin Hassett (64), Direktor von Trumps Wirtschaftsrat, machte gegenüber Fox News klar: «Kommt es zu einer Zinserhöhung, dann wird der Präsident alles andere als glücklich sein.»

Warsh gilt nicht als Trump-Loyalist. Er hat sich mehrfach für die politische Unabhängigkeit der Fed ausgesprochen und ist nicht dafür bekannt, die Zinsen auf Zuruf aus dem Weissen Haus zu senken. Trotzdem hat Trumps Fehde mit dem früheren Notenbank-Chef Jerome Powell (73) gezeigt: Als Fed-Vorsitzender überlegt man es sich besser zweimal, den Präsidenten zu verärgern. Als Reaktion auf Powells Weigerung, den Leitzins zu senken, versuchte Trump, ein Strafverfahren gegen ihn einzuleiten. Das Vorhaben scheiterte. Nun steht Warsh vor seiner ersten grossen Machtprobe. Ob ihm dasselbe Schicksal wie seinem Vorgänger droht? 

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