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Das Oben macht auf Bangkok – und wie gut auch noch
Das Oben auf dem Dach der Hauptbücherei wurde über Nacht zu einem Lokal mit aufsehenerregend guter südostasiatischer Küche.
Severin Corti
Es braucht nicht viel Fantasie und man darf sich, zur blauen Stunde zwischen acht Spuren Gürtel-Vrooom, ein bisserl wie in Bangkok fühlen – speziell, wenn in der Ferne die Skyscraper vom Wienerberg in der untergehenden Sonne glitzern und ein paar Polizeisirenen gleichzeitig jaulen. Okay, dort wäre es vielleicht nicht ganz so absurd heiß wie in unserem Juni und der Lift ins Dachgeschoss natürlich klimatisiert. Dafür fährt er hier direkt von der U-Bahn-Station in den Gastraum.
Ins Oben am Dach der Hauptbücherei kommt man natürlich auch über die imposante, wirklich lange Freitreppe vom Urban-Loritz-Platz, die wird in der unbarmherzigen Glut unserer Sommer aber zusehends zum Gesundheitsrisiko. Im Oben ist es dafür richtig lauschig: Hier weht meistens ein Lüftchen, und die ausgeklügelte Architektur stellt sicher, dass irgendwo fast immer Schatten ist – eine Pergola soll aber auch noch kommen. Das ist gut so, der Druck auf die Tische ist in den vergangenen Wochen nämlich gestiegen.
Betreiber Georg Wallisch hat dem Lokal nach 15 Jahren eine radikale Neuausrichtung verpasst: Statt Burger und diversem Frühstück zwischen Eggs Benedict und Falafelteller gibt es jetzt die wohl aufregendste südostasiatische Küche der Stadt, vom Frühstück weg ohne Kompromiss, sondern mit ganz fantastischen Hongkong Style "toasted buns with coconut custard" oder richtig heißem "spicy fruit salad" zum Beispiel, aber auch mit Congee samt Onsen-Ei und frittiertem Knoblauch. Mittags darf man sich auf elaborierte Noodles freuen. Die ganz richtige Musik wird dann am Abend gespielt.
Die Küche hat Sebastian Wandl über, der war schon Küchenchef im wunderbaren Lokal im Hof, vergangenes Jahr dann in der unschlagbaren Fischerin in Kritzendorf, wo David Zoklits seine ganz individuelle Idee von Thai-Küche am Ufer der Donau zelebriert – bald mit Bootsshuttle ab Wien! Wandl hat mit Zoklits das Oben-Konzept ausgearbeitet und lässt sich hier zwischen Sichuan und Südthailand gar nichts vorschreiben – außer dass alles Fleisch und die Eier bio zu sein haben – und dass authentische Würzung ohne falsches Echtheits-Dogma mit heimischen Grundzutaten kombinierbar sein soll.
Vergangene Woche war etwa ein halber, erst gedämpfter dann knusprig frittierter Schweinskopf für zwei Personen auf der Karte, vor dem Servieren mundgerecht zerteilt und mit einem Berg Kräuter, Zwetschken-Hoisin, eingelegten Schalotten und Salatblättern zum Einwickeln: Furchterregend köstlich, vergnüglich arges Wrap ’n Dip, tolle Kombination aus Knusper und Knack, Frische und Tiefe, Süße und Scharf – so gut kann es sein, wenn uns ein Koch endlich einmal aus der Comfort-Zone zu entführen wagt.
Ganz anders, extrem zugänglich, nicht minder hinreißend: Wie Som Tam im Mörser bearbeiteter Fenchel mit Ananas, Fischsauce, Kräutern, Limette, Chili und Zucker, mit ein bissl knusprig frittiertem Fenchel obenauf, eine Offenbarung. Auch die als Amuse servierten Pork-Toasts mit einer Art Leberpastete und, geniale Idee, einem Wodka-Shot mit reichlich Chili, Kräutern, Säure als Nam Prik Pla-Substitut zeigen, wie gut sich hier jemand der neuen Art von Thai zu widmen versteht.
Hör jetzt auf bitte
Char siu vom Bio-Schopf gibt es auch, und auch das ist kaum wo besser zu bekommen, das rot geschmorte Schwein extrem saftig, schon süß aber eben auch so würzig, wie es sonst nur die Chinesen können. So geht es dahin, Ka prao vom Austernpilz mit frittiertem Ei eine reine Freude, die Fischsuppe mit superflaumigen Fischbällchen ebenso, man weiß gar nicht wie man aufhören soll. Dazu gibt es herausragenden Sidra aus Asturien, Naturweine sowieso, aber auch sehr vergnügliche Cocktails – und, ja bitte, das Pils aus Obertrum. (Severin Corti, 18.7.2026)
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