Ebola breitet sich im Kongo schneller aus als je zuvor

Afrika

Ebola breitet sich im Kongo schneller aus als je zuvor

Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo entwickelt sich zur am schnellsten wachsenden Epidemie in der Geschichte der Krankheit. Fehlende Mittel und neue US-Verordnungen erschweren die Eindämmung

Christian Putsch

Gesundheitsarbeiter in weißer Schutzkleidung tragen einen Sarg in einem Flüchtlingslager in Kigonze, Bunia, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Umstehende Personen beobachten die Szene. (18. Juni 2026)
Gesundheitspersonal transportiert in einem Flüchtlingslager den Sarg eines Ebola-Opfers.

Die Warnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden immer deutlicher. Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo wächst schneller als jeder frühere. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden 2073 Fälle bestätigt, 796 Menschen starben. Damit ist die Epidemie schon jetzt die drittgrößte der Geschichte. Beim schweren Ausbruch im Kongo zwischen 2018 und 2020 dauerte es mehr als zehn Monate, bis 2000 bestätigte Fälle erreicht waren.

Besonders beunruhigend ist, dass die Behörden einen großen Teil der Ansteckungsketten noch immer nicht kennen. Mehr als 80 Prozent der neuen Fälle würden außerhalb bereits identifizierter Kontaktlisten entdeckt, sagte WHO-Chef Tedros Ghebreyesus. Rund zwei Drittel der Todesfälle ereigneten sich zudem in den Gemeinden, bei Menschen, die nie ein Krankenhaus oder ein Behandlungszentrum erreicht haben.

Die deutlichen Warnungen sind auch eine Reaktion auf die Kritik nach der Ebola-Epidemie 2014. Damals wurde der Organisation vorgeworfen, den internationalen Gesundheitsnotstand zu spät ausgerufen und die weltweite Hilfe zu langsam in Gang gesetzt zu haben, während sich das Virus über Guinea, Liberia und Sierra Leone nahezu ungehindert ausbreitete. Die WHO reagierte seinerzeit erst auf massiven Druck von Hilfsorganisationen, allen voran Ärzte ohne Grenzen (MSF). Letztlich starben über 11.000 Menschen.

Kampf gegen Fake-News

Daraus hat die Organisation zweifellos gelernt, doch auch diesmal läuft die medizinische Hilfe dem Erreger hinterher. Zwar wurde die Behandlungskapazität im Ostkongo inzwischen auf mehr als 800 Plätze ausgeweitet, die Zahl der Labore stieg von einem auf 16. Doch Tedros räumt ein, dass der Ausbruch die Reaktion weiterhin "überholt". Für die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie.

Doch Medizin allein wird nicht reichen. Das Epizentrum liegt in der umkämpften Provinz Ituri. Bewaffnete Gruppen erschweren den Zugang, Behandlungszentren wurden angegriffen, Helfer geschlagen. Falschinformationen verbreiten die Behauptung, Ebola existiere nicht oder medizinisches Personal wolle Menschen absichtlich infizieren. "Falschinformationen sind der größte Alliierte von Ebola", sagte Wessam Mankoula von der Gesundheitsbehörde Africa CDC. Falsche Gerüchte verzögerten Behandlungen und gäben dem Virus mehr Gelegenheit, sich auszubreiten.

Und die internationale Finanzierung ist derzeit, wie bei so vielen Krisen, völlig unzureichend. Für die Eindämmung des Ausbruchs wurden zunächst 115 Millionen Dollar benötigt, eingegangen waren lediglich 45 Millionen – knapp 40 Prozent. "Das ist keine Wohltätigkeit, sondern eine Investition in nationale Sicherheit", sagte Tedros und forderte die Geberstaaten zu mehr Unterstützung auf.

Erfolge in Uganda

Doch stattdessen verkomplizieren vor allem die USA die Hilfe zusätzlich. Amerikanische Helfer, die aus dem Kongo zurückkehren, müssen einer neuen Verordnung zufolge nun 21 Tage in einem Drittstaat verbringen, bevor sie einreisen dürfen. Sechs Mitarbeiter einer christlichen Hilfsorganisation befinden sich deshalb in einer Isolationseinrichtung in Kenia. Die Regel könnte medizinisches Personal davon abhalten, überhaupt in die betroffenen Gebiete zu reisen.

Dass schnelle Reaktion wirken kann, zeigt Uganda. Dort wurde der letzte bestätigte Ebola-Patient aus dem Krankenhaus entlassen. Das Land registrierte insgesamt 20 Fälle und zwei Todesfälle. Nun läuft die vorgeschriebene Frist von 42 Tagen ohne Neuinfektion. Gesundheitsminister Chris Baryomunsi sprach von einem "Moment der Freude". Immerhin einer. (Christian Putsch, 18.7.2026)

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